US-Open

Zverev-Gegner fordert radikale Regeländerung

Ein Tennisspieler steht nachdenklich mit Händen in der Hüfte auf dem Platz, Zuschauer im Hintergrund.
© APA/AFP/ANGELA WEISS
Nach seiner bitteren Vier-Satz-Niederlage im Finale des US Open gegen Alexander Zverev fordert der US-Amerikaner Ben Shelton eine weitreichende Reform der Tennis-Regeln. Im Visier hat das junge Tennis-Ass dabei ein ganz spezielles, umstrittenes Ritual des deutschen Turniersiegers.
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Die Nummer eins der Setzliste, Alexander Zverev, sicherte sich am Sonntag den Titel in New York, sorgte auf dem Weg dorthin jedoch für erhebliche Diskussionen. Der Deutsche pflegt vor seinen Aufschlägen ein exzessives Ritual und prellt den Ball regelmäßig mehr als ein Dutzend Mal auf den Court, bevor er die Aufschlagbewegung startet. Während die aktuelle Regelung vorschreibt, dass Spieler nach dem Ende des vorherigen Punktes 25 Sekunden Zeit haben, um den ersten Aufschlag auszuführen, gibt es für den zweiten Aufschlag keine strikte Zeitbegrenzung. Im Regelbuch heißt es lediglich vage, der Aufschlag müsse "ohne Verzögerung" erfolgen. Auch die Anzahl des Ballprellens ist unbegrenzt.

Dieses endlose Balltippen von Zverev sorgt im Tennis-Zirkus schon länger für heftige Kritik und ruft nun auch namhafte Legenden auf den Plan. Zuvor hatten sich bereits die Tennis-Ikonen Andy Roddick und John McEnroe für eine Änderung ausgesprochen. Nach dem verlorenen Endspiel schloss sich nun auch Ben Shelton den frustrierten Stimmen an und fordert die Einführung einer sogenannten "Shot Clock" für den zweiten Aufschlag.

Shelton fordert härtere Zeitlimits beim Service

Shelton stellte nach dem Finale klar, dass er beim ersten Aufschlag kein Problem mit der aktuellen Zeiteinteilung hat, beim zweiten Aufschlag jedoch dringend Handlungsbedarf sieht. Der US-Amerikaner erklärte:
"Ich denke definitiv, dass man beim ersten Aufschlag tun können sollte, was man will – da kann man jedes Mal die vollen 25 Sekunden nutzen. Aber ich finde, es sollte eine Regel geben, die die Zeit beim zweiten Aufschlag begrenzt. Man sollte nicht unbegrenzt Zeit haben. Für unseren Sport und für die Fans ist es extrem zäh, so lange dazusitzen und darauf zu warten, dass der nächste Ballwechsel und die nächste Aktion beginnen."

Er fügte hinzu, dass die Verantwortlichen der großen Turniere diese Thematik früher oder später genauer unter die Lupe nehmen müssen. Die Verzögerungen im Spielfluss seien in manchen Matches einfach zu extrem geworden.

Unglaubliche Statistik: Zverev tippte über 12.000 Mal

Wie extrem das Verhalten von Zverev tatsächlich ist, verdeutlicht eine statistische Erhebung während des Turniers. Berichten zufolge soll der Deutsche in seinen ersten fünf Partien bei diesem US Open den Tennisball weit mehr als 12.000 Mal auf den Boden geprellt haben. Bereits nach dem Halbfinale fand Zverevs damaliger Gegner Karen Khachanov deutliche Worte zu der Thematik: "Die Art und Weise, wie er den Ball tippt, nervt natürlich nicht nur mich, sondern auch sehr viele andere Spieler auf der Tour."

Während des Endspiels entwickelte sich um diese Routine auch ein psychologisches Duell. Shelton weigerte sich, frühzeitig in die tiefe Kniebeuge zu gehen, um sich auf den Return vorzubereiten. Erst als Zverev tatsächlich seine eigentliche Aufschlagbewegung einleitete, begab sich der US-Amerikaner in die spielbereite Position.

Zoff mit der Schiedsrichterin wegen Vorbereitungszeit

Dieses Verhalten brachte Shelton jedoch Ärger mit der Stuhlschiedsrichterin Marijana Veljovic ein. Nach dem Match schilderte Shelton die kuriose Diskussion auf dem Platz und kritisierte die bestehende Auslegung scharf:
"Sie hat mir gesagt, dass ich früher an der Linie bereitstehen muss. Daraufhin habe ich erwidert: 'Er kann seine Routine beginnen, wann immer er will.' Aber ich verspreche euch, dass es niemals eine Situation geben wird, in der er aufschlägt und ich nicht spielbereit bin. Wenn er den Ball 20 bis 25 Mal aufprellt, sollte ich nicht einfach die ganze Zeit starr dastehen müssen. Ich halte das für eine absolut schwachsinnige Regel."

Der Amerikaner verdeutlichte seine Sicht der Dinge weiter: "Er macht niemals weniger als zehn Ballpreller. Ich werde mich sicher nicht 30 Sekunden lang mit gebeugten Knien und voller Körperspannung hinstellen und warten, während er seelenruhig tippt."

Zverev verteidigt sein langes Ritual

Der frischgebackene US-Open-Champion selbst weist jegliche Absicht einer bewussten Spielverzögerung von sich. Schon nach seinem Halbfinalsieg gegen Khachanov rechtfertigte sich der Deutsche und betonen, dass der Ablauf bei ihm vollkommen unbewusst ablaufe:
"Ich zähle das nicht in meinem Kopf mit. Ich versuche nicht, eine bestimmte Anzahl von Ballprellern zu erreichen oder ähnliches. Ich weiß selbst nicht genau, warum das in letzter Zeit so extrem zugenommen hat."

Ob die Tennis-Dachverbände auf die anhaltende Kritik reagieren und tatsächlich ein neues Zeitlimit für den zweiten Aufschlag einführen, bleibt abzuwarten. Die Diskussionen nach diesem dramatischen US-Open-Finale haben der Debatte jedenfalls neue Nahrung gegeben.

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