Gesundheitsreform
Fachärzte fordern bessere Lenkung der Patienten
Der Berufsverband Fachärzt:innen Österreich fordert eine gezielte Patientenlenkung - und zwar "weg von den teuren Spitalsambulanzen hin zu den kostengünstigeren Fachärzten". Der niedergelassene Bereich könne die kostenintensiven Spezial- und Fachambulanzen in den Spitälern entlasten, zeigte man sich bei einer Pressekonferenz überzeugt. Untermauert wurde die Forderung mit einer IFES-Studie, derzufolge die Zufriedenheit der Patienten mit den Kassen-Fachärzten groß ist.
Befragt wurden dafür vom 8. bis zum 13. Juni 3.226 Patienten in 152 Ordinationen. Die Online-Befragung wurde via QR-Code am Smartphone direkt in den Ordinationen durchgeführt, erklärte IFES-Geschäftsführerin Eva Zeglovits. Für die Umfrage konnten Patienten aus allen Bundesländern und über die Fachgebiete hinweg motiviert werden. "Die Studie ist hinsichtlich Größe, Umfang und Zeitpunkt einzigartig", findet Zeglovits.
Ein "wesentliches Ergebnis" sei, dass 88 Prozent angeben, Vertrauen zu Fachärzten aufgebaut zu haben, berichtete Verena Niederberger-Leppin, Fachärztin für HNO-Heilkunde, über die Ergebnisse. Was das "knappe aber wichtige Gut Zeit" anbelangt, erklärten 90 Prozent, dass sich der jeweilige Facharzt ausreichend Zeit genommen habe: "Da haben offensichtlich gute Gespräche stattgefunden." Das zeige, dass die Qualität in Kassen-Facharztordinationen gut ist.
Selbst die Wartezeiten finden 76 Prozent angemessen
Selbst das heikle Thema Wartezeiten kommt in der Umfrage nicht so schlecht weg. Bei der Umfrage sei zwischen Kontroll- und Vorsorgetermin und akuten medizinischen Anliegen unterschieden worden. In letzterer Gruppe sahen 75 Prozent der Befragten die Wartezeit angemessen. 34 Prozent dieser Gruppe erhielten ihren Termin innerhalb von drei Tagen, weitere 27 Prozent innerhalb von zwei Wochen und 19 Prozent innerhalb von vier Wochen. Lediglich zwei Prozent warteten länger als vier Monate, referierte Niederberger-Leppin.
Überweisungspflicht wird abgelehnt
Zwangszuweisung und Gatekeeping via Allgemeinmedizin wird von den Befragten abgelehnt. Obwohl 91 Prozent angaben, ihren Hausarzt regelmäßig zu besuchen, wollen 90 Prozent weiterhin die freie Arztwahl haben und Fachärzte ohne vorangegangene Konsultation des Hausarztes aufsuchen zu können, hieß es. 78 Prozent sorgen sich, dass durch die Überweisungspflicht eine Diagnose erst verzögert gestellt werde, sagte Bonni Syeda, Fachärztin für innere Medizin und Generalsekretärin des Berufsverbands. Auch wird befürchtet, dass dadurch die Zwei-Klassen-Medizin befördert werde. Zudem seien die allgemeinen Ärzte "jetzt schon überlastet", betonte Florian Mittermayer, Präsident des Berufsverbands. Damit drohe die Gefahr, dass das System kollabiert.
Finanzierung aus einer Hand
Für eine Finanzierung aus einer Hand von Spitälern und Fachärzten zeigt man sich grundsätzlich offen. Wichtig sei dabei nur, dass dem Prinzip der Patientenlenkung hin zu den billigeren Fachärzten Rechnung getragen werde, so Niederberger-Leppin. Denn hier liege das Reform- bzw. Einsparpotenzial.
FPÖ-Unterstützung für freie Arztwahl
Auch die Freiheitlichen sprachen sich am Donnerstag für die Beibehaltung der freien Arztwahl aus und verwiesen dabei auf die Umfrage des Berufsverbands der Fachärzte. Diese sei ein "deutliches Signal gegen die gesundheitspolitischen Pläne der Bundesregierung", findet Gesundheitssprecher Gerhard Kaniak. Zeige diese doch "klar", dass die Österreicher den direkten Zugang zum Facharzt beibehalten wollen und den niedergelassenen Ärzten großes Vertrauen entgegenbringen.
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