Behören alarmiert

Ceuta: Morgen droht neuer Massen-Ansturm

Polizeibeamte weisen Migranten am Strand El Trampolin im spanischen Ceuta an. Nach Angaben spanischer Behörden verbleiben nach dem massiven Grenzansturm aus Marokko in der vergangenen Woche rund 2.500 Migranten in Ceuta, von denen viele in überfüllten Aufnahmezentren leben oder im Freien an Stränden und in Parks schlafen.
© EPA
Seit Tagen wird zu einem neuen Ansturm aufgerufen.
OE24 auf Google bevorzugen

In der spanischen Exklave Ceuta bleibt die Lage angespannt. Seit Tagen kursieren in sozialen Netzwerken Aufrufe zu einem neuen Versuch, die Grenze nach Spanien zu überwinden. Als Termin wird der 15. August genannt. In arabischsprachigen Beiträgen auf Facebook und WhatsApp sollen sich zahlreiche Menschen über einen möglichen Grenzübertritt austauschen und Tipps zur Überwindung der Grenzanlagen verbreiten.

Ob es tatsächlich zu einem neuen Massenansturm kommt, ist allerdings völlig offen. Spanische Sicherheitsbehörden halten eine Wiederholung der dramatischen Ereignisse vom Ende Juli nach derzeitiger Einschätzung für eher unwahrscheinlich. Gleichzeitig wurden die Sicherheitsmaßnahmen deutlich verstärkt.

Karte zeigt die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla an der Küste Nordafrikas neben Marokko.
© APA

Fast 900 Polizisten in Ceuta

Nach aktuellen Berichten befinden sich inzwischen knapp 900 Nationalpolizisten in der Exklave – etwa dreimal so viele wie vor dem vergangenen Ansturm. Auch auf marokkanischer Seite wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Entlang der Grenze sollen zusätzliche Sperren und Stacheldraht errichtet worden sein.

Besonders brisant: Die aktuellen Aufrufe könnten bewusst in die Irre führen. Nach Recherchen spanischer Medien und des Global-Reporter-Netzwerks gibt es Hinweise darauf, dass ein möglicher neuer Versuch gar nicht Ceuta, sondern Melilla treffen könnte. Die zweite spanische Exklave liegt weiter östlich an der marokkanischen Küste und ist ebenfalls vollständig vom marokkanischen Staatsgebiet umgeben.

Menschen versammeln sich um ein brennendes Auto bei Zusammenstößen an der Grenze Marokko-Spanien.
© AFP

Social Media als Brandbeschleuniger

Wie schnell sich Gerüchte verbreiten können, zeigte bereits der vergangene Massenansturm. Zehntausende Menschen machten sich damals auf den Weg Richtung Ceuta, nachdem sich in sozialen Netzwerken falsche Behauptungen über die Möglichkeit einer Einreise nach Spanien verbreitet hatten. Viele kehrten später wieder nach Marokko zurück.

Der Wiener Migrationsforscher Martin Fieder hält es deshalb für möglich, dass auch die aktuellen Aufrufe Teil einer gezielten Ablenkung sein könnten. Wer hinter den Kampagnen steckt, ist allerdings unklar. "Gelingt es Migranten auch dieses Mal, auf den europäischen Kontinent zu gelangen, dann werden die Ereignisse eine enorme Sogwirkung entfalten", warnt Fieder.

Spanien erhöht den Druck an der Grenze

Für Madrid ist die Situation auch politisch heikel. Nach den Ereignissen der vergangenen Wochen steht die spanische Regierung unter erheblichem Druck. Gleichzeitig bleiben Tausende Migranten in Ceuta, darunter viele Familien und unbegleitete Minderjährige.

Ob der angekündigte Termin tatsächlich einen neuen Ansturm bringt, dürfte sich bereits am Samstag zeigen. Die Sicherheitsbehörden bereiten sich jedenfalls auf verschiedene Szenarien vor – und müssen dabei nicht nur Ceuta im Blick behalten.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden