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Ceuta bereitet sich auf den nächsten Massen-Ansturm vor

Viele Menschen und provisorische Hütten an einem Strand in Ceuta, Spanien.
© EPA
Seit Tagen registrieren die marokkanischen Behörden im ganzen Land einen erhöhten Andrang von Jugendlichen auf Bahnhöfen mit Zielen in der Nähe der beiden spanischen Exklaven Ceuta und Melilla.
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Nur zwei Wochen nach dem Massenansturm zigtausender Migranten auf Ceuta bereitet sich die spanische Nordafrika-Exklave an der marokkanischen Mittelmeerküste am Samstag auf einen erneuten Ansturm vor. Einige spanische Medien gehen sogar davon aus, dass dieser wahrscheinlich schon in der Nacht vom heutigen Freitag auf Samstagmorgen stattfinden könnte.

Viele Menschen befinden sich in einem behelfsmäßigen Zeltlager am Strand von Ceuta, Spanien.
Migranten gehen am 14. August am Strand Trampolin Beach in Ceuta, Spanien, in der Nähe von provisorischen Unterkünften umher. Der Trampolin Beach in der spanischen nordafrikanischen Exklave Ceuta hat eine rasante Verwandlung durchgemacht: Aus einer kleinen Gruppe provisorischer Unterkünfte vor weniger als einer Woche sind mittlerweile mehr als 80 geworden. Nach Schätzungen der Polizei beherbergt der Strand derzeit rund 1.500 Migranten. © EPA

Andere Experten vermuten, die Menschen könnten am Samstag auch den in Ceuta üblichen Morgennebel nutzen, um die Grenzzäune und Wellenbrecher zu überwinden, um Spanien und damit die Europäische Union zu erreichen. Fest steht: Seit über einer Woche animieren soziale Netzwerke Marokkos Jugend, am 15. August einen neuen Versuch zu starten, über Ceuta aufs spanische Festland zu kommen.

Video zum Thema

Ceuta: Morgen droht neuer Massen-Ansturm


© oe24


Spanische Medien hatten Zugang zu Plattformen und Whatsapp-Gruppen, in denen sich erneut Zigtausende am Samstag in der marokkanischen Grenzstadt Fnideq verabredeten. Seit Tagen registrieren die marokkanischen Behörden im ganzen Land einen erhöhten Andrang von Jugendlichen auf Bahnhöfen mit Zielen in der Nähe der beiden spanischen Exklaven Ceuta und Melilla und erhöhten die Kontrollen auf diesen Strecken.

14. August: Migranten stehen am Strand Trampolin Beach in Ceuta, Spanien, in der Nähe von provisorischen Unterkünften.
14. August: Migranten stehen am Strand Trampolin Beach in Ceuta, Spanien, in der Nähe von provisorischen Unterkünften. © EPA

Mobilisierungen im Internet

Bereits am Mittwoch nahm die marokkanische Polizei anscheinend mehrere Personen fest, die im Verdacht stehen, sich im Internet an der Mobilisierung der Migrationswilligen zu beteiligen. Spanien und Marokko nehmen die Aufrufe in sozialen Medien sehr ernst. Sie waren bereits Ende Juli dafür verantwortlich, dass sich bis zu 80.000 hauptsächlich junge Marokkaner auf den Weg nach Ceuta machten. In Spanien patrouillieren derzeit rund 1.600 Sicherheitskräfte die sensible EU-Außengrenze. Vom Festland wurden über 300 zusätzliche Beamte von Spezialeinheiten für die voraussichtlichen Rückführungen geschickt.

Der Regionalpräsident von Ceuta, Juan Jesús Vivas, hielt nach seinem Treffen mit dem spanischen Außenminister José Manuel Albares (nicht im Bild) 11. August eine Pressekonferenz in Ceuta, Spanien.
Der Regionalpräsident von Ceuta, Juan Jesús Vivas, hielt nach seinem Treffen mit dem spanischen Außenminister José Manuel Albares (nicht im Bild) 11. August eine Pressekonferenz in Ceuta, Spanien. © EPA

Sogar Spezialisten der spanischen Terrorismusbekämpfungs-Brigade sind vor Ort. Es gebe zwar keine Hinweise darauf, dass dschihadistische Gruppen den eventuell bevorstehenden Migrantenansturm nutzen könnten, um Organisationsmitglieder nach Ceuta einzuschleusen. Man "beobachte die Lage aber aufmerksam und behalte alle Einreisenden im Auge", hieß es aus dem spanischen Innenministerium.

