Lage "unhaltbar"

80.000-Ansturm – Ceuta will Migranten internieren

Polizeibeamte weisen Migranten am Strand El Trampolin im spanischen Ceuta an. Nach Angaben spanischer Behörden verbleiben nach dem massiven Grenzansturm aus Marokko in der vergangenen Woche rund 2.500 Migranten in Ceuta, von denen viele in überfüllten Aufnahmezentren leben oder im Freien an Stränden und in Parks schlafen.
© EPA
Ceutas Präsident Juan Jesús Viva bezeichnet die Lage vor Ort als "unhaltbar" und "inakzeptabel". Nach neuer Schätzung der spanischen Regierung waren zeitweise rund 80.000 Migranten nach Ceuta gelangt.
OE24 auf Google bevorzugen

Nach dem Massenandrang von Migranten in die spanische Exklave Ceuta will der örtliche Präsident Juan Jesús Vivas die verbliebenen Migranten bis zu ihrer Ausweisung internieren. In einer Art "Abschiebezentrum für Ausländer" sollten "diese Menschen untergebracht und eingesperrt bleiben", sagte Vivas am Montag bei einer Pressekonferenz. Die Lage vor Ort sei "unhaltbar" und "inakzeptabel".

Vivas fuhr fort, die Bewegungsfreiheit der verbliebenen Migranten müsse "eingeschränkt werden, bis ihre Abschiebungen bearbeitet und abgeschlossen sind". Er forderte "dringend" nach einem "staatlichen Plan, der darauf abzielt, in Ceuta wieder Normalität herzustellen".

Junge Migranten, die einige Tage zuvor in Ceuta angekommen waren, stehen am 4. August am Trampolin-Strand im spanischen Ceuta. Etwa 2.500 Migranten, die aus Marokko herübergekommen waren, blieben nach Angaben der spanischen Regierungsdelegation vorerst in Ceuta. Viele von ihnen schlafen unter freiem Himmel und sind auf humanitäre sowie gemeinschaftliche Hilfe bei der Nahrungsmittelversorgung angewiesen, da die Aufnahmeeinrichtungen weiterhin überlastet sind.
Junge Migranten, die einige Tage zuvor in Ceuta angekommen waren, stehen am 4. August am Trampolin-Strand im spanischen Ceuta. Etwa 2.500 Migranten, die aus Marokko herübergekommen waren, blieben nach Angaben der spanischen Regierungsdelegation vorerst in Ceuta. Viele von ihnen schlafen unter freiem Himmel und sind auf humanitäre sowie gemeinschaftliche Hilfe bei der Nahrungsmittelversorgung angewiesen, da die Aufnahmeeinrichtungen weiterhin überlastet sind. © EPA

Nach Angaben der Regierung in Madrid befinden sich noch knapp 2.000 Migranten in Ceuta. Der Präsident der Exklave bezifferte jedoch die Gesamtzahl der verbliebenen Migranten auf 8.000 bis 11.000. In Ceuta leben etwa 84.000 Menschen.

Politstreit um unbegleitete Minderjährige in Spanien

Der für die Beziehungen zu den Regionen des Landes zuständige spanische Minister Ángel Víctor Torres versicherte der Bevölkerung Ceutas, dass die Zahl der Polizisten und Soldaten in der Exklave erhöht worden sei. Er betonte zugleich, dass die Zusammenführung minderjähriger Migranten mit ihren Familien Priorität habe, ohne dabei die Möglichkeit von Ausweisungen zu erwähnen.

Migranten lagern mit Decken und Matten auf einem Sportplatz, teils unter Zelten und Planen in Ceuta.
Am 7. August suchen Migranten auf einem Sportplatz Zuflucht, den ein örtlicher Bürgerverein und das Rote Kreuz in der spanischen nordafrikanischen Exklave Ceuta zur Verfügung gestellt haben, nachdem es in den vergangenen Tagen zu einem massiven Zustrom von Migranten aus Marokko gekommen war. Von den 72.000 Migranten (Anm. inzwischen geht man von 80.000), die Ceuta erreichten, sind nach offiziellen spanischen Angaben – bei denen 80 Todesfälle registriert wurden – 70.000 nach Marokko zurückgekehrt (Anm. Stand Freitag). Das marokkanische Innenministerium teilte mit, dass auf der marokkanischen Seite der Grenze 11 Menschen gestorben sind, bis auf einen alle durch Ertrinken. Diejenigen, die in Ceuta verbleiben – darunter Hunderte unbegleitete Kinder –, sind mit katastrophalen Lebensbedingungen und kaum Zugang zu Nahrung, Wasser, Unterkünften und sanitären Einrichtungen konfrontiert. © APA/AFP/ANTONIO SEMPERE

Die in Ceuta verbliebenen Migranten, unter ihnen hunderte unbegleitete Minderjährige, haben Schwierigkeiten, Zugang zu Nahrung, Wasser, Unterkunft und sanitären Einrichtungen zu erhalten. Ihre Zukunft hat einen Konflikt zwischen der sozialistischen Regierung Spaniens und von der konservativen Volkspartei (PP) und der rechtspopulistischen Vox regierten Regionen ausgelöst. Die spanische Rechte lehnt es ab, unbegleitete Minderjährige im Rahmen der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen aufzunehmen.

Neue Schätzung: Zeitweise waren 80.000 Migranten in Ceuta

Rund 80.000 Menschen sind nach einer neuen Schätzung der spanischen Regierung beim Migrantenansturm Ende Juli irregulär nach Ceuta gelangt. Dies sagte Minister Torres beim Besuch in der spanischen Nordafrika-Exklave. Zuvor hatte die letzte Schätzung der linksgerichteten Regierung in Madrid bei 72.000 gelegen.

Der beispiellose Ansturm ereignete sich vor allem am 30. Juli. Die meisten Migranten seien bereits innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach Marokko zurückgekehrt, sagte Torres.

Die Angaben zur Zahl der Ankömmlinge waren zuletzt stark voneinander abgewichen. Ceutas Regionalpräsident Juan Jesús Vivas hatte zeitweise von bis zu 80.000 Menschen gesprochen, während Marokko die Zahl der Ankünfte mit rund 40.000 angegeben hatte. Die offizielle Zahl der Todesopfer kletterte unterdessen von 82 auf 83.

Der Ansturm löste eine Debatte über den Schutz der Außengrenzen der EU und die Verantwortung Spaniens aus. In Ceuta selbst gingen am Sonntagabend nach Polizeischätzung rund 5.000 Menschen auf die Straße, um von der Regierung mehr Unterstützung und einen besseren Grenzschutz zu fordern.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden