Unter Druck
Plötzlich rebellieren Russlands Wirtschaftsbosse gegen Putin
Kurz vor dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg (startet am heutigen Mittwoch) werden die kritischen Stimmen aus Russlands Wirtschaft lauter. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, sehen immer mehr Unternehmer, Banker und Wirtschaftsexperten den Krieg gegen die Ukraine als Hauptursache für die wachsenden Probleme der russischen Wirtschaft.
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Demnach fordern Vertreter großer Unternehmen hinter vorgehaltener Hand ein Ende des Konflikts. Reuters zitiert mehrere Insider und Wirtschaftsexperten, die davon ausgehen, dass nur ein Friedensabkommen neue Investitionen ermöglichen und die Konjunktur wieder ankurbeln könnte. "Die Wirtschaft braucht einen externen Schub", sagte Mikhail Matovnikov, Leiter des Analysezentrums der Sberbank, gegenüber Reuters. Weder aus dem Staatshaushalt noch aus dem Bankensystem seien derzeit ausreichende Wachstumsimpulse zu erwarten.
Wirtschaft schwächelt
Die Sorgen kommen nicht von ungefähr. Reuters zufolge wurde die Wachstumsprognose für die russische Wirtschaft 2026 auf nur noch 0,4 Prozent gesenkt. Noch vor zwei Jahren profitierte das Land von massiven Staatsausgaben für die Rüstungsindustrie. Inzwischen bremsen jedoch hohe Zinsen, westliche Sanktionen, sinkende Investitionen und ein Mangel an Arbeitskräften die wirtschaftliche Entwicklung.
Besonders bemerkenswert ist, dass die Kritik inzwischen auch aus dem politischen Establishment kommt. Reuters zitiert den kommunistischen Duma-Abgeordneten Renat Suleimenow mit der Aussage, dass Waffenproduktion allein keine Grundlage für nachhaltigen Wohlstand schaffen könne. Panzer und Granaten hätten keinen direkten Nutzen für die Bevölkerung und könnten den privaten Konsum nicht ersetzen.
Offener Widerstand
Gleichzeitig wächst die Unsicherheit innerhalb der russischen Wirtschaftselite. Seit Beginn des Krieges sind zahlreiche Unternehmer und Oligarchen unter teils ungeklärten Umständen ums Leben gekommen. Internationale Medien dokumentierten dutzende solcher Fälle. Auch wenn die Behörden meist von Unfällen oder Suiziden ausgehen, hat die Häufung für erhebliche Aufmerksamkeit gesorgt.
Zusätzlichen Druck erzeugen ukrainische Angriffe auf russische Energie- und Industrieanlagen. Reuters berichtet, dass Raffinerien, Häfen und Düngemittelfabriken wiederholt Ziel von Drohnenangriffen wurden. Nach Einschätzung von Experten beeinträchtigt dies zunehmend die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes.
Während der Kreml weiterhin auf Durchhalteparolen setzt, zeichnet sich laut Reuters innerhalb der russischen Wirtschaft ein ungewöhnlich offener Widerstand gegen die Folgen des Krieges ab. Noch wird die Kritik vorsichtig formuliert. Doch die Zahl der Stimmen, die ein Ende des Konflikts fordern, wächst.
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