Unter Druck
Experte: Nur so kann Putin gestürzt werden
Während die Ukraine ihre Angriffe auf militärisch wichtige Ziele in Russland weiter intensiviert, geraten zugleich Wirtschaft und Versorgung zunehmend unter Druck.
Besonders empfindlich treffen Moskau die ukrainischen Drohnenangriffe auf Raffinerien, Treibstofflager und andere Energieanlagen. Seit Monaten werden immer wieder zentrale Einrichtungen beschädigt. Die Folgen sind inzwischen auch für die russische Bevölkerung spürbar: In zahlreichen Regionen kommt es zu Benzinknappheit, steigenden Preisen und teilweise sogar zu Rationierungen. Internationale Medien berichten, dass Russland inzwischen sogar Kraftstoffimporte organisiert – ein ungewöhnlicher Schritt für einen der größten Energieexporteure der Welt. Nach Reuters wird Benzin unter anderem aus Indien geliefert, zuvor waren auch Gespräche mit Kasachstan bekannt geworden. Auch die Nachrichtenagentur AP berichtet von einer schweren Versorgungskrise infolge der ukrainischen Angriffe.
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Putin unter Druck
Hinzu kommen die enormen Verluste der russischen Streitkräfte. Eine aktuelle Studie der US-Denkfabrik CSIS geht davon aus, dass Russland inzwischen rund 1,4 Millionen Gefallene, Verwundete und Vermisste zu beklagen hat. Allein im Jahr 2026 verliere die Armee monatlich zwischen 30.000 und 34.000 Soldaten, könne aber nur rund 27.000 neue Rekruten gewinnen. Gleichzeitig seien die Geländegewinne minimal, die russische Offensive komme vielerorts kaum noch voran.
Diese Entwicklung sorgt selbst in russischen Militärkreisen für Kritik. Der bekannte russische Kriegsblogger "Frontoffizier" fasste seine Einschätzung drastisch zusammen: "Putin = Niederlage Russlands." Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte außerdem ein Video des ehemaligen russischen Soldaten Alexander Lunin. Darin schildert er gravierende Missstände innerhalb der Armee und warnt davor, dass sich das Militär im schlimmsten Fall sogar gegen den Kreml wenden könnte.
Auch politisch mehren sich die Warnzeichen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj veröffentlichte Grafiken, die nach seinen Angaben auf internen Kreml-Prognosen beruhen. Demnach könnte Putins Zustimmung bis zur Duma-Wahl im September auf nur noch 55 Prozent sinken, während die Ablehnung auf 33 Prozent steigen soll. Unabhängig davon zeigt auch eine Umfrage des kremlnahen Fonds für Öffentliche Meinung (FOM) einen Rückgang: Demnach vertrauen Putin noch 69 Prozent der Befragten – der niedrigste Wert seit Beginn des Angriffskrieges.
Kein Machtwechsel
Trotzdem rechnen Experten derzeit nicht mit einem unmittelbaren Machtwechsel. "Putins Position ist derzeit nicht gefährdet – aber seine Komfortzone ist weg", sagte Russland-Experte Alexey Yusupov der BILD. Die Angriffe auf Moskau und die Treibstoffkrise würden ein zentrales Versprechen des Kremls zerstören: Russland könne gleichzeitig Krieg führen und den Alltag der Bevölkerung unbeeinträchtigt aufrechterhalten.
Auch Russland-Kenner Adrian Geiges hält einen Sturz Putins momentan für unwahrscheinlich. Gegenüber BILD erklärte er: "Der einzige Weg, Putin zu stürzen, wäre, ihn selbst zu töten." Putin habe ein auf seine Person zugeschnittenes System der Angst geschaffen, in dem es – anders als zu Sowjetzeiten – kein Machtzentrum mehr gebe, das den Präsidenten entmachten könne.
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