Stammzellspender
Blutkrebs besiegt: Michael (7) trifft seinen Lebensretter
Eine Stammzellspende im November 2019 hat es möglich gemacht, dass das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) am Freitag zum - laut Sprecherin Margit Draxl - bisher "schönsten Termin des Jahres" laden konnte. Der fand im Soccerdome in Wien-Favoriten statt, wo der siebenjährige Michael aus Niederösterreich erstmals auf seinen 24-jährigen "Retter" Lukas traf. Das Treffen soll zu weiteren Spenden animieren. Die Chance, dass zwei Menschen dafür genetisch kompatibel sind, ist gering.
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"Die Wahrscheinlichkeit, dass Nichtverwandte passende genetische Merkmale haben, liegt bei 1:500.000", erläuterte Peter Kaiser, stellvertretender Generalsekretär des ÖRK und dort zuständig für die Stammzellspende. Und das mache deutlich, warum jede einzelne Registrierung als Spender zähle und für viele Menschen sogar die einzige Chance auf ein Leben sei.
Stefan, Michaels Vater, schilderte dann den Fall seines Sohnes, bei dem im Juli 2019 nicht nur Leukämie festgestellt worden war: "Er erkrankte mit sechs Monaten und nach einer Blutanalyse war Blutkrebs (Leukämie, Anmerkung) als Diagnose klar, und es ging ins St. Anna Kinderspital zur Chemotherapie." Jedoch war ebenso klar, dass dies nicht reichen wird: Michael war genetisch bedingt ein Patient mit hohem Rückfallrisiko, eine Stammzellspende war unvermeidlich und notwendig.
Schicksal entschied sich ein Jahr davor
Ein Jahr davor entschied sich auf einer Hochschule in Hannover Michaels Schicksal während einer Mittagspause: "Ich hab mich da im Sommer 2018 auf der Uni typisieren lassen, da war ich 19", schildert der inzwischen 27-jährige Lukas seine Reaktion auf eine dementsprechende Veranstaltung, bei der die Studierenden zu diesem Schritt aufgerufen wurden. Im September 2019 erhielt er dann den Aufruf zur Spende. "Für mich stand sofort fest, ich möchte das machen." Nach einem Bluttest, "um sicherzustellen, dass ich das beste Match bin", erfolgte dann die Spende. Nach zwei Nächten und einer kleinen Operation war es getan. "Minimale Rückenschmerzen danach, und das war's", erinnerte sich Lukas.
"Deine Entscheidung hat einer Familie Hoffnung gegeben und einem kleinen Buben eine Zukunft ermöglicht", resümierte ÖRK-Generalsekretär Kaiser und dankte auch der Familie des jungen Niederösterreichers. Denn Vater Stefan sorgte laut Kaiser mit einem Aufruf zur Registrierung, dass rund 12.500 Personen diesem Folge geleistet haben, "bereits 25 Spenden sind daraus entstanden". Der inzwischen genesene Sohn zeigte danach gemeinsam mit Lukas, warum der Termin ausgerechnet im Soccerdome angesetzt war: Beide sind Freunde des Fußballs, wie sie anschließend bei einem gemeinsamen Kräftemessen bewiesen.
Kein operativer Eingriff mehr notwendig
Weder Kräfte noch die von Lukas angesprochenen "minimalen Rückenschmerzen" sind indes Voraussetzung, um selbst eine potenzielle Lebensretterin bzw. ein potenzieller Lebensretter zu werden. Das unterstrich der Facharzt für Transfusionsmedizin Christof Jungbauer vom ÖRK im Gespräch mit der APA: "Ja, es ist tatsächlich so, dass die Entnahme heute meistens eine periphere Blutentnahme ist." Bei der sogenannten Apherese ist also kein operativer Eingriff mehr notwendig. Stattdessen werden die Stammzellen medikamentös zur Vermehrung angeregt. Das darauf folgende Verfahren verlaufe dann ähnlich einer Blutspende, wobei noch ein "Zellseparator" ins Spiel kommt. Die Dauer betrage maximal sechs Stunden.
Das Rote Kreuz ruft jedenfalls Personen über 16 und unter 35 Jahren, mit einem Mindestgewicht von 50 kg und ohne schwerwiegende oder chronische Erkrankungen dazu auf, sich als Stammzellspendende registrieren zu lassen. Dazu sind lediglich der Besuch des Portals "www.stammzelle.at" und ein paar Minuten Zeitaufwand erforderlich. Notwendig wäre es, denn wie der Verein "Geben für Leben - Leukämiehilfe Österreich" anlässlich des Weltblutkrebstages am 28. Mai mitteilte, werden für zehn Prozent der jährlich rund 400 von Leukämie Betroffenen in Österreich keine passenden Spender gefunden.
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