Alpine: Größte Pleite der Zweiten Republik

Insolvenz

Alpine: Größte Pleite der Zweiten Republik

Alpine mit 1,9 Mrd. überschuldet. 6.483 Jobs und 8.000 Gläubiger betroffen.

Das Insolvenzverfahren über die Alpine Bau GmbH ist bereits heute, Mittwoch, am frühen Nachmittag eröffnet worden, teilten die Kreditschutzverbände AKV, Creditreform und KSV 1870 mit. Der Antrag wurde heute Früh gestellt. Zum Masseverwalter wurde der Wiener Rechtsanwalt Stephan Riel bestellt. Die erste Gläubigerversammlung findet am 4. Juli 2013 statt. Betroffene Gläubiger - Unternehmen und Lieferanten - können ihre Forderungen bis zum 16. August anmelden.

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Alpine: Größte Pleite der Zweiten Republik


Die erste Prüfungs- und Berichtstagsatzung findet dann am 29. August statt. "Am 12. September folgt die Sanierungstagsatzung - da soll über das Konzept abgestimmt werden", so KSV-Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner.

Zu den genauen Verbindlichkeiten sollen am Mittwoch noch Informationen folgen. Vorerst betroffen sind 8.500 Lieferanten bzw. sonstige Gläubiger. Die Alpine Bau GmbH alleine beschäftigt 6.483 Mitarbeiter im In- und Ausland, die gesamte Alpine-Gruppe rund 15.000 im In- und Ausland.

Krisengipfel im Sozialministerium
Infolge des Insolvenzantrages des Bauriesen Alpine mit seinen rund 7.500 Mitarbeitern in Österreich rotieren nun auch die Sozialpartner. "Zur Stunde finden Gespräche über die genaue Zahl der Betroffenen und die weitere Vorgangsweise statt", sagte der Sprecher des Sozialministeriums, Norbert Schnurrer am  Mittwoch Mittag. Mit Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) treffen sich unter anderem der Alpine-Personalchef, der Betriebsratsvorsitzende des Konzerns, Vertreter des Arbeitsmarktservice und des Insolvenzentgeltfonds

Die Pleite des Baukonzerns Alpine Bau GmbH könnte laut Experten auch die Koalitionsparteien in Bedrängnis bringen. "Das könnte der gesamten Regierung wehtun", sagte der Politberater Thomas Hofer (H & P Public Affairs) gegenüber der APA. OGM-Chef Wolfgang Bachmayer rechnet damit, dass das (in Folge der Pleite zu erwartende) politische Klima vor allem der SPÖ schaden wird - und der FPÖ nützen.

Börsenhandel mit Bonds ausgesetzt
Zuvor war bekannt geworden, dass der Börsenhandel mit den Bonds der Alpine Holding GmbH heute, Mittwoch, ausgesetzt worden ist. Die Orders würden für erloschen erklärt und müssten neu erteilt werden, teilte die Wiener Börse in einer Aussendung mit.

Die Alpine hat drei Unternehmensanleihen im Volumen von 290 Mio. Euro auf dem Markt, die sie seit 2010 aufgelegt hat - die jüngste davon läuft erst seit Mai 2012. Zwei Bonds haben ein Volumen von je 100 Mio. Euro, eine Anleihe umfasst 90 Mio. Euro. Die Anleihen haben eine Laufzeit von fünf Jahren und sind mit 5,25 bzw. 6 Prozent hoch verzinst.

Bundeshaftungen dürften dem Steuerzahle 120 Mio. Euro kosten
Die Republik Österreich hängt mit 150 Mio. Euro an Haftungen im Baukonzern Alpine. Wie es mit den Haftungen weitergeht, nachdem die Alpine Bau GmbH heute beim Handelsgericht Wien einen Konkursantrag gestellt hat, bleibt laut Finanzministerium aber noch abzuwarten. "Das hängt von der Quote ab, die zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht feststeht", hieß es dazu aus dem Büro von Finanzministerin Maria Fekter (V) knapp.

Den Gläubigern wird im Sanierungsplan jedenfalls eine Quote von 20 Prozent zahlbar binnen zwei Jahren geboten - der Steuerzahler dürfte also 120 Mio. Euro der 150 Mio. Euro verlieren, wenn nur 30 Mio. Euro von der Alpine zu holen sein sollten.

Die Haftungen des Bundes werden von der Kontrollbank (OeKB) abgewickelt. Die Republik steht nach dem Unternehmensliquiditätsstärkungsgesetz (ULSG) für zwei Konsortialkredite österreichsicher Institute in Höhe von 300 Mio. Euro im Ausmaß von 50 Prozent gerade.

8 Arbeitsstiftungen geplant
Nach Einbringen des Insolvenzantrages der Alpine Bau GmbH sind laut letzten Auskünften über 6.000 Beschäftige betroffen. 8 Arbeitsstiftungen auch für die betroffenen Arbeitnehmer der Zulieferbetriebe sind geplant. Bei 36 bundesweiten Betriebsversammlungen informiert die Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) über die weitere Vorgangsweise.

SPÖ und AK gegen Beitragssenkung für Insolvenzfonds
Die Insolvenz der Salzburger Baufirma Alpine bestärkt Arbeiterkammer und SPÖ in ihrer Ablehnung der ÖVP-Ideen für den Insolvenzentgeltfonds. Die Volkspartei hatte kürzlich ein Kostensenkungspaket vorgeschlagen, das eine Senkung der Beiträge an den Fonds durch die Unternehmen um 0,1 Prozentpunkte vorsieht. Ein Szenario, das AK-Präsident Rudolf Kaske (SPÖ) angesichts der Alpine-Pleite als "geradezu fahrlässig" bezeichnet, SPÖ-Sozialsprecherin Renate Csörgits als "unverantwortlich".

"Der Insolvenzentgeltfonds darf nicht gekürzt werden", so die Linie der AK. Weniger Geld im Fonds gehe "zu Lasten der Ansprüche der Arbeitnehmer insolventer Firmen", befürchtet Kaske, weswegen er entsprechende Pläne für "mehr als unsozial" hält. Auch Csörgits hielt fest, es sei "kein Spielraum für Beitragssenkungen vorhanden", denn die Krise sei noch lange nicht überwunden.

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