Gespräche sollen Zukunftsstrategien aufzeigen

Führung von General Motors trifft Opel-Betriebsrat

Nach der Konfrontation mit der Opel-Belegschaft trifft sich General-Motors-Chef Fritz Henderson auf seiner Versöhnungstour am 10. November mit dem Betriebsrat. Bei den Gesprächen in Rüsselsheim dürften die weit auseinanderliegenden Positionen Hendersons und des Gesamtbetriebsratvorsitzenden Klaus Franz aufeinanderprallen.

General Motors (GM) will nach dem überraschend abgesagten Verkauf von Opel zur Sanierung der Tochter rund 10.000 von 50.000 Stellen streichen. Der Konzern erwägt auch die Schließung von drei Werken, darunter Bochum und Eisenach. Der Betriebsrat lehnt dies ab und fordert die Umwandlung von einer GmbH in eine Aktiengesellschaft sowie mehr Mitbestimmungsrechte.

Mehr Eigenständigkeit für Opel

Nach dpa-Informationen will GM seiner deutschen Tochter künftig durchaus mehr Eigenständigkeit erlauben. Am Nachmittag wird Henderson bei einem Pressegespräch in Rüsselsheim über die Pläne für die Zukunft von Opel berichten. Der GM-Chef hatte bereits am Vortag in der Opel-Zentrale die Verhandlungen über einen neuen Sanierungsplan für den deutschen Autohersteller aufgenommen. Dazu führte er Gespräche mit dem scheidenden GM-Europachef Carl-Peter Forster und weiteren deutschen Managern.

Für den Standort Bochum, der lange auf der Streichliste des US-Konzerns stand, hat GM inzwischen ein neues Konzept erarbeitet. Insgesamt will der Autobauer die Fixkosten bei Opel um 30 Prozent senken. GM hofft weiter auf Staatshilfe und will dazu auch Gespräche mit der deutschen Bundesregierung führen. Hierzu hatte es zuletzt unterschiedliche Signale aus der Politik gegeben.

Sanierung könnte teurer werden

Dabei könnte die Sanierung teurer werden als bisher gedacht: Während GM selbst 3 Mrd. Euro veranschlagt, beziffert die US-Ratingagentur Moody's die Kosten auf deutlich mehr als 5 Mrd. Euro. GM verfügt nach Einschätzung von Moody's trotz der Milliardenhilfen der US-Regierung nicht über ausreichend Liquidität, um das eigene Geschäft und die Sanierung von Opel zu stemmen.

Und die Personaldiskussion geht weiter. Nach wie vor offen ist, welcher Manager nach einer Übergangsphase die Nachfolge Forsters antreten soll. Im Gespräch sind zahlreiche ehemalige deutsche Automanager. Am Wochenende hatte der Konzern versöhnliche Signale gesendet und erklärt, der Chefposten in Europa solle möglichst von einem Europäer besetzt werden, um die Spannungen zwischen dem US-Konzern und der europäischen Belegschaft abzubauen.

Magna hofft auf weitere Aufträge von GM

Der beim Ringen um Opel leer ausgegangene austrokanadische Zulieferer Magna hofft auf neue Aufträge der Rüsselsheimer. "Wir haben Aufträge von GM und es gibt keinen Grund, warum wir nicht auch neue erhalten sollten", sagte Magna-Co-Chef Siegfried Wolf dem "Handelsblatt". In den vergangenen Monaten habe sich eine gute Basis entwickelt, die eine Grundlage für gute Geschäfte sein könne.

Mit der Zukunft des Autobauers Opel beschäftigt sich auch der Thüringer Landtag in einer Sondersitzung. Sie war von der Fraktion Die Linke beantragt worden. Die Landesregierung soll die Abgeordneten über die Lage bei Opel und Möglichkeiten zum Erhalt des Werks in Eisenach informieren. Dort bauen rund 1.700 Mitarbeiter den Kleinwagen Corsa.

Magna-Vorstand Wolf will Kostenersatz

Der letztlich gescheiterte Versuch des kanadisch-österreichischen Zulieferers Magna, Opel zu übernehmen, hat das Unternehmen in der Größenordnung von 100 Mio. Dollar (66,7 Mio. Euro) gekostet. Der genaue Betrag sei noch nicht ausgerechnet, aber mit 100 Mio. Dollar an Kosten liege man nicht falsch, sagte Magna-Vorstand Siegfried Wolf auf eine entsprechende Frage der "ZIB2". Zwar sei er logischerweise enttäuscht über das Scheitern des Deals, nachdem ein Team von 40 bis 50 Leuten monatelang durchgearbeitet habe, um einen Abschluss zu erreichen. Aber Magna-Chef Frank Stronach habe die Devise ausgegeben, dass das Geschäftsleben weitergeht und es keinen Sinn mache, sich über die entgangenen Chancen den Kopf zu zerbrechen, sagte Wolf.

Wolf will jedoch in Gesprächen mit GM erreichen, dass der US-Konzern die bereits von Magna investierten Kosten ersetzt: "Es werden ja sehr viele Aufgaben weiter verwertet, da General Motors auf unserem Business-Plan aufbauen will", so der Firmenchef im Ö1-Interview. Den mit Opel angepeilten Markt Russland möchte Wolf trotzdem nicht aus den Augen lassen: "Wir kämpfen, wir stellen uns weiter auf diese große Herausforderung ein." Magna habe bereits einige Firmen, eine große sei im Bau. Russland ist laut Wolf weiter ein wichtiger Expansionsmarkt.

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