FALL DER WOCHE

Mann über Bord! Drama um Skipper in Kroatien

Links Wärmebild eines Boots, rechts Polizeiboot auf dem Meer bei einer Suchaktion.
© mmpi, Verkehrsministerium Kroati
Vor der Insel Šolta ist ein 46-jähriger Österreicher - der mit sechs Landsleuten auf See war - während eines Unwetters von einem Charter-Katamaran ins Meer gestürzt. Trotz aufwendiger Suche konnte er nicht gefunden werden.
OE24 auf Google bevorzugen

Sonntagmorgen kurz nach 9.00 Uhr ging beim Maritime Rescue Coordination Centre in Rijeka ein Notruf ein: Keine sechs Seemeilen vor der Insel Šolta war ein 46-jähriger österreichischer Skipper eines Charter-Segelkatamarans der Klasse Bali Catspace über Bord gegangen. Zu diesem Zeitpunkt tobte in der Region ein Unwetter mit hoher See und eingeschränkter Sicht.

Personen mit Rettungswesten auf einem Boot bei Wellengang vor der Küste der Insel Solta.
Bootsunfall erreignete sich vor der Küste der Insel Solta in der Region vor Split. © Zvg

Das Boot mit dem Namen "Hi Friends"  war am Vortag in Trogir zu einem mehrtägigen Törn mit sieben Personen an Bord - allesamt Österreicher - gestartet. Wie zuletzt in allen Berichten vor Ort kolportiert wurde, hatte sich im Verlauf des Sturms bzw. bei einem Wendemanöver allem Anschein nach eine Leine in einem der beiden Saildrives, also in einer Schiffsschraube, verheddert.

Der Skipper ging deshalb zum Heck des Kats, um sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen bzw. das Seil zu lösen: Dabei machte der 46-Jährige einen entscheidenden Fehler: Er vergaß offenbar oder hatte es nicht für nötig befunden, sich in eine Sicherungsleine einzuhängen - und dann passierte tatsächlich das Schlimmste in dieser Situation Vorstellbare: Er wurde von einer heranrollenden Welle erwischt und ins Wasser gerissen.

Katamaran mit Beiboot am Steg, blauer Himmel und Hafen im Hintergrund.
Der Charter-Katamaran "Hi Friends" vor dem Ablegen. © mmpi, Verkehrsministerium Kroati

Im Meer treibend konnet er Leine nicht fassen

Und dann sollte es noch schlimmer kommen: Die Passagiere - dem Vernehmen nach alle befreundete Landsleute von ihm - warfen dem über Bord gegangenen Skipper eine Wurfleine in dessen Richtung, doch der im aufgewühlten Seegang hin- und hergerissene Mann konnte das Seil nicht fassen und wurde vor den Augen der geschockten Besatzung immer weiter fortgetrieben. Bald verloren sie ihn ganz aus den Augen.

Zwei Männer in Uniform bedienen ein Gerät auf dem Deck eines Bootes mit Marineemblem.
Drohnenpilot (rechts) bei der Arbeit, sprich: bei der Suche nach dem Vermissten. © mmpi, Verkehrsministerium Kroati
Zwei Boote suchen auf dem Meer nach einem vermissten Skipper bei Šolta.
Alle verfügbaren maritimen Rettungseinheiten wurden in das Suchgebiet beordert. © mmpi, Verkehrsministerium Kroati

Unmittelbar nach dem Notruf leiteten die Behörden eine großangelegte Suchaktion ein. Alle verfügbaren maritimen Rettungseinheiten wurden in das Suchgebiet beordert. Sechs Schiffe pflügten - so die Berichte der kroatischen Medien - durch die raue See: zwei Rettungsboote aus Milna, ein Rettungsboot der Außenstelle Hvar sowie drei Boote der Küstenwache Split. Die Suche aus der Luft wurde unterstützt. In Kooperation mit der kroatischen Küstenwache kreiste ein Pilatus-Flugzeug über dem Gebiet, um eine größere Wasserfläche absuchen zu können. Zusätzlich kamen Hubschrauber und Drohnen zum Einsatz. Über Funk wurden Schiffe im Suchgebiet gebeten, nach dem Vermissten Ausschau zu halten.

Doch bis heute wurde der Abgängige nicht gefunden. Die Einsatzleitung verweist dabei auf frühere Fälle, in denen Schiffbrüchige auch nach mehreren Tagen noch gerettet werden konnten. Doch mittlerweile ist es bald eine Woche, die Chancen, ihn lebend zu finden, sind gleich Null.  Die geschockte restliche Crew wurde indes von einem Ersatzskipper an Land gebracht, wo sie psychologische Unterstützung erhielten, danach brachen sie sofort die mit dem Alptraum von Šolta im Gepäck ab.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden