Transfergesellschaft bei Karmann kommt

Nach wochenlangen Verhandlungen können 1.540 Mitarbeiter des insolventen Cabrio-Spezialisten Karmann aufatmen: Am späten Dienstagabend (30. Juni) stimmte der Gläubigerausschuss der Einrichtung einer Transfergesellschaft zu. Davon profitieren die Mitarbeiter, denen Karmann wegen der Aufgabe des Fahrzeugbaus am Stammwerk Osnabrück gekündigt hatte sowie 300 Beschäftigte, die im Zuge des Insolvenzverfahrens ihre Job verlieren. Das sagte der Chef der Osnabrücker IG Metall, Hartmut Riemann.

Die Mitarbeiter sind für ein halbes Jahr in der Transfergesellschaft, in der sie für den Arbeitsmarkt weiterqualifiziert werden sollen. Sie bekommen Transferkurzarbeitergeld in Höhe von 60 beziehungsweise 67 Prozent des zuletzt gezahlten Nettoeinkommens. "Die Höhe bestimmt sich danach, ob jemand Unterhaltszahlungen leisten muss oder nicht", erläuterte Riemann.

"Wir haben nun eine soziale Mindestabsicherung erreicht", sagte Betriebsratsvorsitzender Wolfram Smolinski. Insolvenzverwalter Ottmar Hermann will Karmann mit rund 1.500 Beschäftigten fortführen. Hermann sei es in "letzter Sekunde" gelungen, 15,5 Millionen Euro für die Transfergesellschaft sicherzustellen. Alle Möglichkeiten der Finanzierung seien ausgelotet und verhandelt worden, sagte Riemann.

Die Verhandlungen um eine Transfergesellschaft standen unter großem Druck, weil sie zum 1. Juli ihre Arbeit aufnehmen musste. Sonst wären die bereits gekündigten Mitarbeiter ohne weitere Abfederung arbeitslos geworden. Eigentlich sollte die Qualifikationsgesellschaft bereits im April ihre Arbeit aufnehmen. Das wurde durch die drohende Zahlungsunfähigkeit Karmanns kurz vor Ostern verhindert. Die Insolvenz hatte Karmann damals auch mit den Kosten für die Transfergesellschaft begründet.

Riemann äußerte nochmals Kritik an dem Autobauer Mercedes. Dieser habe Rechnungen an Karmann nicht bezahlt und damit die Gründung der Transfergesellschaft über lange Zeit blockiert. Das letzte Mercedes CLK-Cabrio war in der vergangenen Woche vom Fließband in Osnabrück gerollt. Damit endete die mehr als einhundertjährige Geschichte des Autobaus in Osnabrück. Künftig will sich Karmann auf Cabrio-Verdecke, die Fahrzeugentwicklung und den Werkzeugbau konzentrieren. Als Auftragsproduzent war Karmann Mitbewerber von Magna Steyr gewesen.