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Pröll jubelt

EU nimmt Hedgefonds an die Leine

Die Europäische Union legt spekulative Hedgefonds an die Leine. Fondsmanager müssen sich künftig erstmals registrieren lassen und Risiken sowie Anlagestrategien offenlegen. Darauf einigten sich die EU-Finanzminister am Dienstag in Brüssel, berichteten Diplomaten.

Finanzminister Josef Pröll (V) jubelt über den Beschluss seiner 26 EU-Kollegen zur Regulierung der Hedgefonds. Nach dem EU-Finanzministerrat am Dienstag sagte Pröll, damit sei es gelungen, die "Hedgefonds-Manager an die Leine zu nehmen" und eine "klare Perspektive zu geben, dass es so nicht weitergehen kann". Der Beschluss sei "ohne Gegenstimme" erfolgt, obwohl niemand erwartet hätte, dass auch Großbritannien, das sich lange quer gelegt hatte, zustimme.

Zum Thema Finanztransaktionssteuer meinte Pröll, dass eine europäische Lösung nur die zweitbeste Möglichkeit wäre. Einen nationalen Alleingang sowie ein von Bundeskanzler Werner Faymann (S) gefordertes europäisches Referendum für eine solche Steuer hält er für nicht sinnvoll. "Eine europäische Finanztransaktionssteuer macht Sinn, die beste Lösung ist die globale Lösung, die zweitbeste eine europäische". Jedenfalls habe sich bei der Sitzung der Euro-Gruppe Montagabend niemand gegen eine derartige Steuer ausgesprochen. Mit nationalen Maßnahmen zu agieren, würde allerdings nur zu Transaktionsflucht und Kapitalflucht führen, warnte Pröll.

"Es bewegt sich"

Ein Beschluss für eine Einführung der Transaktionssteuer sei natürlich nicht gefasst worden. "Aber es ist klargestellt worden, dass wir das Thema voran bringen wollen. Wir sind am Beginn der Debatte, aber es bewegt sich" und dies sei "eine politische Botschaft". Die Finanztransaktionssteuer könnte laut Pröll auch als "Eigenkapitalquelle" der EU dienen, womit auch die Nettozahler entlastet werden könnten. "Wir steuern auf sehr schwierige Budgetdebatten ab 2011 zu".

Einen Gegensatz zur Bankenabgabe, die in Österreich beschlossen wurde, sieht Pröll nicht. Die koordinierten 500 Mio. Euro "stehen außer Streit". Was eine Börsenumsatzsteuer betrifft, meinte der Finanzminister, es gehe nun ums Sparen und "da rede ich nicht jeden Tag über neue Steuern". Bei einer Finanztransaktionssteuer würden jedenfalls nicht die Bankkunden erfasst.

Die Hedgefonds-Regelung ist für Pröll ein "Meilenstein". Es würden künftig die Frage der Standardisierung, der Ausbildung, die staatliche Kontrolle durch die Finanzmarktaufsichten geregelt. "Das ist eine Botschaft, der Spekulation entgegenzutreten". Immerhin umfasse der Hedgefonds-Bereich allein in Europa 2.000 Mrd. Euro an Vermögen, die nun erfasst würden.

Besserer Schutz für Anleger

Damit sei auch ein besserer Schutz für die Anleger gegeben. Technisch gebe es verschiedene Möglichkeiten der Ausarbeitung. Der Kompromissvorschlag sehe vor, dass bei Vermögen unter 500 Mio. Euro, die nicht über Leverage (Kredit) finanziert sind, und eine fünfjährige Kapitalbildung haben, ein opt-out möglich sei. Allerdings gebe es dann einen Euro-Pass. Wenn aus einem Drittstaat künftig Hedgefonds-Manager tätig werden wollen, brauche es dazu eine bilaterale Vereinbarung mit dem jeweiligen EU-Land. Dies bedeute aber nicht automatisch den Euro-Pass und ein Erkaufen der freien Bewegung.

Zu dem Treffen der Task Force kommenden Freitag - es sind dies die EU-Finanzminister unter dem Vorsitz des ständigen Ratspräsidenten Herman Van Rompuy - sagte Pröll, dabei werde Wirtschaftskommissar Olli Rehn seine Vorschläge für eine verstärkte Wirtschaftsführung in der EU erörtern. "Für mich ist klar, dass es einen besseren Durchgriff und Eingriffsmöglichkeiten geben muss. Es kann nicht angehen, dass wir laufend zuschauen, wie tolle Budgets präsentiert werden, und im Budgetvollzug wird dargestellt, wohin das Defizit läuft und die Eingriffsmöglichkeiten sind begrenzt. Da haben wir ein Jahr verloren". Deshalb sollte man hier auch mit neuen Indikatoren eine neue Qualität schaffen. "Wir träumen nicht davon, dass eine Harmonisierung eines einheitlichen Wirtschaftsraums schon unmittelbar bevor steht". Jedenfalls sei ihm nicht bekannt, dass vor der für 14.00 Uhr am Freitag angesetzten Task Force auch ein neuerliches Treffen der Euro-Finanzminister geplant sei. Was die künftige Empfehlung der EU-Kommission für einen Beitritt Estlands zur Eurozone betrifft, sagte Pröll, es sei zu früh, eine genaue Einschätzung vorzunehmen.

Stichwort Hedgefonds

Schon nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers hatte die Politik das Wirken von Hedgefonds als mitursächlich ausgemacht. Die G-20-Staaten haben deshalb beim Weltfinanzgipfel Mitte November 2008 eine stärkere Kontrolle der bisher praktisch unbeaufsichtigten Anlageform beschlossen. Geschehen ist bisher nichts.

Hedgefonds verfolgen hochriskante Strategien, die im Erfolgsfall auch sehr hohe Gewinne versprechen. Sie nutzen alle möglichen Derivate, um Gewinne sowohl in steigenden als auch fallenden Märkten zu erzielen.

Ein typisches Modell sind Leerverkäufe, bei denen große Aktienpakete gegen Provision von Fondsgesellschaften oder Banken ausgeliehen und an der Börse verkauft werden. Das drückt in der Regel den Kurs. Zu den dann niedrigeren Bewertungen kaufen die Hedgefonds die Papiere zurück und reichen sie an Bank oder Fondsgesellschaft weiter.

Wesentliches Element ist zudem die weitgehende Finanzierung solcher Geschäfte durch Kredite. Durch den so erzielten Hebel- oder Leverage-Effekt wird der mögliche Gewinn noch weiter erhöht, allerdings auch das finanzielle Risiko für die Anleger beim Scheitern der Spekulation erheblich vergrößert.

Hedgefonds sind häufig in Finanzoasen angesiedelt. Auf beispielsweise den Kaiman-Inseln oder den Bermudas nutzen sie niedrige Steuern und lockere Kapitalmarktregeln. Ihre Manager freilich sitzen an den Finanzplätzen New York und London. Anleger sind vor allem Institutionen wie Pensionsfonds, Lebensversicherungen oder Stiftungen, aber auch wohlhabende Privatleute.

Schätzungen zufolge verwalten Hedgefonds derzeit ein weltweites Anlagevolumen von mehr als 1,9 Bill. Dollar (1.539 Mrd. Euro). In der ersten Finanzmarktkrise nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers war das Volumen auf etwa 1,5 Bill. Dollar gesunken, hat sich nach Umfragen unter anderem der Credit Suisse inzwischen aber wieder erhöht.

In Deutschland dürfen wegen des hohen Risikos für Anleger nur sogenannte Dach-Hedgefonds öffentlich vertrieben werden. Single-Hedgefonds ist dieser Vertriebsweg untersagt, sie dürfen zwar an Privatanleger verkauft werden, jedoch nur im Wege der sogenannten Privatplatzierung.