Sparschwein

AK: Neue Sparprodukte zu komplex!

Banken setzen auf Kapitalgarantie, Berater oft überfordert - Verständliche Produkte und Infos gefordert.

1 Jahr nach Ausbruch der Finanzkrise ist bei Spar-und Anlageprodukten "Sicherheit in". Viele Banken haben daher Produkte mit Kapitalgarantien auf den Markt gebracht. Dieses sind aber immer noch viel zu kompliziert und für Konsumenten "schwierig, wenn nicht gar unmöglich" zu durchschauen, kritisierte Harald Glatz, Leiter der Abteilung Konsumentenpolitik der Arbeiterkammer, am Dienstag. Bei einer Untersuchung von acht Produkten fanden die AK-Experten ein "Auseinanderklaffen von Werbung und Tatsachen" und überforderte Berater vor.

Die im September und Oktober erhobenen Spar- und Anlageprodukte, etwa indexgebundene Lebensversicherungen, bieten zwar eine Kapitalgarantie, enthalten jedoch "alle Spekulationselemente", so Glatz. Die Werbung suggeriere meist, es handle sich um einfache, sichere und gut verzinste Produkte. Die Infos der Anbieter seien "durchgängig mangelhaft". Die AK-Testkäufer bekamen weder auf den Internetseiten noch in Broschüren oder bei den Beratungsgesprächen die notwendigen Informationen, um das Produkt überhaupt verstehen zu können.

Verstärkter Verkaufsdruck in den Banken

Die Bankangestellten seien seit etwa einem halben Jahr "sehr verstärkt" einem "enormen Verkaufsdruck ausgesetzt", verstünden die Produkte, die sie an den Mann bringen müssen, aber oft selbst nicht. Glatz appellierte an die Geldinstitute, ihre Berater "nicht im Regen stehen zu lassen".

Ein Manko bei neuen Sparprodukten seien die fehlenden Angaben zu den Kosten, etwa Spesen für das Wertpapierdepot. In nur einem von acht Test-Gesprächen seien alle Kosten auf den Tisch gelegt worden. Die Geschäftsbedingungen (AGB) oder allfällig geprüfte Wertpapierprospekte hätten fast immer gefehlt. Die Garantiegeber - oftmals die Banken selbst - seien entweder gar nicht genannt oder erst im Kleingedruckten zu finden gewesen. Außerdem fanden die Konsumentenschützer unzulässige Vergleiche der Renditen, Zinsen oder garantierten Summen mit Sparbuchzinsen.

Die AK plädiert erneut für einfache, verständliche Produkte und "vernünftige, kurze" Informationen, etwa in Form einer Ampelkennzeichnung. Glatz hat den Eindruck, dass die Banken aus der Finanzkrise "nur sehr wenig gelernt haben". Die Anleger sollten beim Beratungsgespräch eine Zusammenfassung des gesetzlich vorgeschriebenen Kapitalmarktprospekts sowie ein Gesprächsprotokoll erhalten, fordert die AK.

Zudem sollten Konsumenten weitergehende Informationen, etwa Kapitalmarktprospekte, auf einer eigenen Internetseite abrufen können. Derzeit sei es sogar für die AK-Experten "sehr schwer", an diese Informationen zu kommen - "Stichwort Meinl", meinte Glatz.

Anbieterunabhängige Finanzberatung gefordert

Zum wiederholten Mal urgierte Glatz auch eine anbieterunabhängige Finanzberatung, die von den Banken finanziert wird. Die AK kämpft derzeit mit einem "Tsunami an Anfragen". Allein im ersten Halbjahr hätten AK und der VKI 25.000 Beratungsgespräche geführt - um etwa 20 % mehr als im ersten Halbjahr 2008.

Bisher habe die Bankenwirtschaft auf die AK-Forderungen aber eher ablehnend reagiert, beklagte Glatz. Wieviel Geld die Finanzinstitute für den gewünschten Ausbau der Beratung lockermachen sollen, wollte er nicht beziffern. Schon bei Gesprächen über die vielfach kritisierten Fremdwährungskredite habe die AK den Banken fünf Konsumentenschützer vorgeschlagen, die Fremdwährungskreditnehmer beraten sollten. Die Banken hätten das abgelehnt, so Glatz.

Für "äußerst" bzw. "viel zu kompliziert" befanden die AK-Experten die Anlageprodukte "s Garantie-Concept Garant 150" der Erste Bank, den "S.M.I.L.E. Garant II" der Bank Austria, das "Österreich Sparbuch" der BAWAG und die "Rocket IV" der Volksbank. Kritik hagelte es auch an der Reklame für die "Hypo Zukunftsvorsorge" der Hypo Niederösterreich Wien, der "Spareinlage" der Handelskette Spar und dem "Dynamic Bond" von Wüstenrot. Die "Ertragsgarantie plus" der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich Wien sei ebenfalls "problematisch", meinen die Konsumentenschützer.