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ÖSTERREICH: Herr Petzner, warum geben Sie jetzt – bald ein
Jahr nach dem Tod von Jörg Haider – erstmals ein Interview zu den
Hintergründen dieses Unfalls? Sie haben neun Monate in dieser Causa
geschwiegen ... STEFAN PETZNER: Ich habe mir dieses
Interview lange, sehr lange überlegt – aber es gibt gegenüber den
vielen Anhängern von Jörg Haider eine Verpflichtung, dass sich endlich
wer vom BZÖ zu Wort meldet und klar sagt: So wie das bisher mit dem
Unfall dargestellt wurde – so kann es nicht gewesen sein. Es muss neu
ermittelt werden!
ÖSTERREICH: Warum haben Sie bisher geschwiegen? PETZNER:
Manchmal ist es notwendig, dass man die Dinge mit einem zeitlichen
Abstand betrachtet, um sie ohne Emotion, rein nach den Tatsachen und
Fakten beurteilen zu können. Und nach Prüfung dieser Tatsachen und
Fakten geht es mir so wie vielen Kärntnern: Niemand mehr in Kärnten –
und ich betone: NIEMAND – glaubt noch an die offizielle Version, dass
das ein Unfall unter Alkoholeinfluss war. Es gibt zu viele offene
Fragen und Zweifel, Dinge, die einfach nicht zusammenpassen und
Fakten, die der offiziellen Unfallversion klar widersprechen. Ich habe
auch das neue Buch dazu gelesen. Und deshalb sitze ich heute da vor
Ihnen zu diesem Interview. Um öffentlich Druck zu machen, damit es
Wahrheit und Gerechtigkeit gibt.
ÖSTERREICH: Sie wollen zum ersten Mal offen darüber reden,
ob es ein Unfall oder ein Mordanschlag war? PETZNER: Im
neuen Buch von Gerhard Wisnewski lautet der Titel „Unfall, Mord oder
Attentat?“ Und diesen Titel finde ich sehr treffend. Denn jeder, der
die nüchternen Fakten betrachtet – ohne Emotion, ohne Vorurteil – der
wird zur Überzeugung kommen, dass die Unfallversion, so wie sie vom
Staatsanwalt präsentiert wurde, so nicht stimmen kann. So wie
geschildert kann dieser Unfall nicht abgelaufen sein – das ist sicher.
Und deshalb will ich mit diesem Gang an die Öffentlichkeit den nötigen
Druck erzeugen, damit neu ermittelt wird. Es muss diese Causa neu
aufgerollt werden, es muss ein unabhängiger Staatsanwalt außerhalb
Kärntens die Ermittlungen neu durchführen, es müssen internationale
Experten beigezogen werden. Es muss die Frau Justizminister
Bandion-Ortner endlich für Wahrheit und Gerechtigkeit in diesem Fall
sorgen. Das fordern alle Kärntner, das fordert wohl auch die Mehrheit
der Österreicher.
ÖSTERREICH: Sie halten auch ein Attentat für möglich? PETZNER:
Ich behaupte das nicht, weil ich neuen Ermittlungen nicht vorgreifen
will. Aber ich sage: Da stimmt so vieles nicht zusammen, dass alles
möglich ist und nichts ausgeschlossen werden kann. Auch kein Attentat.
Denn die Unfallversion, die derzeit vorliegt, ist sowas von
unwahrscheinlich und widerspricht so sehr den Fakten, dass sie nicht
haltbar ist. Das beginnt ja schon bei der einzigen Zeugin: Die einzige
Zeugin, von der überhaupt nichts bekannt ist und die nie Rede und
Antwort stehen musste, wird geschützt und ist seither untergetaucht.
Das ist doch nicht normal.
ÖSTERREICH: Was würde für ein Attentat sprechen? PETZNER:
Vor allem die weltwirtschaftlichen Entwicklungen und innenpolitischen
Hintergründe. Sie müssen die politischen Dimensionen begreifen: Jörg
Haider hat zwei Wochen vor dem Unfall mit seinem Sieg für das BZÖ und
11 % die innenpolitische Landschaft völlig über den Haufen geworfen
und die Karten ganz neu gemischt. Haider war plötzlich wieder ein
entscheidender innenpolitischer Faktor und für die Mächtigen
gefährlich. Er hätte es geschafft, die Große Koalition zu verhindern.
Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass mit einem Jörg Haider die
politische Landschaft heute völlig anders aussehen würde. Denn: Genau
einen Tag nach dem Tod Jörg Haiders ist von den Zirkeln der Mächtigen
die Große Koalition besiegelt worden. Das heißt: Der Tod Jörg Haiders
war die Geburtsstunde der Großen Koalition.
ÖSTERREICH: Wieso sind Sie sich sicher, dass ein lebender
Jörg Haider die Große Koalition verhindert hätte? PETZNER:
Haider hat nach der Nationalratswahl Gespräche mit allen Parteien
geführt, die alle mit demselben Ergebnis geendet haben: Jede Mehrheit,
jede Koalitionsform von einer Minderheitsregierung bis hin zu
Schwarz-Blau-Orange oder Schwarz-Grün-Orange war zumindest im Bereich
des Möglichen. Das machte ja auch die Dimension und Bedeutung seines
Wahlsieges aus. Es war plötzlich alles völlig offen, das Ende der
Großen Koalition in Griffweite und eine echte politische Wende für
Österreich möglich. Denken Sie nur an das Treffen Jörg Haiders mit HC
Strache. Es ist zwar völlig falsch, wenn Strache heute behauptet, die
beiden hätten sich bei dem Treffen versöhnt, aber es ist bei diesem
Treffen die Tür ein kleines Stück aufgegangen für eine
Dreier-Koalition ÖVP-FPÖ-BZÖ. Haider hatte also alle Optionen. Diese
Chance war ihm bewusst und er wollte in der folgenden Woche Nägel mit
Köpfen machen – er hätte definitiv eine Dreier-Koalition statt der
Großen Koalition zustande gebracht.
ÖSTERREICH: Da hätte es aber wohl mächtige
Interessengruppen aus der Wirtschaft gegeben, die das zu verhindern
gewusst hätten. PETZNER: Genau das ist der Punkt. Den
mächtigen Großkoalitionären in dieser Republik war das natürlich ein
Dorn im Auge. Und dazu muss man etwas Zweites wissen: Jörg Haider hat
als erster und einziger Politiker Österreichs schon im September
detaillierte Informationen über das Ausmaß der Banken- und Finanzkrise
gehabt. Haider hat vor allen anderen gewusst, was da passieren wird.
Und er hat gewusst, wie hochbrisant und explosiv diese Informationen
sind. Das sind Informationen, die im Zusammenhang mit riesigen
international vernetzten Banken- und Finanzsystemen stehen. Da geht es
um viele Milliarden und die wahren Mächtigen in der Welt, die an der
Ostküste und sonst wo sitzen. Er hat genau gewusst, welche nationalen
und internationalen Banken betroffen sind, welche Manager, welche
Bosse – und vor allem auch welche Politiker – und wie viele Milliarden
Steuergeld die verspekuliert haben. Er kannte als einziger Politiker
alle Details, die der Öffentlichkeit bis heute verschwiegen werden. Er
wusste, welche Sprengkraft diese Informationen haben – das betrifft
die mächtigsten Lobbies, die mächtigsten Finanzjongleure. Er hatte die
Informationen aus Kreisen der Hochfinanz. Das hat er mir gesagt. Ich
habe die Unterlagen auch gesehen. Er wusste: Das ist gefährlich, was
er da besitzt ...
ÖSTERREICH: Also war es Ihrer Meinung nach ein Attentat,
das entweder politisch motiviert war oder von mächtigen Finanz-Lobbies
kam? PETZNER: Ich bin vorsichtig - ich sage nicht: Es war
ein Attentat. Ich sage vielmehr: Es gibt massive Anhaltspunkte dafür,
dass die bisherige Unfallversion nicht stimmt und es ein politisch
motiviertes Attentat gewesen sein kann. Ich bin kein
Verschwörungstheoretiker – ich orientiere mich als Politiker an den
Fakten. Faktum ist, dass sich seine Informationen als richtig
herausgestellt haben: Die Banken sind nacheinander zusammengekracht,
die Börsenkurse abgestürzt und die Welt ist in die größte
Wirtschaftskrise seit den Dreißigerjahren gestürzt. Haider kannte die
Verantwortlichen dafür, ihre Machenschaften und die Hintergründe. Und
Faktum ist, dass er kurz davor stand, die politische Landschaft in
Österreich völlig über den Haufen zu werfen und die große Koalition zu
verhindern. Dem allen steht eine offizielle Unfallversion der
staatlichen Behörden gegenüber, wo nichts zusammenstimmt. Eine völlig
unbekannte Zeugin, ein Staatsanwalt, der veröffentlicht, er hätte 1,8
Promille im Blut gehabt, obwohl laut Obduktionsbericht gar kein
Alkohol in seinem Magen gefunden wurde, grobe Fehler bei den
Ermittlungen, Berichte der Behörden über Ursache und Hergang des
Unfalles, die später wieder revidiert und korrigiert wurden,
Ermittlungsergebnisse, die – laut dem neu vorliegenden Buch – dem
bisher geschilderten Unfallhergang diamentral widersprechen. Das
schreit geradezu nach neuen Ermittlungen – und nur das fordere ich:
Dass die Justizministerin Bandion-Ortner den Tod Jörg Haiders durch
einen unabhängigen Staatsanwalt neu untersuchen lässt. Und unter
Beiziehung von internationalen Experten.
ÖSTERREICH: Es stimmt also nicht, dass er eine Flasche
Wodka getrunken und dann mit 1,8 Promille ins Auto gestiegen ist? PETZNER:
Das ist völlig lächerlich, ganz sicher falsch – und mit ein Grund,
warum ich neue Ermittlungen in diesem Fall fordere. Ich kenne Jörg
Haider viele Jahre – und ich garantiere: Er war in all diesen Jahren
ganz sicher kein einziges Mal betrunken. Er nippt nur an alkoholischen
Getränken. Der Mann hat niemals in seinem Leben einen Wodka oder einen
Whiskey getrunken – der hat sich niemals betrunken. Das ist bei einem
disziplinierten, sportlichen Menschen wie ihm ausgeschlossen. Und es
bestätigen auch alle, die ihm an diesem Tag und am Abend begegnet
sind, dass er nichts getrunken hat. Aber das wurde bei den
Ermittlungen nie hinterfragt oder genau recherchiert.
ÖSTERREICH: Was ist dann Ihre Erklärung? PETZNER:
Ich habe keine – und deshalb fordere ich ja: Das muss neu untersucht
werden. Alles was der Staatsanwalt bei diesem Unfall ermittelt hat,
passt von vorne bis hinten nicht zusammen. Das riecht verdammt nach
Manipulation. Und damit sind wir beim entscheidenden Punkt: War dieser
Unfall ein Unfall – oder nicht?
ÖSTERREICH: Sie glauben an ein politisches Attentat? PETZNER:
Ich will keine Verschwörungstheorien, ich will wie viele andere die
Wahrheit. Daher sage ich auch: Es muss neu ermittelt werden. Wir leben
doch in einem Rechtsstaat. Die bisherigen Ermittlungen in dieser Causa
gleichen den Zuständen einer Bananenrepublik! Und das kann es nicht
sein!
ÖSTERREICH: Gerhard Wisnewski behauptet in seinem neuen
Haider-Buch: Auf der Straße stand ein Fahrzeug, das Haiders Auto
beschossen hat. Weiter hinten stand ein Baufahrzeug, das den Phaeton,
nachdem er zum Stillstand kam, so demoliert hat, dass man den Beschuss
nicht mehr sehen konnte. Wagen und Leiche wurden präpariert – es war
ein Mord. PETZNER: Das ist eine Verschwörungs-Theorie, die
ich für Blödsinn halte. Das Buch stellt aber viele richtige Fragen,
stellt klar, dass viele Fakten nicht stimmen, dass die Spuren beim
Unfall nicht stimmen. Aber der Autor ist ein Verschwörungstheoretiker
– das bin ich nicht. Ich bin jemand, der nur an Fakten glaubt. Und
deshalb will ich, dass endlich so untersucht wird, wie das in einem
Rechtsstaat notwendig ist. Denn eines ist auch klar: Der Staatsanwalt,
der den Fall Haider untersucht hat, war befangen – er hat diese Causa
als seine persönliche Rache an Jörg Haider betrachtet. Und das will
ich offenlegen.
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