AUA bringt auch die ÖIAG ins Trudeln

Das Trudeln der heimischen Fluggesellschaft AUA könnte auch die Verstaatlichtenholding ÖIAG in Schwierigkeiten bringen. SPÖ-Bundeskanzler Faymann hat am Sonntag die Auflösung der Österreichischen Industrieholding, kurz ÖIAG genannt, gefordert. Im Zusammenhang mit dem AUA-Debakel hagelt es derzeit heftige Kritik gegen ÖIAG-Chef Peter Michaelis.

Die ÖIAG ist an Firmen mit einem Börsenwert von 14 Milliarden Euro (Juli 2009) beteiligt. Seit 2003 hat der Finanzminister immerhin 1,63 Mrd. Euro an Dividenden kassiert, allein für 2009 werden 450 Mio. Euro fließen. Die AUA hat allerdings seit 2000 keine Dividende mehr ausgeschüttet.

Die Geschichte der ÖIAG reicht in das Nachkriegsjahr 1946 zurück, als das erste Verstaatlichtengesetz beschlossen wurde. Damit wollte man verhindern, dass Unternehmen in "deutschem Eigentum" von den Sowjets beschlagnahmt werden. Betroffen waren der gesamte Bergbau, die spätere Voest, die Mineralölförderung und die Banken. Verwaltet wurde die verstaatlichte Industrie damals von der Regierung.

Erst 1967 wurde die Österreichische Industrieverwaltungs-GmbH (ÖIG) gegründet, die drei Jahre später in die ÖIAG umgewandelt wurde. Erster Generaldirektor war Franz Geist.

In den 80er Jahren kam es dann zum großen Krach. Der schwerfällige Mischkonzern musste mit Steuergeldern gerettet werden. Insgesamt nahm der Staat damals 60 Mrd. Schilling in die Hand, um die Verluste abzudecken. Dramatisch wirkte sich die Krise auch auf den Arbeitsmarkt aus: Rund 55.000 Menschen verloren ihren Job.

1993 wurde das zweite Verstaatlichtengesetz verabschiedet. Die ÖIAG wurde beauftragt, sich von ihren Beteiligungen zu trennen. Der Startschuss fiel 1994 mit dem Öl- und Gaskonzern OMV, der an die Börse gebracht wurde. Derzeit hält die ÖIAG an der OMV 31,50 Prozent.

Sieben börsennotierte und sieben nicht börsennotierte Unternehmen zählten im Jahr 1999 - also vor der Wenderegierung Schüssel - noch zur ÖIAG. Seit damals hat der Bund die voestalpine, Böhler Uddeholm, die Austria Tabak, den Flughafen Wien, die P.S.K., die Staatsdruckerei, das Dorotheum, die VA Tech, Postbus, Telekom Austria und Post privatisiert. Zur Jahresmitte 2006 übernahm Peter Michaelis allein das ÖIAG-Ruder.

Derzeit hält die ÖIAG noch 52,85 Prozent an der Post, 31,50 Prozent an der OMV, 27,37 Prozent an der Telekom, 41,56 Prozent an der AUA und 100 Prozent an der nicht börsenoierten GKB. Der Börsenwert der ÖIAG-Anteile summiert sich derzeit auf 4,5 Mrd. Euro.

Faymann hatte am Sonntag in der ORF-"Pressestunde" betont, dass aus seiner Sicht die Staatsholding aufzulösen sei. Neben der Management-Ebene sollte es künftig eine direkte politische Verantwortung für die Unternehmen geben, eine Zwischenebene "mit hoch bezahlten Honoraren" brauche es nicht mehr. Unmittelbarer Anlass für den Vorstoß Faymanns ist das Debakel um den AUA-Verkauf, das er auch ÖIAG-Chef Michaelis in die Schuhe schiebt. Dieser wies jegliche Schuld von sich.

Für Faymann ist jedoch die ÖIAG zu einem guten Teil am AUA-Debakel schuld: "Die AUA ist ein Beispiel dafür, dass die ÖIAG versagt hat". Holding-Chef Peter Michaelis habe bei der Fluglinie als Aufsichtsratsvorsitzender agiert. Dessen Salär von 700.000 Euro sei das Dreifache des Gehalts des Bundespräsidenten, davon die Hälfte leistungsbezogen: "Was ist denn das für eine Leistung bei AUA, der Post oder der Telekom?"