Betrugsverdacht

Gates-Tochter droht Ärger: Start-up soll mit Tricks Millionen kassiert haben

© Patrick McMullan via Getty Images
Phoebe Gates galt als aufstrebender Star der US-Tech-Szene. Jetzt steht das Start-up der Tochter von Bill Gates wegen umstrittener Online-Praktiken massiv in der Kritik.
OE24 auf Google bevorzugen

Phoebe Gates gründete das Shopping-Start-up Phia Anfang 2023 gemeinsam mit ihrer damaligen Stanford-Kommilitonin Sophia Kianni. Die Idee: Eine Browser-Erweiterung soll Nutzern automatisch günstigere Angebote und Rabattcodes suchen.

Doch laut einer Recherche von Bloomberg soll Phia sogenannte "Cookie-Stuffing"-Praktiken eingesetzt haben. Dabei sollen Cookies gesetzt worden sein, obwohl Nutzer einen Kauf gar nicht bewusst über Phia vermittelt hatten. Dadurch konnte das Unternehmen offenbar Provisionen für Verkäufe beanspruchen, die es möglicherweise nicht selbst vermittelt hatte.

Besonders brisant: Bloomberg berichtet, dass Verantwortliche von Phia bereits Monate vor der Veröffentlichung der Recherche von den Vorgängen gewusst haben sollen.

© WWD via Getty Images

"Kein Bug, sondern eine Funktion"

Phia hatte die Vorgänge zunächst als Softwarefehler bezeichnet und erklärt, man habe das Problem umgehend behoben. Bloomberg kam bei weiteren Recherchen jedoch zu dem Schluss, dass es sich nicht einfach um einen technischen Fehler gehandelt haben soll.

Interne Nachrichten sollen demnach zeigen, dass Mitarbeiter Bedenken hinsichtlich der Praxis äußerten. Phia weist die Vorwürfe zurück und kündigte an, einen Compliance-Beauftragten einzustellen.

Nach der Deaktivierung der umstrittenen Funktion soll der monatliche Umsatz des Start-ups laut Bloomberg deutlich eingebrochen sein.

Drohen jetzt sogar rechtliche Folgen?

Besonders brisant sind mögliche juristische Konsequenzen. Die US-Unternehmensanwältin Ariel Givner erklärte, Cookie-Stuffing könne in den USA unter bestimmten Umständen als Betrug verfolgt werden. In solchen Fällen könnten theoretisch bis zu 20 Jahre Haft sowie Geldstrafen und Schadenersatz drohen. Ob es tatsächlich zu strafrechtlichen Konsequenzen kommt, ist derzeit offen.

Für Gates kommt der Skandal zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Phia hatte in kurzer Zeit einen enormen Hype ausgelöst und laut Berichten mehr als 40 Millionen Dollar von Investoren und prominenten Unterstützern eingesammelt.

Jetzt steht ausgerechnet die Tochter eines der bekanntesten Tech-Milliardäre der Welt vor der Frage, wie viel von diesem Image noch übrig bleibt.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden