Anfang Oktober ist der Wasserstand des Sees außergewöhnlich niedrig. Am Pegel Konstanz wurden am Montag nur noch 248 Zentimeter gemessen – mehr als einen Meter weniger als im langjährigen Durchschnitt für diese Jahreszeit.
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Hinter dem scheinbar kleinen Unterschied verbirgt sich eine gewaltige Wassermenge. Nach einer überschlägigen Berechnung fehlen dem Bodensee derzeit rund 568 Milliarden Liter Wasser. Das entspricht etwa 227.000 olympischen Schwimmbecken. Würde man die fehlende Wassermenge auf einem einzigen Fußballfeld sammeln, würde die Wassersäule theoretisch rund 80 Kilometer hoch reichen.
Dabei macht die Fehlmenge nur etwa 1,2 Prozent des gesamten Bodensee-Volumens aus. Der See ist mit seinem enormen Wasservorrat so groß, dass selbst eine vergleichsweise geringe Veränderung des Wasserstands bereits Milliarden Liter umfasst.
Trockenheit und Hitze setzen dem See zu
Dass der Bodensee derzeit so wenig Wasser führt, hat mehrere Ursachen. Entscheidend ist vor allem der geringe Nachschub aus dem Alpenraum. Der Alpenrhein ist mit Abstand der wichtigste Zufluss des Bodensees und bringt normalerweise große Mengen Wasser aus den Alpen in den See. Bleiben Niederschläge aus und sind die Böden nach längeren Trockenphasen ausgetrocknet, gelangt entsprechend weniger Wasser in die Flüsse.
Hinzu kommen die Folgen der hohen Temperaturen. Wärme verstärkt die Verdunstung und erhöht damit den Wasserverlust an der Oberfläche. Gleichzeitig fehlen Niederschläge, die den natürlichen Wasserhaushalt ausgleichen könnten. Nach einem trockenen und ungewöhnlich warmen Sommer fällt dieser Effekt besonders deutlich ins Gewicht.
Das Wasser selbst ist allerdings nicht einfach verschwunden. Es befindet sich weiterhin im natürlichen Wasserkreislauf – etwa in anderen Gewässern, im Boden, als Wasserdampf in der Atmosphäre oder letztlich im Meer. Am Bodensee fehlt derzeit vor allem der Zufluss, der nötig wäre, um den Wasserstand wieder anzuheben.
Folgen für Schifffahrt und Anrainer
Die Auswirkungen sind bereits deutlich sichtbar. Vor allem am flacheren Untersee im westlichen Teil des Bodensees kommen Probleme hinzu. Boote können bestimmte Bereiche nicht mehr erreichen, einzelne Anlegestellen fallen aus. Der Schiffsverkehr im Untersee wurde teilweise sogar bis auf Weiteres eingestellt.
Für die Anrainerregionen ist der niedrige Wasserstand damit längst mehr als ein ungewöhnliches Naturphänomen. Er wirkt sich auf die Schifffahrt, den Tourismus und den Zugang zu Teilen des Sees aus. Gleichzeitig werden Uferbereiche sichtbar, die normalerweise unter Wasser liegen.
Wann kommt das Wasser zurück?
Eine rasche Entspannung ist derzeit nicht in Sicht. Damit sich der Bodensee nachhaltig erholt, braucht es über längere Zeit ergiebige Niederschläge. Besonders ein nasser Herbst und Winter könnte die Zuflüsse aus den Alpen wieder deutlich erhöhen.
Bis dahin dürfte der außergewöhnlich niedrige Wasserstand weiter für ungewohnte Bilder am Bodensee sorgen. Die gewaltige Zahl von 568 Milliarden Litern macht dabei deutlich, welche Wassermengen hinter einer vergleichsweise kleinen Veränderung des Pegelstands stecken.
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