Überraschender Grund

Darum shreddern KI-Giganten massenhaft alte Bücher

Mehrstöckige Bibliothek mit beleuchteten Regalen voller Bücher, moderne Architektur.
© Getty Images
Tausende gedruckte Werke landen derzeit in Lagern, um Künstliche Intelligenz zu füttern. Die Bücher werden nach dem Scannen zerstört, während der Buchhandel Rekordgewinne verzeichnet.
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Die Nachfrage nach gedruckten Werken steigt in Deutschland überraschend an. Antiquariate und Händler melden ungewöhnlich große Bestellungen über das Internet. Betroffen sind unterschiedlichste Genres wie Koch-, Sach-, Märchen- oder Geschichtsbücher, die lange als schwer verkäuflich galten. Martin Helmut aus Rosenheim berichtete gegenüber der ARD, dass morgens etwa 50 Bestellungen von Zoom Books aus Amerika eingelangt seien. Der Vorsitzende des Verbandes deutscher Antiquare, Markus Brandis, bestätigte diese Entwicklung. Einzelne Händler erzielten innerhalb weniger Monate Gewinne im sechsstelligen Bereich, was Brandis als bemerkenswert bezeichnete.

Hintergrund der massenhaften Käufe

Hinter den massenhaften Aufkäufen werden große KI-Entwickler vermutet. Die "Washington Post" berichtete zuerst über das sogenannte "Projekt Panama", hinter dem der Konzern Anthropic stehen soll. Ziel sei die Digitalisierung gedruckter Werke. Den Büchern werden die Rücken abgeschnitten, ehe die Seiten durch Hochleistungsscanner geführt und anschließend entsorgt werden. Dieser Vorgang wird als destruktives Scannen bezeichnet. Die gewonnenen Texte werden genutzt, um KI-Systeme weiterzuentwickeln. Nach dem Vorgang werden die Überreste geshreddert.

Rechtliche Lage beim KI-Training

Vor zwei Jahren wurde Anthropic wegen Urheberrechtsverletzungen verklagt, da das Unternehmen Hunderttausende Werke aus Schattenbibliotheken heruntergeladen haben soll. Die Streitigkeit wurde außergerichtlich mit einer Zahlung von 1,5 Milliarden Dollar beigelegt. Nach der aktuellen Rechtsprechung fällt das Training mit legal erworbenen Werken unter das US-Prinzip des "Fair Use". Auch für Österreichs Nachbarland Deutschland sowie den gesamten internationalen Markt zeigt dies eine neue Strategie der Tech-Konzerne auf.

Stellungnahme des Tech-Konzerns Anthropic

Anthropic teilte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit: "Claude wird auf einer Mischung von öffentlich zugänglichen Web-Daten, kommerziell erworbenen Datensätzen und selbst generierten Daten trainiert." Die Beschaffung von Büchern sei in der gesamten KI-Branche ein weit verbreiteter Ansatz. Das Unternehmen betonte zudem, dass bei keinem der Ankaufprogramme seltene oder antiquarische Bücher zerstört werden.

Gedrucktes Wissen für KI-Modelle

Professor Sebastian Schelter von der Technischen Universität Berlin forscht zu Künstlicher Intelligenz und erläutert die Beweggründe der Unternehmen. Chatbots wie ChatGPT oder Claude benötigen gigantische Textmengen. Schelter erklärte: "Je mehr Daten, desto besser funktionieren sie." Nachdem das gesamte öffentliche Internet bereits als Datenquelle genutzt wurde, suchen die Unternehmen seit einigen Jahren nach Texten, die bislang nicht digital verfügbar sind, und greifen deshalb auf ältere Literatur zurück.

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