Aus dem Versteck

Irans Phantom-Führer Mojtaba Khamenei baut das Militär um

Eine Iranerin hält ein Porträt Mojtaba Khameneis hoch.
© APA/AFP/AHMAD AL-RUBAYE
Radikaler Machtumbau: Ex-Revolutionswächter wird Irans mächtigster Sicherheits-Chef.
OE24 auf Google bevorzugen

Der Oberste Führer des Iran, Mojtaba Khamenei, hat General Ali Abdollahi zum neuen Armeechef ernannt und damit seinen Einfluss auf das Militär der Islamischen Republik unterstrichen. "Generalmajor Ali Abdollahi wurde zum Generalstabschef der Streitkräfte erhoben", hieß es am Montag in einer auf Khameneis Internetseite veröffentlichten Erklärung.

Abdollahi hatte zuvor ein Militärkommando geleitet, das das Vorgehen der regulären iranischen Armee und der Revolutionsgarden koordiniert. Im Krieg mit den USA und Israel hatte er die Nachbarstaaten zuletzt vor einer Unterstützung Washingtons gewarnt. "Jedes Land, das dem kriminellen und aggressiven Amerika als Schutzschild dient, wird von den Flammen des Krieges verschlungen werden", erklärte Abdollahi.

Früherer Chef der Revolutionsgarden nun Chef des Sicherheitsrats

Am Sonntag hatte Khamenei den früheren Oberbefehlshaber der Revolutionsgarden, Mohsen Rezaei, zum Chef des Nationalen Sicherheitsrats gemacht. Der 71-jährige Rezaei ersetzt den zurückgetretenen Mohammad Bagher Zolqadr, der nach Angaben aus Teheran nun Berater Khameneis wird.

Mojtaba Khamenei ist der Nachfolger seines Vaters Ayatollah Ali Khamenei, der seit 1989 an der Spitze der Islamischen Republik gestanden war und am ersten Tag des US-israelischen Krieges gegen den Iran am 28. Februar getötet worden war. Mojtaba Khamenei wurde bei dem Angriff offenbar schwer verletzt und ist seitdem nie mehr öffentlich aufgetreten.

Es war zunächst unklar, ob die Personalie eine Änderung der Politik des Landes nach sich ziehen wird. Rezaei gilt als eine in der Öffentlichkeit deutlich präsentere Figur als sein Vorgänger Zolqadr. Den Vorsitz des Sicherheitsrates hat der Präsident inne; Rezaei wurde auch zum Vize-Vorsitzenden des Rates ernannt.

Zolqadr war Ende März für das Amt ernannt worden, nachdem sein Vorgänger Ali Larijani bei einem Luftangriff während des Ende Februar von den USA und Israel begonnenen Krieges getötet worden war.

Der Oberste Nationale Sicherheitsrat koordiniert die Sicherheits- und Außenpolitik der Islamischen Republik. Ihm gehören neben Vertretern von Staatsoberhaupt Mojtaba Khamenei, der in allen politischen Angelegenheiten das letzte Wort hat, auch ranghohe Militärangehörige, Geheimdienstmitarbeiter und Regierungsvertreter an.

Khamenei höchst persönlich dahinter

In einem Dekret Khameneis vom Sonntag wurde Rezaei zudem zu dessen Vertreter im Sicherheitsrat ernannt, an der Seite des ebenfalls als Hardliner geltenden Said Jalili. In dem Erlass wurden Rezaeis "wertvolle Erfahrungen" gewürdigt, einschließlich seiner Rolle während des Iran-Irak-Krieges von 1980 bis 1988. In demselben Dekret ernannte Khamenei Zolqadr zu seinem politischen Berater.

Der heute 71-jährige Rezaei kommandierte von 1981 bis 1997 die überaus mächtige Revolutionsgarde des Iran auch während eines Großteils des Iran-Irak-Krieges (Erster Golf-Krieg). Später war er mehr als zwei Jahrzehnte lang Sekretär des Schlichtungsrates und von 2021 bis 2023 unter dem Präsidenten Ebrahim Raisi, einem Hardliner, Vizepräsident für Wirtschaftsangelegenheiten. Rezaei hat an der Universität Teheran in Wirtschaftswissenschaften promoviert, verbrachte jedoch einen Großteil seiner Karriere im Sicherheits- und Politikapparat des Irans.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden