Krim-Problem
Putin unter Druck: "Wir haben Angst"
"An Schlaf ist nicht zu denken", sagt Julia über die ukrainischen Luftangriffe auf die von Russland annektierte Halbinsel Krim. Die 23-Jährige lebt in der Krim-Hauptstadt Simferopol und tut seit Tagen kein Auge mehr zu. "Jede Nacht gibt es Drohnen und Sirenen." In ihrem Verteidigungskrieg gegen die russische Armee tut die Ukraine gerade alles, um die Krim von Russland zu isolieren.
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Sie attackiert russische Nachschubwege, die Energie-Infrastruktur und Militärfahrzeuge und hat damit nicht nur Moskaus Truppen in Bedrängnis gebracht, sondern auch die Menschen auf der Schwarzmeer-Halbinsel - und das mitten in der Urlaubssaison, in der normalerweise russische Touristen die Straßen und Stände füllen.
Stromabschaltungen und Einschränkungen bei Kraftstoffen
Das zeigt sich zum Beispiel an den Stromabschaltungen, die der von Moskau eingesetzte Gouverneur am Donnerstag aufgrund der beschädigten Energieinfrastruktur ankündigte. Außerdem wurde der Verkauf von Kraftstoffen an Privatpersonen und für Fahrzeuge von Unternehmen eingestellt. Die Folgen bekommt auch Julia zu spüren. Die Taxipreise "sind in die Höhe geschossen", sagt sie. Einigen ihrer Freunde im Baugewerbe seien die Aufträge ausgegangen.
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Die ständigen Attacken machen auch Swetlana zu schaffen, die in Feodossija im Osten der Halbinsel lebt. Sie habe gedacht, sterben zu müssen, erzählt sie in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AFP. "Wir hatten Angst, nie wieder wach zu werden. Wir haben die ganze Nacht gebetet. Am Himmel sah es aus wie bei 'Star Wars'". Für den Kreml und insbesondere Russlands Präsident Wladimir Putin sind die ukrainischen Angriffe ein Problem. Zum einen unterhält das russische Militär zahlreiche Stützpunkte auf der Krim. Und zum anderen hatte die Annexion der Halbinsel für Putin auch immer symbolische Bedeutung.
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Selbst seine Unterstützer sehen die Lage kritisch. Der Künstler Wadim Zyganow, der den Einmarsch in der Ukraine immer lautstark verteidigt hat, klagt über die Machtlosigkeit der russischen Armee gegen die ukrainischen Drohnenangriffe. "Den Russen stehen harte Zeiten bevor", warnt er.
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"Russland zwingen, sich für Frieden zu entscheiden"
Das spielt dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in die Hände, der die Angriffe eine "sorgfältig kalkulierte Strategie" genannt hat. Mit ihr wolle die Ukraine Bedingungen schaffen, "die Russland dazu zwingen, sich für den Frieden zu entscheiden". Zuletzt waren die Gespräche unter Vermittlung der USA ins Stocken geraten; ein von Selenskyj ins Spiel gebrachtes Treffen mit Putin kam nicht zustande.
"Selenskyj tut alles, um zu zeigen, dass die territorialen Gewinne Russlands brüchig sind", erklärt Tatiana Kastoueva-Jean, Leiterin des Zentrums für Russland und Eurasien am Französischen Institut für Internationale Beziehungen (IFRI). Allerdings könne auch bald wieder eine russische Angriffswelle folgen, "um den Willen der Ukraine zu brechen". Schließlich habe der Kreml keineswegs die Absicht, "nachzugeben".
Stéphane Audrand, Forscher am IFRI-Institut, fügt hinzu, dass die Ukraine den "Wert" der Krim für die russische Armee zwar zunichte machen könne, wenn diese von dort aus keine Angriffe mehr ausführen kann. Es bleibe aber fraglich, ob Kiew über "Kapazitäten für Bodenoffensiven verfügt, um diesen Vorteil zu nutzen".
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