Das Rennen ist weiterhin offen

Studie: Opel kann nicht eigenständig bleiben

Alle drei Übernahmeangebote für Opel bieten einem Medienbericht zufolge schlechte Aussichten, den deutschen Autohersteller langfristig als eigenständige Marke am Überleben zu halten. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" auf eine Analyse der Investmentbank Lazard. Das vierseitige Papier erstellte die Bank im Auftrag der deutschen Bundesregierung.

In der Synopse würden die Offerten des Autozulieferers Magna, des Finanzinvestors RHJ und des bereits ausgeschiedenen chinesischen Autoherstellers BAIC verglichen. Die Investmentbanker seien in ihrer Analyse zu dem Schluss gekommen, dass mit den Konzepten von allen drei Anbietern die erforderliche Größe für einen eigenständigen Autohersteller "kaum erreichbar" sei.

Die Investmentbank berät die deutsche Regierung seit April bei ihren Verhandlungen im Opel-Bieterkampf. Das Papier habe als Grundlage für die Gespräche des Opel-Verhandlungsteams mit dem Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) gedient, die am Mittwoch im Berliner Kanzleramt stattfanden. Bei dem Vergleich habe allerdings keiner der Opel-Interessenten besonders gut oder schlecht abgeschnitten, berichtet das Blatt weiter. Die Banker favorisierten weder Magna noch RHJ, die beide noch im Rennen sind.

Magna favorisiert

Auffällig sei allerdings, dass der von der deutschen Bundesregierung und von den Ländern favorisierte Mitbieter Magna in der politischen Bewertung am besten abschneide. Der österreichisch-kanadische Autozulieferer habe ein "eigenständiges strategisches Konzept" und eine "gute Managementqualität". Es handle sich um einen Käufer, der "breite Unterstützung in Politik" und bei Arbeitnehmern genieße. Andererseits warnten die Berater von Lazard vor einem "Ausverkauf deutscher Technologie nach Russland" und hielten die von Magna geplante Eroberung des russischen Marktes für "unsicher".

Auch bei den anderen Anbietern hätten sich die Banker teilweise skeptisch gezeigt: Bei RHJ kritisierten sie die "hohe de-facto-Abhängigkeit von GM" und "sehr optimistische Wachstums- und Profitabilitätsannahmen". Bei dem chinesischen Konkurrenten BAIC fürchteten sie einen "Ausverkauf deutscher Technologie nach China und hielten den langfristigen Verbleib von Arbeitsplätzen in Deutschland für fraglich. In der Analyse seien ebenfalls die Finanzpläne verglichen worden. Danach verlange Magna das "höchste Staatsgarantievolumen" und bringe nur 100 Millionen Euro "echtes Eigenkapital" mit. Hier könne RHJ mit besseren Daten glänzen.

Betriebsrat kritisiert Studie

Der Opel-Betriebsratschef Klaus Franz verdächtigt das Berliner Wirtschaftsministerium, den Autobauer in die Insolvenz treiben zu wollen. "Hier liegt der Verdacht nahe, dass man mit deutschen Steuergeldern Gutachteritis betreibt, um Opel bewusst in die Insolvenz zu treiben", sagte Franz der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Franz sagte, er kenne die Untersuchung von Lazard nur aus den Medien. "Das gesamte Unternehmen Opel hat darüber keinerlei Erkenntnisse." Eine andere Studie habe zuvor dagegen schon dargelegt, dass Opel eine Perspektive habe. Franz hatte eine Insolvenz von Opel als Weg zu einem Neuanfang der General-Motors-Tochter stets abgelehnt. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte diese Option im Gegensatz zu anderen Regierungsvertretern dagegen immer wieder ins Spiel gebracht. Im Fall eine Insolvenz hätte General Motors praktisch kein Mitspracherecht mehr.

Bereits in dieser Woche könnte eine Entscheidung über Opel fallen. "Es wird sicher eine ereignisreiche Woche werden", sagte Franz. Er wisse aber noch nicht, ob ein Investor bereits den Zuschlag erhalte. "Wir brauchen einen Investor, wo wir eine langfristige Zukunft haben, wo wir Zugang zu globalen Märkten haben, wo wir ein hohes Maß an Eigenständigkeit haben", betonte Franz.

Rennen um Autobauer noch offen

Das Rennen um die Zukunft des traditionsreichen Rüsselsheimer Autobauers Opel ist nach offiziellen Angaben weiter offen. Es gebe keinerlei Vorfestlegung auf einen der verbliebenen Bieter, teilte die Opel-Treuhandgesellschaft mit. "Bisher haben die Verhandlungsführer von General Motors weder eine Empfehlung noch einen Antrag zu einer Entscheidung durch die Treuhandgesellschaft vorgelegt." Am Ende solle es ein Votum für das wirtschaftlich sinnvollste Zukunftskonzept geben.

Die frühere Opel-Mutter GM führt derzeit noch Verhandlungen mit dem Finanzinvestor RHJ und dem Zulieferer Magna. Der chinesische Autohersteller BAIC ist mittlerweile ausgeschieden. In dieser Woche soll es nun nach Informationen aus Verhandlungskreisen einen neuen Anlauf für eine Einigung im Verkaufsprozess geben. Die von Magna und RHJ eingereichten Angebote seien noch nicht ausverhandelt, hatte es jüngst geheißen.

In der deutschen Regierung sowie in den betroffenen Bundesländern gab es zuletzt trotz offener Punkte eine Präferenz für Magna. Diese wird aber nicht von den beiden Vertretern im Beirat der Opel-Treuhandgesellschaft geteilt, der letztlich über den Verkauf des Autobauers entscheidet.

Belegschaft gegen RHJ

Die Opel-Mitarbeiter versetzt dies in Unruhe. "Wir appellieren an die Bundesregierung und die betroffenen Landesregierungen, konsequent zu bleiben und die Übernahme von Opel durch RHJ abzulehnen", zitierte die "Frankfurter Rundschau" aus einer Resolution der Belegschaft. Die Mitarbeiter seien nicht bereit, für RHJ irgendwelche Opfer zu bringen. Dies würden sie nur tun, "wenn ein Investor dem Unternehmen eine Zukunft bieten kann und damit die echte Chance besteht, dass die Bundesbürgschaften nicht gezogen werden müssen".

Ablehnend äußerte sich auch der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel. "Es sieht so aus, als ob GM die Schmutzarbeit RHJI überlassen will und sich dann ins sanierte Unternehmen zurückkaufen möchte", sagte er der "Automobilwoche" im Hinblick auf die ehemalige Mutter General Motors.

Betriebsrat will Mitsprache

Der Gesamtbetriebsrat von Opel und die IG Metall haben die Unterstützung für einen Neustart des Autobauers von Mitspracherechten abhängig gemacht. Es sei nicht zu akzeptieren, dass die Beschäftigten bis zu 1,5 Milliarden Euro in das neue Unternehmen einbringen sollten, von den Entscheidungsprozessen aber ausgeschlossen seien, teilten Gewerkschaft und Betriebsrat nach einer Sondersitzung mit.

Bisherige Konzepte sehen vor, dass die Opel-Belegschaft zehn Prozent der Anteile an dem neuen Unternehmen übernehmen könnte. Der Betriebsrat und die Gewerkschaft formulierten dazu einen Forderungskatalog, der unter anderem den Zugang der Marke Opel zu allen wichtigen Weltmärkten verlangt.