Seeweg soll gesichert werden

Eine Fregatte der spanischen Marine und Taucher der Guardia Civil helfen bei der Sicherung des Seewegs. Dieser ist von besonderer Bedeutung. Zudem wurde die erst vergangene Woche installierte schwimmende Grenzbarriere verstärkt. Die bis zu 500 Meter ins Meer reichende Barriere ist zwar nur 70 Zentimeter hoch und könne die Migranten kaum daran hindern, von der marokkanischen Seite nach Ceuta zu schwimmen. Die mobile Grenzstruktur habe allerdings einen wichtigen juristischen Aspekt mit Blick auf die in Ceuta sonst üblichen "Pushbacks", versichert die spanische Migrationsexpertin Sonia Martínez.

Ein Boot arbeitet an einer roten Schwimmbarriere im Meer bei Felsen und einem Zaun an der Küste.
Ein Boot arbeitet an einer roten Schwimmbarriere im Meer bei Felsen und einem Zaun an der Küste. © EPA

"Abgesehen von vielen Fake News über ein mögliches Bleiberecht war einer der Auslöser für den letzten massiven Grenzüberschritt ein Urteil des Obersten Gerichtshofes. Dieses Urteil verbietet die direkten Rückführungen nach Marokko, sollten die Migranten über den Seeweg schwimmend Ceuta erreichen, ohne dabei ein Grenzelement überwunden zu haben", erklärte Martínez im Gespräch mit der APA.

Ein Arbeiter verstärkt mit einem Kran die Grenzsicherung an einem hohen Zaun in Melilla, Spanien.
Ein Arbeiter verstärkt mit einem Kran die Grenzsicherung an einem hohen Zaun in Melilla, Spanien. © EPA

Mehr Grenzschutz in Marokko

Während Ceuta und Spanien sich auf einen neuen Migrantenansturm am Samstag einstellen, verstärkte diesmal auch Rabat den Grenzschutz auf marokkanischer Seite. Hunderte Soldaten befinden sich bereits an den Grenzposten, patrouillieren in Fnideq und dessen an Ceuta angrenzenden Bergen. In den vergangenen Tagen verstärkten marokkanische Grenzbeamte mit Blick auf Samstag auch die Grenzzäune mit zusätzlichem Stacheldraht.

"Es wurden alle notwendigen Maßnahmen ergriffen, um jeden Versuch eines illegalen Grenzübertritts zu verhindern und jeden, der daran teilnehmen will, abzufangen", sagte bereits am Mittwoch Rachid el Jalfi, Sprecher des marokkanischen Innenministeriums. Der Migrantenansturm Ende Juli löste in Europa nicht nur eine Debatte über den Schutz der EU-Außengrenzen und der Verantwortung Spaniens aus. Auch Rabat geriet unter Druck.

Polizisten weisen Migranten am Strand El Trampolin in Ceuta, Spanien, am 4. August 2026 den Weg.
Polizisten weisen Migranten am Strand El Trampolin in Ceuta, Spanien, am 4. August 2026 den Weg. © EPA

Videos zeigten, wie die marokkanische Grenzpolizei untätig zusah, und die Migrantenmassen ungehindert die EU-Außengrenze passieren ließ, für deren Schutz Rabat jährlich Millionen von Euro aus Brüssel erhält. Selbst der spanische Geheimdienst CNI kam zum Schluss, Rabat habe den Migrantenansturm zwar nicht organisiert wie im Mai 2021, ihn jedoch auch nicht verhindert und ihn sogar ausufern lassen. Migrationsexperten wie Sonia Martínez sehen dahinter eindeutig geopolitische Interessen, um Spanien und die EU mit der Lenkung der afrikanischen Migrationsströme unter Druck zu setzen. Dabei stehen im Vordergrund immer wieder die territorialen Ansprüche Marokkos auf die beiden spanischen Exklaven Ceuta und Melilla.

Die zahlreichen Todesopfer beim letzten Migrantenansturm erhöhten aber selbst innenpolitisch den Druck auf das autoritär regierte Königreich Marokko. Unterdessen werden in den sozialen Medien mit Blick auf die derzeit erhöhte Militär- und Polizeipräsenz erste Debatten geführt, den Ansturm eventuell besser auf den 18. oder den 23. August zu verschieben.

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