"Inakzeptabler Weg"
"Nicht natürlich" - Wasser-Streit um den Wörthersee
Die Wirtschaftskammer Kärnten will den Wörthersee im Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan rechtlich als "erheblich veränderten Wasserkörper" neu einstufen lassen. Bisher gilt der See, wie die meisten in Österreich, als "natürlicher Wasserkörper". Wirtesprecher Stefan Sternad begründet den im Mai im Wirtschaftsparlament beschlossenen Antrag mit touristischer Weiterentwicklung, auch Seeeinbauten sollen möglich sein. Der Umweltdachverband sieht den Vorstoß sehr kritisch.
Hintergrund ist die EU-Wasserrahmenrichtlinie. Bei natürlichen Wasserkörpern ist ein weitgehend natürlicher Zustand das Ziel. Bei einem "erheblich veränderten Wasserkörper" sind die Bewertungskriterien und ökologischen Ziele niedriger gesteckt. Der Wirtschaftsbund argumentiert die "erhebliche Veränderung" in dem Antrag, der der APA vorliegt, unter anderem mit der Ringkanalisation um den See, Uferverbauungen, Schifffahrt und touristischer Nutzung.
Ökologischer Zustand "mäßig"
Weil der Wörthersee bisher als "natürlicher Wasserkörper" geführt wurde, wurden strenge ökologische Bewertungskriterien und Zielwerte angelegt. Nach Messungen, aufgrund derer der ökologische Zustand von "gut" auf "mäßig" herabgesetzt wurde - Hauptproblem sind zu wenige Wasserpflanzen (Makrophyten) - wurde im Vorjahr ein Maßnahmenplan präsentiert. Vorgeschlagen wurden unter anderem der Rückbau harter Seeuferverbauungen, ein Besatzstopp für Karpfen und eine Neuregelung des Motorbootverkehrs.
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Mit dem Wirtschaftskammer-Antrag wird Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) aufgefordert, die Einstufung des Wörthersees zu "aktualisieren". Sternad betont, das sage nichts über die Qualität des Sees, es gehe nur um "gewisse Parameter". "Experten haben uns gesagt, wir würden den Wörthersee wie einen Bergsee beurteilen. Wenn wir den Wörthersee als unverbaut betrachten, ist das einfach falsch. Das ist kein Natursee, es gibt sehr viel verbautes Seeufer."
Sternad kritisiert, es würde eine "Anti-Motorboot- und Anti-Establishment-Diskussion" geführt. Tausende lebten vom See. "Wenn ich höre von Rückbauten von Stegen: Das hat einen ökonomischen Schaden!" Stege müssen inzwischen alle zehn Jahre neu genehmigt werden. Wenn ökologisch Verbesserungsbedarf herrscht, wird eine Verlängerung schwierig, ganz besonders bei einem "natürlichen Wasserkörper". Die Wirtschaftskammer argumentiert, dass durch kleinere Stege oder weniger Motorboote keine ökologische Verbesserung garantiert sei, auch weil der Klimawandel dem See zusetze.
"Inakzeptabler Weg"
Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbands, kritisiert den Vorstoß der Wirtschaftskammer. "Ich sehe einen gewaltigen Widerspruch dazu, wie man den Wörthersee üblicherweise verkauft: als intakte Natur." Es gebe eine EU-rechtliche Verpflichtung, die Seen in einen besseren Zustand zu bringen, zu Renaturierung, Einbauten und Begradigungen müssten entfernt werden. "Davon möchte man sich hier verabschieden. Das halte ich für unlauter und für einen Widerspruch zur touristischen Zielsetzung." Die Kategorie "erheblich veränderter Wasserkörper" sei für "Gewässer, wo ein Kraftwerk nach dem anderen ist, oder wo überhaupt kein natürliches Ufer mehr vorhanden ist". Der Wörthersee habe diese Einschätzung nicht verdient. "Die Wirtschaftskammer will sich der Maßnahmen entledigen, ein inakzeptabler Weg."
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