Neues Zeitalter
Experte schlägt Alarm: Hitzewellen werden noch brutaler
Der Sommer 2026 hat in Österreich eine Hitzemarke nach der anderen gebrochen. Für den steirischen Klimaforscher Gottfried Kirchengast von der Universität Graz ist damit eine neue Phase erreicht: Das Zeitalter der menschengemachten, schweren Hitzewellen sei angebrochen. Der bekannte Forscher ist am Wegener Center für Klima und Globalen Wandel sowie am Institut für Physik der Universität Graz tätig und vertritt die Wissenschaft im Nationalen Klimaschutzkomitee.
Auch interessant
Rekorde durch massive Extremwerte
Wie die Kleine Zeitung berichtet, legte Kirchengast dem Nationalen Klimaschutzkomitee eine Eingabe zum bisherigen Verlauf des Sommers vor. Darin analysierte er die beiden großen Hitzewellen des Jahres 2026: die erste von 17. Juni bis 2. Juli, die zweite von 25. Juli bis 17. August. Die Spitzenwerte lagen dabei bei bis zu 41,2 Grad Celsius. Nach der Auswertung kommt der Experte zu einem klaren Ergebnis: Ohne den fortschreitenden Klimawandel hätte es derart massive Extreme in Österreich "nicht geben können". Die zweite Welle war laut seinen Angaben "die stärkste je in Österreich registrierte Welle".
Messung mit moderner Methode
Gemessen wurde diese Entwicklung nicht allein über einzelne Temperaturspitzen. Kirchengast und sein Team arbeiten mit sogenannten Arealgradtagen. Dabei fließen Dauer, die betroffene Fläche und das Überschreiten der 30-Grad-Marke gemeinsam in die Bewertung ein. Das Bundesgebiet unterhalb von 1.500 Metern Seehöhe wird dafür in 670 Areale zu je 100 Quadratkilometern aufgeteilt, während die genaue Berechnung in einem feinen Raster von 1x1 Kilometer erfolgt.
Das Resultat fällt deutlicher aus als je zuvor: Die erste Welle schlug bundesweit mit rund 16.900 Arealgradtagen zu Buche. Die zweite Welle erreichte etwa 26.400 Arealgradtage und legte damit noch einmal eine Stufe zu. Zum Vergleich: Die Extreme der Sommer 2003 und 2015 blieben knapp unter 25.000 beziehungsweise 40.000 Arealgradtagen. Der Sommer 2026 verzeichnete bis zum Wetterumschwung im September bereits rund 50.000 Arealgradtage.
Klarer Einfluss des Menschen
Für Kirchengast zeigt sich in den Daten ein "sehr, sehr starkes Signal". Das Wetter könne zwar stets natürliche Ausreißer erzeugen, doch die diesjährigen Werte heben sich eindeutig vom gewohnten Auf und Ab ab. Neu ist zudem, dass sich der menschengemachte Anteil bei einzelnen Ereignissen mittlerweile robust berechnen lässt.
Bei aktuellen Wellen mit mehr als 15.000 Arealgradtagen lassen sich laut Kirchengast rund 80 Prozent der Schwere auf menschengemachte Emissionen zurückführen. Dahinter stehe "sehr robustes physikalisches Wissen". Für den Wissenschaftler stellt sich daher die Frage, ob solche Ereignisse überhaupt noch als reine Naturkatastrophen eingestuft werden können. Die Natur allein hätte derart schwere Phasen in Österreich nicht auslösen können. Kirchengast betont dazu: "Dazu braucht es ein ganz anderes thermodynamisches Niveau, das wir klar menschengemacht herbeigeführt haben."
OE24 TV Live-Stream
OE24 TV Live-Stream
Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden