Baustellen-Wahnsinn!
Arbeiter asphaltieren falsche Straße und verpulvern 30.000 Euro
Es klingt wie eine klassische Posse oder ein Schildbürgerstreich aus dem Bilderbuch, doch für die Verantwortlichen in der westfinnischen Gemeinde Ilmajoki ist es teurer Ernst. Ein beauftragtes Straßenbauunternehmen sollte im Rahmen eines kommunalen Projekts eine sanierungsbedürftige Straße neu asphaltieren. Die Arbeiter rückten mit schwerem Gerät an und machten sich sofort hochmotiviert an die Arbeit – allerdings am völlig falschen Ort. Ohne den Fehler zunächst zu bemerken, begannen die Bauarbeiter mit dem großflächigen Abfräsen des alten Straßenbelags. Ganze 350 Meter Asphalt waren bereits präzise abgetragen, als der Irrtum aufflog. Die eigentlich für die Sanierung vorgesehene Straße lag zu diesem Zeitpunkt unberührt in einer ganz anderen Ecke der Gemeinde.
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Hinter der skurrilen Verwechslung steckt eine unglückliche Verkettung von Zufällen und technischen Hürden, die den Arbeitern zum Verhängnis wurden:
- In der finnischen Gemeinde tragen mehrere Straßen sehr ähnliche Namen.
- Die eigentlich vorgesehene Straße war erst vor Kurzem offiziell umbenannt worden.
- Da die neue Bezeichnung noch nicht in den gängigen digitalen Navigationskarten vermerkt war, suchten die Arbeiter vergeblich.
- An einer nahegelegenen Kreuzung befand sich zudem ein sehr ähnlich klingendes Straßenschild.
Der Bauleiter orientierte sich an diesem Schild und den unvollständigen digitalen Karten und ordnete die Arbeiten schließlich am falschen Ort an. Erst nach 350 Metern bemerkten die Arbeiter, dass die abgefräste Strecke im Vergleich zum ursprünglichen Projektentwurf verdächtig kurz war. Nach einem schnellen Abgleich der Geodaten herrschte betretenes Schweigen. Der finnische Fernseh- und Rundfunksender Yle griff den bizarren Fall auf und machte die Nachricht publik.
Gemeinde blecht 30.000 Euro aus Topf für Verkehrssicherheit
Die Behörden der Gemeinde Ilmajoki werteten den Vorfall glücklicherweise nicht als alleiniges Verschulden des Bauunternehmens, sondern als das Resultat einer außergewöhnlichen Verkettung von Missverständnissen. Dennoch musste schnell eine pragmatische Entscheidung getroffen werden, denn die falsche Straße war nun bereits schwer beschädigt. Die Gemeindeverwaltung beschloss kurzerhand, die fälschlicherweise abgefräste Straße für rund 30.000 Euro fertigzustellen, da der Belag ohnehin schon abgetragen war. Erst im Anschluss soll nun die ursprünglich geplante Straße saniert werden. Das Kuriose dabei: Die zusätzlichen 30.000 Euro für die unfreiwillige Asphaltierung müssen nun aus dem Budget für die lokale Verkehrssicherheit gedeckt werden.
Auch im sächsischen Moritzburg droht das totale Adress-Chaos
Dass doppelte oder extrem ähnliche Straßennamen keineswegs nur in skandinavischen Ländern für Verwirrung sorgen, zeigt ein Blick nach Deutschland. Auch im sächsischen Moritzburg, Deutschland, führt diese mangelnde Eindeutigkeit regelmäßig zu handfesten Problemen im Alltag der Bürger. Wie der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) kürzlich berichtete, gibt es in Moritzburg rund 16 doppelte Straßennamen – einige Bezeichnungen existieren innerhalb der Gemeinde sogar vierfach. Was auf den ersten Blick nach einem logistischen Ärgernis für Postboten aussieht, hat im Ernstfall gefährliche Konsequenzen:
- Falsch zugestellte Pakete und fehlgeleitete Lieferdienste gehören zur Tagesordnung.
- Rettungswagen und Notärzte werden immer wieder zu falschen Adressen geschickt.
- Besonders dramatisch war ein medizinischer Notfall, bei dem der Rettungsdienst wegen der Namensgleichheit die falsche "Schulstraße" ansteuerte und wertvolle Minuten verstrich.
Der finnische Schildbürgerstreich zeigt somit eindrucksvoll, wie wichtig präzise digitale Karten und eindeutige Straßennamen für eine funktionierende Infrastruktur sind. Während die Bewohner in Ilmajoki nun unerwartet eine perfekt sanierte Straße vorweisen können, müssen die Behörden in Moritzburg dringend handeln, damit aus dem Adress-Chaos im Ernstfall keine Tragödie wird.
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