In neuer ARD-Doku

"Keine Glaubwürdigkeit!" Ex-Boss Marko giftet gegen Vettel

Sebastian Vettel spricht mit Helmut Marko in der Red Bull Box beim Formel-1-Rennen in Monza 2014.
© Getty Images
In der vierteiligen ARD-Dokumentation "Being Sebastian Vettel" spricht der vierfache Formel-1-Weltmeister offen über seinen radikalen Sinneswandel nach dem Karriereende 2022. Neben viel Lob von Weggefährten muss sich der Deutsche allerdings auch scharfe Kritik von seinem ehemaligen Red-Bull-Wegbegleiter Helmut Marko gefallen lassen.
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Nach vier Weltmeistertiteln und 15 Jahren in der Königsklasse des Motorsports beendete Sebastian Vettel im Jahr 2022 seine aktive Rennsportkarriere. Seitdem nutzt der ehemalige Champion seine Bekanntheit intensiv, um den massiven CO2-Fußabdruck der Formel 1 anzuprangern und konsequenten Umweltschutz einzufordern. Doch genau dieser Aktivismus stößt innerhalb des Fahrerlagers nicht nur auf Begeisterung.

Besonders deutlich wird Helmut Marko, der von 2005 bis 2014 als Motorsportchef bei Red Bull fungierte und jahrelang eng mit Vettel zusammenarbeitete. In der Dokumentation spart der Steirer nicht mit Kritik: "Ist ja gut, dass sich jemand Gedanken macht. Nur, wenn du Formel-1-Weltmeister bist, dann kannst du als Bienen-Unterstützer halt nicht ganz diese Glaubwürdigkeit erreichen." Der Funktionär zielt damit direkt auf Vettels Engagement ab, der sich seit Jahren für den Erhalt von Lebensräumen für Insekten und den Artenschutz starkmacht.

Vettel reflektiert über Vorwürfe und Versagensängste

In der Sendung geht Vettel selbst detailliert auf die Vorbehalte ein, die ihm regelmäßig entgegenschlagen. Er bringt die Argumente seiner Kritiker auf den Punkt: "Der fährt da die ganze Zeit rennen, fliegt um die Welt, teilweise noch im Privatjet, verbrennt so viel Benzin und sein Fußabdruck ist größer als von vielen Menschen auf dieser Welt – und jetzt redet er davon, dass wir was machen müssen und umdenken müssen beziehungsweise, dass wir aufpassen müssen auf unsere Welt und achtsam mit Ressourcen umgehen und so weiter ... Das passt nicht zusammen, der ist nicht glaubwürdig, weil der macht was ganz anderes, als was er predigt."

Seine persönliche Antwort auf diesen Widerspruch liefert er direkt mit:

  • "Ja und Nein. Das stimmt, ich habe das lange gemacht. Ich glaube, in dem Moment, wo ich mir dessen bewusst geworden bin, (...) habe ich natürlich erst mal selbst geschaut: 'Was mache ich hier überhaupt?' Und dann wollte ich sofort eine Lösung finden."
  • "Als mir diese Thematik rund um die Klimakrise (...) mehr und mehr bewusst geworden ist, war mir das irgendwie von Natur aus wichtig."
  • "Ich glaube, es wurde mir jetzt rückblickend mehr und mehr bewusst, dass die Zukunft eben nicht nur mich angeht, sondern auch mindestens meine Tochter, meine Kinder und die Generationen, die folgen."

Zudem räumt der Ex-Champion ein, nach dem Ausstieg mit Selbstzweifeln und Versagensängsten gekämpft zu haben: "Ich würde nicht sagen, dass das eine Droge war. Aber ich sage mal, die Öffentlichkeit fehlt mir nicht. Aber die Validierung in gewisser Weise – 'Was ich jetzt mache, ist das denn auch gut?' – das fehlt schon. Das hat eine Weile gedauert, mir diesen Selbstwert in gewisser Weise selbst zu bestimmen."

Hohes Lob von Lewis Hamilton und Robert Habeck

Ganz andere Töne schlägt Vettels langjähriger Titelrivale Lewis Hamilton an. Der siebenfache Weltmeister würdigt den Mut des Deutschen: "Das Wichtigste ist doch, authentisch zu sein. Ohne sich dafür zu entschuldigen, ganz gleich, was die anderen sagen. Ich habe großen Respekt vor ihm, dass er so ist." Hamilton hebt hervor: "Er begann, die Kraft seiner Stimme zu nutzen und sprach Missstände offen an und nahm die wichtigsten Entscheidungsträger in die Pflicht. So etwas sieht man in unserem Sport sonst nicht. Ich denke, das zeugt von wahrem Charakter und zeigt, was für ein Mensch er ist."

Unterstützung erhält Vettel zudem aus der Politik. Der deutsche Ex-Vizekanzler Robert Habeck betont: "Menschen verändern sich. Das ist erst mal prinzipiell so. Und wenn Menschen sich jetzt politisch gesprochen zum Besseren verändern, weil sie sich einbringen, weil sie sich einer Sache verpflichten, dann ist das eine gute Sache. Und wenn man reflektiert mit seiner alten Rolle umgeht: noch viel besser!" Vettel hatte die Grünen mehrfach öffentlich unterstützt und sich vor rund zwei Jahren als Fan von Habeck geoutet. Mit seinem Motorsport-Projekt "Race Without Trace", bei dem er historische Boliden mit klimaneutralen E-Fuels betreibt, will er beweisen, dass Rennsport und Ökologie vereinbar sind.

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