Börsianern reagieren verärgert

Yahoo verliert weiter Anschluss an Google

Der US-Internetkonzern Yahoo muss wegen sinkender Werbeeinnahmen herbe Umsatzeinbußen verkraften und verliert zum klaren Marktführer Google weiter an Boden. Nur dank Kostensenkungen schaffte das Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsquartal einen Gewinnzuwachs, der Analysten überraschte. Um verlorenes Terrain im Kampf der Internetsuchmaschinen zurückzugewinnen, will Yahoo nun ausgerechnet den Sparkurs wieder verlassen und verstärkt in Produkte und eigenes Marketing investieren, wie Konzernchefin Carol Bartz erläuterte. Für das dritte Quartal prognostizierte sie daher weiter schrumpfende Erlöse und einen Gewinnrückgang.

Ganz anders sieht die Lage bei Google aus, das vor wenigen Tagen auch in der Rezession beeindruckende Zuwächse bei Umsatz und Gewinn verkündet hatte. Experten gehen daher davon aus, dass Yahoo und der Softwareriese Microsoft möglicherweise doch einen erneuten Anlauf unternehmen, sich im Kampf gegen Google zu verbünden. Ob Gespräche beider Unternehmen dazu wieder fortgesetzt werden, wollte Yahoo-Chefin Bartz allerdings nicht verraten. Sie beließ es in einer Telefonkonferenz bei einem Lob für die neue Microsoft-Suchmaschine "Bing".

Nach Einschätzung von Fachleuten wäre ein Zusammenrücken von Microsoft und Yahoo wohl der einzige Weg, um an der Dominanz von Google unter den Internet-Suchmaschinen zu kratzen. Die Werbeumsätze von Yahoo schrumpften im zweiten Quartal um etwa 15 Prozent, der Konzernumsatz fiel somit um 13 Prozent auf 1,57 Mrd. Dollar (1,106 Mrd. Euro). Den Nettogewinn konnte das kalifornische Unternehmen hingegen um zehn Mio. auf 141 Mio. Dollar erhöhen. Dies entsprach einem Ergebnis je Aktie von zehn Cent, Analysten hatten nur mit acht Cent gerechnet. Damit ist Yahoo aber meilenweit von Google entfernt, das seinen Quartalsgewinn binnen Jahresfrist um 20 Prozent auf 1,48 Mrd. Dollar erhöhen konnte und einen Umsatzanstieg auf 5,5 Milliarden schaffte.

Mehr Geld für eigene Vermarktung und Produkte

Die Ankündigung von Yahoo-Chefin Bartz, in der Krise nun mehr Geld für eigene Vermarktung und Produkte ausgeben zu wollen, stieß Börsianern sauer auf, zumal der Erfolg von Marketingmaßnahmen für Webunternehmen unter Fachleuten umstritten ist. Für das laufende dritte Quartal prognostizierte die Nummer zwei im US-Suchmaschinenmarkt einen Gewinn aus den operativen Geschäftsaktivitäten zwischen 55 und 65 Mio. Dollar nach erzielten 76 Mio. Dollar im Zeitraum April bis Juni. Der Umsatz soll den Prognosen des Unternehmens zufolge zwischen 1,45 und 1,55 Mrd. Dollar liegen.

Sein Onlineangebot hat der Konzern jüngst einer Generalüberholung unterzogen. Seit Dienstag bietet Yahoo, zunächst nur auf dem US-Markt, eine neue Internet-Seite mit mehr Service an. Diese integriert erstmals soziale Internet-Netzwerke wie Facebook und Twitter. Zum Kerngeschäft nicht mehr passende Unternehmensteile will Yahoo unterdessen Kreisen zufolge abstoßen. Damit vertraute Personen sagten Reuters, dass die Internet-Seiten HotJobs und Yahoo Small Business zum Verkauf stehen.