Interview

Top-Dermatologin und 4-fach-Mama: Doctor Mi über die Wahrheit hinter ihrem Erfolg

Frau mit langem blonden Haar trägt ein dunkles, modisches Outfit mit weißem Korsett.
© Stefan Imielski
Vier Kinder, eine erfolgreiche Karriere als Dermatologin und eine eigene Skincare-Brand: Dr. Miriam Rehbein ist eine echte Powerfrau. Doctor Mi im großen Interview.
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Mit ihrer innovativen Hautpflegemarke DOCTOR MI hat sich die renommierte Fachärztin weit über Deutschlands Grenzen hinaus einen Namen gemacht und verbindet medizinische Expertise mit Unternehmergeist. Bei den MADONNA Beauty Days sprach Dr. Miriam Rehbein auf der Bühne über ihre vielen Rollen und darüber, warum sie nicht immer perfekt sein muss. Eine inspirierende Frau, die zeigt, dass sich Muttersein, Karriere und Selbstverwirklichung nicht ausschließen müssen.

Miriam, vor einem Jahr saßen wir bereits gemeinsam auf dieser Beauty Day Bühne – du damals hochschwanger mit deinem vierten Kind. Seither ist – unabhängig von deinem privaten Glück – unglaublich viel passiert: Du hast eine neue Praxis eröffnet, dein Teleshopping-Debüt bei HSE gefeiert, dir eine Finca in Spanien zugelegt und stehst vor der Eröffnung des HOUSE OF ME in München. Wie sieht bei dir eigentlich ein normaler Arbeitstag aus?

DR. MIRIAM REHBEIN: Einen normalen Alltag gibt es bei mir nicht. Ich versuche, jeden Tag bei null zu starten und als Geschenk zu sehen. Was immer gleich ist: Ich stehe sehr früh auf. Danach geht es im 20-Minuten-Takt durch den Tag. Zuerst dreht sich alles um die Kinder, dann folgen Calls, Praxis und Termine. Um 14 Uhr versuche ich, Schluss zu machen und für meine Kinder da zu sein. Mein Handy ist allerdings immer dabei, und ungefähr alle 20 Minuten schaue ich darauf. Anders geht es leider nicht. Sobald die Kinder abends schlafen, arbeite ich weiter, bis ich selbst zu müde bin. Das ist viel, aber ich habe eine wichtige Botschaft: Ob wir etwas als Belastung empfinden, entscheidet sich zu einem großen Teil im Kopf. Ich sehe jede meiner Rollen als Geschenk. Mir macht das alles unglaublich viel Spaß, deshalb empfinde ich es nicht als Stress.

Eine Frau hält ein Baby liebevoll an ihre Schulter und lächelt mit geschlossenen Augen.
Dr. Miriam Rehbein © Ulrich Hartman

Du hast einen unglaublich vollen Terminkalender. Wir sehen auf Social Media, was du täglich machst. Aber was musst du eigentlich alles absagen?

REHBEIN: Tatsächlich zwischen zehn und zwanzig Termine pro Tag! In erster Linie bin ich Mutter. Meine Entscheidungen richten sich immer zuerst nach meinen Kindern. Ob ich Termine wahrnehme oder absage, hängt oft davon ab, wie es ihnen gerade geht.

Letztes Jahr hast du gesagt, dass du dich von einer gewissen Art des Perfektionismus verabschiedet hast. Siehst du Unternehmertum heute anders als vor zehn Jahren?

REHBEIN: Total! Ich bin meinen Kindern unglaublich dankbar, dass sie mir beigebracht haben, nicht überall perfekt sein zu müssen. Das hat etwas sehr Heilsames. Sie haben mir einen neuen Blick auf das Wesentliche gegeben – mit viel mehr Liebe. Vieles nehme ich heute nicht mehr so ernst, vor allem mich selbst.

Was empfindest du als herausfordernder: die Verantwortung gegenüber deinem Unternehmen oder gegenüber deinen Kindern?

REHBEIN: Definitiv die Verantwortung gegenüber meinen Kindern. Im Unternehmen habe ich viele Stützen, etwa einen tollen Geschäftsführer, der mich entlastet. Wenn mein Unternehmen scheitern würde, wäre das für mich kein Drama. Auch eine Insolvenz ist nicht das Ende der Welt. Man kann immer wieder von vorne anfangen. Aber die Zeit mit den Kindern bekommt man nicht zurück. Fehler haben hier viel weitreichendere Konsequenzen.

Und was delegierst du ohne schlechtes Gewissen – privat und beruflich?

REHBEIN: Gar nichts! Ich delegiere viel, aber immer mit schlechtem Gewissen. Wenn unsere Nanny die Kinder abholen muss, habe ich ein schlechtes Gewissen. Und wenn ich in der Praxis absage, weil eines meiner Kinder krank ist, genauso. Ich glaube, dieses ständige schlechte Gewissen begleitet unglaublich viele Mütter. Für mich ist es eine der größten Herausforderungen überhaupt

Kommen wir zu DOCTOR MI: Wann wurde dir klar, dass aus deiner ursprünglich für dich selbst entwickelten Hautpflege eine eigene Beauty-Brand werden könnte?

REHBEIN: Die erste Creme habe ich damals für meine eigenen Hautprobleme entwickelt und die Rezeptur eigenhändig in der Apotheke angemischt. Eine Patientin wollte sie ausprobieren, und durch Mundpropaganda sprach sich das schnell herum. Anfangs habe ich alles selbst gemischt und verpackt – nachts nach meiner Arbeit als Dermatologin. Zum Glück hatte ich damals noch keine Kinder. Irgendwann postete ich auf Instagram eine Aktion: Wer heute eine Creme bestellt, bekommt die zweite gratis. Ich rechnete mit ein paar Interessenten, doch plötzlich waren es über 600 Bestellungen! Ich dachte nur: Wie soll ich das heute Nacht schaffen? Ich bekam regelrecht eine Panikattacke. Zum Glück halfen mir Freunde. Da wurde mir klar: Das hat tatsächlich das Potenzial für eine eigene Marke, und dann hat eines zum anderen geführt.

Zwei Frauen sitzen auf Sofas, eine spricht mit Mikrofon, Blumendekoration auf dem Tisch.
. © Philipp Lipiarski

Du bist Ärztin und Unternehmerin. Kommen sich diese beiden Rollen manchmal in die Quere?

REHBEIN: Ich bin bis heute alleinige Investorin von DOCTOR MI und habe nie Fremdkapital aufgenommen. Dadurch kann ich unabhängig entscheiden und meinen Prinzipien als Dermatologin treu bleiben. Wir entwickeln jede Rezeptur selbst, orientiert an den Bedürfnissen meiner Patientinnen und Patienten. Manche Produkte brauchen bis zu fünf Jahren. Ich habe mein Unternehmen nie nach einem klassischen Businessplan geführt, sondern auf Erfahrung, Bauchgefühl und Überzeugung vertraut. DOCTOR MI ist für mich echte Leidenschaft. Ich würde das auch machen, wenn ich keinen Cent verdienen würde

Was waren rückblickend deine größten Fehler?

REHBEIN: Vor allem Personalentscheidungen. Oft habe ich mehr auf mein Herz als auf fachliche Expertise gehört und dafür manchmal viel Lehrgeld bezahlt. Mein größtes Learning: Erfolg braucht loyale Menschen, die dieselben Werte teilen und sich ergänzen. Heute habe ich einen Geschäftsführer, der genau die Stärken mitbringt, die mir fehlen. Wichtig ist auch, Fehler einzugestehen und Verantwortung zu übernehmen. Entscheidend ist, wie man mit Fehlern umgeht.

Nach welchen Kriterien entscheidest du, welche neuen Produktkategorien du mit DOCTOR MI auf den Markt bringst?

REHBEIN: Ich entwickle vor allem Produkte, die ich selbst im Alltag brauche. Natürlich achte ich auch darauf, wonach meine Kundinnen und Kunden besonders fragen.

Wie lange dauert die Entwicklung eines Produkts, etwa des Sonnenschutzes, den du letztes Jahr auf den Markt gebracht hast?

REHBEIN: Etwa zwei bis fünf Jahre. Ich habe extrem hohe Ansprüche. Unsere Produkte müssen sogar für Neugeborene geeignet sein. Da wir alle Rezepturen selbst entwickeln, statt fertige Formulierungen zu übernehmen, braucht es viele Tests, Versuche und manchmal Rückschläge.

Welche Behandlungen sind aktuell in deiner Praxis am gefragtesten?

REHBEIN: Ganz klar Hautverbesserung. Bei jüngeren Menschen geht es oft um Akne und Narben, bei älteren um AntiAging. Der Trend geht stark zu nicht-invasiven Methoden und Prävention. Die Menschen möchten ihre Haut langfristig gesund und schön erhalten.

Du meinst Laser, Ultraschall oder CO -Technologien?

REHBEIN: Ja. Viele dieser Methoden arbeiten nach einem ähnlichen Prinzip: Das Gewebe wird erhitzt, um einen sogenannten Shrinking-Effekt, also ein Zusammenziehen, zu erzeugen. Sie unterscheiden sich vor allem in der Art der Energieabgabe. Die Industrie bringt ständig neue Technologien, die häufig auf ähnlichen Mechanismen basieren.

Du beschäftigst dich täglich mit Anti-Aging. Was macht das mit dir persönlich und deinem eigenen Streben nach ewiger Jugend und Schönheit?

REHBEIN: Natürlich stört es mich auch, wenn ich morgens in den Spiegel schaue und plötzlich Tränensäcke oder neue Falten entdecke. Da denke ich manchmal: Oh nein, echt jetzt? Aber nicht, weil ich mich dadurch weniger schön fühle. Jede Falte und jedes graue Haar erinnern mich daran, dass die Zeit vergeht und wir nichts für immer festhalten können. Meine Kinder werden größer, ich werde älter, und irgendwann kommt auch für mich der letzte Tag. Ganz ehrlich: Der Gedanke, irgendwann nicht mehr für meine Kinder da sein zu können, ist für mich die schlimmste Vorstellung überhaupt. Deshalb wünsche ich mir gar nicht, ewig jung auszusehen. Mein größter Wunsch ist es, noch ganz, ganz viel gesunde Zeit mit meiner Familie verbringen zu dürfen. Denn am Ende ist genau das das Wertvollste, was wir haben.

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