Echter 'Car Guy'

Neuer Mercedes-Chef ist ein Autonarr

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Mit Ola Källenius fängt bei Daimler eine neue Ära an.

Zuhören, überzeugen, nie die Ruhe verlieren - so tritt der neue Daimler-Chef  Ola Källenius  (Bild) auf. Mit dem Ende der Hauptversammlung am Mittwochabend  übernahm  der Schwede vom langjährigen Vorstandschef  Dieter Zetsche  die Führung des zweitgrößten deutschen Autokonzerns nach Volkswagen. 
 
Die Entscheidung für den 49-Jährigen, ein Daimler-Eigengewächs, fiel schon im vergangenen Jahr. Dabei gab es weder Drama noch Staunen, denn der Manager hatte sich in geordneten Bahnen bei  Mercedes-Benz  bis in den engsten Kandidatenkreis vorgearbeitet. Die Wende zur Elektromobilität müsse Daimler beschleunigen, schrieb Källenius sich kürzlich  selbst ins Aufgabenheft . "Wir wollen nicht zugucken, wie diese passiert, sondern wir wollen einer der Architekten dieser Wende sein", sagte er zur Präsentation höherer CO2-Reduktionsziele des Konzerns.
 
 

"Car Guy" liefert gleich zwei Daimler-Premieren

Dass erstmals kein Deutscher und auch kein studierter Ingenieur auf dem Chefsessel von Daimler Platz nimmt, sei in dem Konzern gar kein Thema, sagt ein Insider. In Stuttgart kennen sie Källenius schon lange: Nach Betriebswirtschaftsstudium und Managementschule in Schweden und in der Schweiz angelte Källenius sich seinen ersten Job in der Nachwuchsgruppe der Daimler-Benz AG 1993. Seither lebte der Wahlschwabe, mit einer Deutschen verheiratet und Vater von drei Söhnen, die meiste Zeit in Deutschland. Deutsch spricht er so fließend wie Englisch. Internationale Erfahrung sammelte er als Controller und später Leiter von Mercedes-Benz USA. Dass Källenius anders als Zetsche kein Ingenieur ist, gilt nicht als Mangel. "Er ist ein BWLer mit großem Technikverständnis", sagt einer seiner engen Mitarbeiter. Er sei ein "echter Car Guy", bescheinigte ihm einst Zetsche.
 
 

War bereits AMG-Chef

Auch als Chef von  AMG , der Tochter für leistungsstarke Fahrzeuge, eignete sich Källenius viel technische Expertise an. In den Daimler-Konzernvorstand stieg er 2015 zunächst als Pkw-Vertriebschef auf. Vor gut zwei Jahren übernahm er dann die Verantwortung für Forschung und Entwicklung, was damals viele als Bewährungszeit für den obersten Chefposten betrachteten. Im obersten Management sei Källenius bisher noch nicht in der Situation gewesen, unangenehme Entscheidungen treffen zu müssen, sagt ein Konzernkenner. Die Straffung des Vertriebs war schon beschlossene Sache, als er das Ressort 2015 übernahm. In der Entwicklung sorgte er dafür, dass es einige Monate weniger dauert, bis ein neues Modell auf die Straße kommt. Wenn er etwas durchsetzen will, setzt der stets freundlich und locker wirkende Schwede auf Überzeugung und Dialog statt auf Zwang. Er lässt sich von vielen mit dem Vornamen ansprechen, Krawall ist seine Sache nicht. Das wissen auch die Arbeitnehmervertreter zu schätzen. "Er agiert besonnen, und er hört uns zu", lobt etwa der Betriebsratschef des größten Komponentenwerks Untertürkheim, Michael Häberle.
 
 

Hohes Ansehen bei Experten

Auch Autoexperten sehen dem Chefwechsel wohlwollend entgegen. Källenius sei bodenständig und sympathisch, sagt etwa Christian Ludwig, Analyst vom Bankhaus Lampe. Jetzt bleibe abzuwarten, wie er sich schlägt. "Källenius muss noch hineinwachsen – es ist schließlich ein großer Konzern mit Betriebsräten, die auch mitzureden haben", sagt Stefan Bauknecht, Automobilanalyst der Deutsche-Bank-Tochter DWS. Källenius könne nach seinem Eindruck gut zuhören, sich eine Meinung bilden und dann durchgreifen. Dass Källenius kein Deutscher ist, sieht Bauknecht als Gewinn. "Es ist wichtig, von einem rein deutschen Führungsstil wegzukommen – Daimler ist ein globaler Konzern, dem steht ein global geprägter Manager gut an."
 
 

Zetsche kehrt zurück

Der neue Konzernlenker hat zwei Jahre Zeit, seine Pflöcke einzuschlagen. Denn 2021 soll Zetsche nach zwei Jahren Abkühlphase als Aufsichtsratsvorsitzender zu Daimler zurückkommen. Die erste Bewährungsprobe steht schon bevor: Denn Källenius muss den traditionellen Auto- und Lastwagenbauer ins Zeitalter von Elektroantrieb und Mobilitätsdienste führen, ohne dass Gewinn und Beschäftigung darunter stark leiden. Und das, während sich die wichtigen Absatzmärkte gerade abkühlen. Ein Sparprogramm ist unausweichlich - unangenehme Entscheidungen könnten bevorstehen.
 
 
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