Streit in Kiew

Selenskyj feuert seinen Armee-Chef

Ukraine-Präsident Selenskyj und Oberbefehlshaber Syrskyj betrachten gemeinsam eine große Landkarte auf einem Tisch.
© AFP
Paukenschlag in der Ukraine: Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Armeechef Oleksandr Syrskyj entlassen.
OE24 auf Google bevorzugen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach tagelangem Druck von Demonstranten Armeechef Olexander Syrskyj entlassen. Neuer Oberbefehlshaber werde Mychajlo Drapatyj, teilte Selenskyj am Dienstag auf seinem Telegram-Kanal mit.

Ein Mann in Tarnuniform und grüner Mütze steht im Freien und blickt ernst.
Oleksandr Syrskyj, der damalige Befehlshaber der ukrainischen Landstreitkräfte, auf einem Schießstand in der Nähe von Kiew, Ukraine, am 27. Oktober 2020 (wiederveröffentlicht am 21. Juli 2026). Der ukrainische Präsident Selenskyj entließ heute Oleksandr Syrskyj von seinem Posten als Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte und ernannte Mychajlo Drapatyj zu seinem Nachfolger. © EPA

Der Präsident hatte zunächst trotz Kritik an seinem seit 2024 eingesetzten Oberkommandierenden festgehalten, nachdem er vorige Woche den populären Politiker Mychajlo Fedorow als Verteidigungsminister entlassen hatte.

Der erst 35 Jahre alte Fedorow hatte danach seinen Konflikt mit dem noch zu Sowjetzeiten ausgebildeten Syrskyj öffentlich gemacht. Dabei ging es maßgeblich um einen Richtungsstreit in der Kriegsführung. Fedorow stand vor allem für die auch im Westen gelobten Einsätze ukrainischer Drohnen gegen russische Ziele. Er galt auch als Reformer.

Der ehemalige ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow
Mychajlo Fedorow erklärte am 15. Juli, dass er im Rahmen einer Kabinettsumbildung des ukrainischen Präsidenten zurücktrete. Am Morgen des 16. Juli brachen in mehreren ukrainischen Städten große Proteste gegen die Absetzung des beliebten Verteidigungsministers aus. © APA/AFP/ROMAN PILIPEY

Ausdrücklich dankte Selenskyj dem scheidenden General und würdigte seine militärischen Verdienste. Der Präsident hatte angesichts fortdauernder Proteste gegen die Entlassung von Fedorow seit Tagen Gespräche mit Militärs geführt, wie er auf der Plattform X mitteilte. Schon am Samstag hatte er in seiner täglichen Videoansprache angesichts der Straßenproteste gesagt, dass er darauf höre, was die Leute sagen. Er habe auch lange mit Fedorow und Syrskyj gesprochen, sagte er. Am Dienstagabend folgte nach Angaben von Selenskyjs Sprecher Dmytro Lytwyn ein weiteres Gespräch mit Fedorow. Zu dessen neuer Rolle gab es zunächst keine Angaben.

Demonstrationen gegen Syrskyj und für Fedorow dauerten an

Sechs Tage in Folge demonstrierten in der ukrainischen Hauptstadt Kiew und anderen Städten mehrere Tausend vor allem junge Menschen gegen Fedorows Entlassung. Die Demonstranten forderten seine Wiedereinsetzung. Hauptforderung war dabei aber eine Ablösung von Armeechef Syrskyj. Aus Militärkreisen gab es zugleich auch offene Unterstützung für Syrskyj.

Menschen protestieren in Kiew mit Schildern gegen die Absetzung des Verteidigungsministers Fedorow.
Ukrainer halten bei einem Protest gegen die Entlassung von Mychajlo Fedorow als Verteidigungsminister am 20. Juli in der Innenstadt von Kiew (Ukraine) inmitten der andauernden russischen Invasion Plakate in die Höhe. Demonstranten in Kiew und anderen ukrainischen Städten forderten die Wiedereinsetzung Fedorows und die Entlassung des Oberbefehlshabers der Streitkräfte, Oleksandr Syrskyj. © EPA

Fedorows Posten als Verteidigungsminister hat am Freitag geschäftsführend der Geheimdienstler Jewhenij Chmara übernommen. Selenskyj muss Chmaras Kandidatur jedoch noch im Parlament einreichen und ihn von den Abgeordneten bestätigen lassen.

Jewhenij Chmara wurde von Selenskyj zum kommissarischen Verteidigungsminister ernannt.
Dieses Foto zeigt Jewhenij Chmara, den Chef des ukrainischen Geheimdienstes SBU, der zum amtierenden ukrainischen Verteidigungsminister ernannt wurde, bei seinem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten in Kiew. Nach der Absetzung von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow gab Selenskyj am 16. Juli 2026 bekannt, dass er Jewhenij Chmara, einen langjährigen Geheimdienstbeamten, zum kommissarischen Verteidigungsminister ernannt hat. © APA/AFP/UKRAINIAN PRESIDENTIAL P

Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen die russische Invasion. Syrskyj war seit Februar 2024 Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte. Der aus Russland stammende 60-jährige Berufsmilitär hat sich vor allem bei der Verteidigung von Kiew und der erfolgreichen Gegenoffensive im Raum Charkiw 2022 verdient gemacht.

Fedorow hatte das Verteidigungsministerium seit Jänner geleitet. Davor stand er an der Spitze des 2019 geschaffenen Digitalisierungsministeriums.

Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden