130 Milliarden für Athen

Börsen atmen auf

130 Milliarden für Athen

Doch: Ökonomen fordern Griechenlands Austritt aus der Euro-Zone.

Lostage gab es für Griechenland schon viele. Gestern war wieder einer. Um 15.30 Uhr startete das Treffen der Finanzminister in Brüssel – es ging bis spät in die Nacht. Sie wollten grünes Licht für das zweite Rettungspaket von 130 Milliarden Euro geben, das Griechenland dringend benötigt, wenn es am 20. März nicht pleite gehen will. Dann muss Athen 14,5 Milliarden Euro Altschulden zurückzahlen.

Banken sollen auf 5,5 Milliarden Euro verzichten
Während Griechen-Finanzminister Evangelos Venizelos versuchte, seine Euro-Kollegen vom 130-Milliarden-Euro-Hilfspaket zu überzeugen, verhandelte der griechische Ministerpräsident Lucas Papademos mit den Banken über einen größeren Schuldenschnitt. Die Griechen wollen, dass ihnen die Privatgläubiger Schulden in Höhe von 5,5 Milliarden Euro erlassen.

Experten üben indessen heftige Kritik an den neuen Hilfen für Griechenland. Viele Ökonomen kritisieren den EU-Plan, weiter Milliarden in das marode Land zu pumpen und gleichzeitig Griechenland kaputt zu sparen.

Wirtschafts-Experte fordert Euro-Ausschluss
Allen voran der Starökonom Werner Sinn. Im Spiegel-Interview meint er: „Der Griechenland-Plan ist illusionär.“ Der Präsident des Institutes für Wirtschaftsforschung fordert, dass Griechenland die Euro-Zone verlassen soll. „Die EU sollten den Griechen das Geld geben, um den Austritt aus der Währungsunion zu erleichtern. Der griechische Staat könnte mit dem Geld die Banken des Landes verstaatlichen und den Staat vor dem Kollaps bewahren“, so sein Konzept.

Nach Ansicht des Ifo-Chefs würde Griechenland so wieder wettbewerbsfähig gemacht werden. „Weil griechische Produkte schlagartig billiger würden, würde die Nachfrage umgelenkt, weg vom Import und hin zu eigenen Waren.“
Auch die Touristen würden wieder Griechenland-Urlaube buchen. „So würde wieder neues Kapital ins Land fließen“, so Sinn.