Infektionen
Masern-Alarm in den USA
Die Gesundheitsbehörde CDC teilte am Freitag mit, dass heuer bisher 2.318 Fälle registriert worden seien. Im gesamten Vorjahr waren es 2289 gewesen. Es handle sich um die höchste Zahl seit dem Zeitraum von 1989 bis 1991, als mehr als 55.000 Infektionen und 123 Todesfälle verzeichnet wurden.
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"Dass wir diesen Meilenstein erreichen, ist besonders eklatant, da wir erst Juli haben und landesweit weiterhin Masernfälle gemeldet werden", sagte William Moss, Epidemiologie-Professor an der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health. Die Krankheit galt in den USA seit dem Jahr 2000 eigentlich als ausgerottet.
69 Prozent der Infizierten sind jünger als 19 Jahre alt
Besonders betroffen sind junge Menschen: 69 Prozent der Infizierten sind Kinder und Jugendliche bis 19 Jahre, ein Fünftel ist jünger als fünf Jahre. Von den Kleinkindern mussten der CDC zufolge zehn Prozent im Krankenhaus behandelt werden, bei den älteren Kindern und Jugendlichen waren es drei Prozent.
Insgesamt gab es in diesem Jahr bisher 151 Krankenhauseinweisungen. Todesfälle im Zusammenhang mit der Krankheit, die Fieber, Ausschlag und Atemwegsprobleme verursacht, wurden 2026 noch nicht gemeldet. Im vergangenen Jahr waren es drei. Die Infektionen traten in 45 Bundesstaaten und in Washington auf. 16 Fälle gingen auf Besucher aus dem Ausland zurück. 93 Prozent der Fälle traten bei ungeimpften Personen auf, der Rest hatte eine oder zwei Dosen des Masern-Impfstoffs bekommen. Ein Vakzin gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) bietet nach zwei Dosen einen 97-prozentigen Schutz.
Anstieg wegen sinkender Impfquoten
Experten führen den Anstieg auf sinkende Impfquoten zurück. Die durchschnittliche Abdeckung bei Kindergartenkindern sank im vergangenen Jahr auf 92,5 Prozent und liegt damit unter der für die sogenannte Herdenimmunität erforderlichen Schwelle von 95 Prozent. In 16 Bundesstaaten fiel die Quote auf unter 90 Prozent.
Kritik an impfskeptischem Gesundheitsminister
Viele Gesundheitsvertreter machen für die Entwicklung auch die Impfskepsis von US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. verantwortlich. Dieser hatte wiederholt die wissenschaftlich widerlegte Behauptung verbreitet, Masern-Impfstoffe stünden in Verbindung mit Autismus. Im vergangenen Juni entließ er alle Mitglieder des CDC-Expertenbeirats für Impfungen.
"Seit Anfang vergangenen Jahres haben führende Politiker auf Bundesebene Masern als harmlos und unvermeidbar abgetan und irreführende Informationen über den MMR-Impfstoff verbreitet", sagte Andrew Racine, Präsident der US-Kinderärztevereinigung American Academy of Pediatrics. "Wir erleben eine vermeidbare Krise, die unverhältnismäßig stark Kinder trifft."
35 neue Ausbruchsherde
Die CDC registrierte heuer 35 neue Ausbruchsherde, im gesamten Vorjahr waren es 48. Allein bei einem Ausbruch im Bundesstaat South Carolina erkrankten seit Oktober 2025 innerhalb von sechs Monaten fast 1.000 Menschen. Dies ist der größte lokale Ausbruch seit der Jahrtausendwende. Zu den weiteren am stärksten betroffenen Bundesstaaten gehören Utah, Arizona, Texas, Florida, Virginia und Pennsylvania.
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