Horror-flug

Mann aus Flugzeug gerissen: Jetzt droht Ryanair Millionen-Klage

Ein Passagier hing während eines Ryanair-Flugs teilweise aus dem Flugzeug, nachdem ein Triebwerksteil das Kabinenfenster zerstört hatte. Fünf Wochen später bereitet sein Anwalt eine Schadenersatzklage in Millionenhöhe vor.
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Ljubiša Karović (61) war am 10. Juli an Bord des Ryanair-Flugs FR 1879 von Thessaloniki nach Memmingen. In rund 4500 Metern Höhe und bei etwa 600 km/h zerbarst plötzlich das Kabinenfenster neben ihm.

Nach Angaben seines Anwalts Vasileios Tsiaras wurde der Serbe dabei mit dem Kopf und dem rechten Arm teilweise aus der Maschine gerissen. Er erlitt schwere Verletzungen und musste ins Krankenhaus gebracht werden.

Tsiaras vertritt neben Karović 35 weitere Passagiere des Fluges. Im Gespräch mit der deutschen "BILD" sagte der griechische Anwalt: "Nicht nur Herr Karović, sondern auch alle anderen Mandanten schauten bei diesem Ereignis dem Tod ins Auge."

Triebwerksschaufel brach ab

Ein vorläufiges Gutachten der US-Behörde NTSB gibt inzwischen erste Hinweise auf die Ursache. Demnach brach eine Schaufel im Triebwerk ab. Teile wurden daraufhin mit großer Wucht herausgeschleudert, beschädigten den Rumpf an mehreren Stellen und zerstörten schließlich das Fenster.

Im Triebwerk fanden die Ermittler außerdem Vogelreste. Ob ein Vogelschlag tatsächlich für den Schaden verantwortlich war, ist allerdings noch nicht abschließend geklärt.

Anwalt Tsiaras äußerte gegenüber der "BILD" Zweifel: "Wir gehen davon aus, dass Vögel diesen drastischen Schaden allein nicht verursacht haben können."

Millionen-Klage wird vorbereitet

Die Boeing 737-800 ist laut Ryanair 18 Jahre alt. Nun soll unter anderem geklärt werden, ob die vorgeschriebenen Wartungsintervalle eingehalten wurden und ob möglicherweise Materialermüdung an der Triebwerksschaufel eine Rolle spielte. Ryanair wollte sich vor Abschluss der NTSB-Untersuchung nicht weiter äußern.

Gegen wen die möglichen Klagen letztlich gerichtet werden, steht deshalb noch nicht fest. Laut Tsiaras könnten Ryanair, Boeing, ein Wartungsunternehmen, der Triebwerkshersteller oder mehrere Beteiligte verklagt werden.

Für die Vorbereitung arbeitet der griechische Anwalt mit einer auf Luftfahrtrecht spezialisierten US-Kanzlei aus New York zusammen. Nach Informationen der "BILD" könnte sich die mögliche Sammelklage auf eine zweistellige Millionensumme belaufen.

ryanair Flugzeug
© www.ryanair.com

Anwalt widerspricht Ryanair-Chef

Für zusätzlichen Ärger sorgen Aussagen von Ryanair-Chef Michael O’Leary. In einem Podcast des britischen "Telegraph" erklärte er, der serbische Passagier sei zwar traumatisiert worden, aber nicht teilweise aus dem Flugzeug gesogen worden.

Tsiaras widerspricht dieser Darstellung deutlich: "Zu sagen, dass sich kein Mensch außerhalb des Flugzeugs befunden habe, ist lächerlich." Rund 70 Menschen an Bord hätten den Vorfall gesehen.

Der Anwalt betont außerdem, dass Karović ohne Sicherheitsgurt keine Überlebenschance gehabt hätte.

Körperlich auf dem Weg der Besserung

Fünf Wochen nach dem Horrorflug geht es Karović körperlich inzwischen besser. Ob er noch operiert werden muss, ist laut seinem Anwalt allerdings weiterhin offen.

Viel schwerer wiegen derzeit offenbar die psychischen Folgen. Tsiaras sagte der "BILD": "Das eigentliche Problem ist sein seelischer Zustand. Psychisch geht es ihm nach wie vor sehr schlecht."

Während die Ermittlungen zur Ursache des Triebwerksschadens weiterlaufen, werden damit bereits die nächsten Schritte vorbereitet: eine mögliche Millionenklage gegen die Verantwortlichen.

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