Radikalisierung

Mutter des CSD-Attentäters meldet sich zu Wort

Abdul B. verübte den Terroranschlag auf den CSD in Berlin.
© Polizei Berlin/Fotomontage
Die Mutter des CSD-Attentäters Abdul B. äußert sich erstmals öffentlich. In einem Interview schildert sie die letzten Nachrichten ihres Sohnes vor dem tödlichen Anschlag in Berlin.
OE24 auf Google bevorzugen

Deutschland. Am Samstag, dem 25. Juli, raste Abdul B. gegen 22 Uhr mit einem gemieteten Kleintransporter in eine Menschenmenge am Rande des Festivals zum Christopher Street Day im Berliner Tiergarten. Eine Frau kam ums Leben, 31 Menschen wurden verletzt. In einem "Bild"-Interview sprach jetzt die Mutter des Attentäters über die Tage vor der Tat.

Eigentlich wurde B. an jenem Abend zu einem Familientreffen erwartet, bei dem es seine Leibspeise Schnitzel geben sollte. Stattdessen schrieb er seiner Mutter rund eineinhalb Stunden vor der Amokfahrt eine letzte SMS: "Esst schon mal." Fotos auf dem Handy der Mutter belegen diese Nachricht.

Handynummer fünfmal gewechselt

Der Täter wirkte in den Tagen vor dem Anschlag laut seiner Mutter zunehmend angespannt. Er behauptete, von Unbekannten verfolgt zu werden, und wechselte innerhalb von zehn Tagen mindestens fünfmal seine Handynummer.

BKA-Überwachung

Den Behörden war B. bereits bekannt: Das Bundeskriminalamt (BKA) führte ihn als "Hochrisikoperson" und traute ihm eine schwere, politisch motivierte Gewalttat zu. Am 2. Juli – seinem Geburtstag – war zudem die Polizei angerückt, weil B. laut Fahndern mit einer schwer identifizierbaren Faustfeuerwaffe vor seinem Wohnhaus gesehen wurde. Die Mutter tat dies als Spiel mit einer Wasserpistole und seiner Schwester ab; die Beamten vermuten laut "Bild" jedoch, dass der Terrorist testen wollte, ob er unter Beobachtung steht.

Ihr Sohn habe seit ein paar Jahren immer häufiger versucht, sie zu einer strikteren Religionsausübung Ausübung zu drängen. Sie selbst sei der arabischen Schriftsprache nicht mächtig und praktiziere keinen strengen Glauben. "Er hat mir tagtäglich gesagt, dass es wichtig ist zu beten", sagt sie.

Letzte Kontakte vor der Tat

Am Tag des Anschlags habe sich B. ab dem späten Nachmittag mehrfach telefonisch bei ihr gemeldet. "Er hatte furchtbare Angst um mich", so die Frau gegenüber "Bild". "Ich wusste nicht, warum." Am Samstag, 25. Juli, um 19:05 Uhr habe er sie zudem informiert, erneut eine neue Rufnummer zu haben. Kurz vor 22 Uhr forderte er dann den Lebensgefährten der Mutter am Telefon auf, sie "in Sicherheit" zu bringen.

Entdeckung und Tod des Täters

Als die Mutter nach dem Anschlag in die gemeinsame Wohnung zurückkehrte, fand sie auf einem Schuhschrank die Mietunterlagen für den Tat-Transporter – ausgestellt auf ihren Sohn. "Da wusste ich sofort, dass das nichts Gutes bedeutet", erklärte sie. Sie brachte die Papiere noch in derselben Nacht zur Polizei, wo sie stundenlang befragt wurde.

Am Sonntagabend, dem 26. Juli, spürten Polizisten Abdul B. in einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau auf. Als der Terrorist die Einsatzkräfte mit einem Messer angriff, wurde er erschossen.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden