Europas Börsen schließen mehrheitlich tiefer

Die exorbitanten Gewinne vom Wochenstart waren nur vorübergehend. Denn "die Märkte haben das Vertrauen in die EU und den Euro verloren", so ein Stratege.

Einen Tag nach dem Höhenflug wegen des EU-Rettungspakets sind die europäischen Börsen am Dienstag wieder mehrheitlich in die Verlustzone abgerutscht. Als Grund nannten Börsianer die Tatsache, dass der milliardenschwere Auffangschirm für notleidende Euro-Länder nicht von einem Tag auf den anderen alle Probleme beseitigen könne.

Vertrauen verloren

"Die Märkte haben das Vertrauen in die EU und den Euro verloren", sagte Stratege Jim Wood-Smith von Williams de Broe. Solange das Vertrauen nicht zurückkehre, werde die schwankungsfreudige Phase andauern. Negativ wirkte sich auch einmal mehr der Kurs des Euro aus, der nach einem zwischenzeitlichen Höhenflug weiter nachgab.

Der Euro-Stoxx-50 verlor 1,03 % auf 2.730,48 Punkte. In Paris gab der CAC-40 um 0,73 % auf 3.693,20 Punkte nach. Der Londoner FT-SE 100 sank um 0,99 % auf 5.334,21 Punkte - und das, obwohl die Industrieproduktion in Großbritannien im März so stark gestiegen war wie seit knapp acht Jahren nicht mehr.

Finanzwerte fielen

Gehörten Finanzwerte zum Wochenauftakt noch zu den Gewinnern, mussten sie am Dienstag im Zuge der allgemeinen Ernüchterung Verluste hinnehmen. Der Stoxx-Branchenindex verlor 1,66 %. In Paris sanken Papiere der Credit Agricole um 2,28 % auf 10,51 Euro, in London fielen Royal Bank of Scotland (RBS) um 3,38 % auf 49,08 Britische Pence zurück.

In der Schweiz verloren Papiere der Credit Suisse nur moderate 0,95 % auf 47,89 Schweizer Franken. Mit 0,74 % im Plus bei 34,25 Franken bewegten sich indes Aktien der Privatbank Julius Bär, sie profitierten von Aussagen zur Geschäftsentwicklung. Das Institut hatte mit Blick auf die ersten vier Monate 2010 von einem Anstieg des verwalteten Vermögens um 14 % berichtet. Marktbeobachter sagten, dass die Eckdaten im Rahmen der Erwartungen gewesen seien.

Rückläufige Metall- und Ölpreise machten indes Aktien von Bergbaukonzernen zu schaffen. Xstrata gaben 3,85 % auf 1.031,12 Pence ab, und Vedanta verloren 3,92 % auf 2.452,38 Pence.

Der spanische Telekomkonzern Telefonica kann derweil erst einmal nicht wie geplant das brasilianische Mobilfunkunternehmen Vivo komplett übernehmen. Das liegt daran, dass der andere Anteilseigner Portugal Telecom das 5,7 Mrd. Euro hohe Gebot zurückwiesen hatte. Die Titel des spanischen Unternehmens büßten satte 7,33 % auf 15,94 Euro ein und lagen damit abgeschlagen am Ende des Euro-Stoxx 50.

Quartalszahlen veröffentlicht

Darüber hinaus standen Unternehmenszahlen im Fokus der Anleger. Bei dem dänischen Brauereikonzern Carlsberg war der operative Gewinn im ersten Quartal zwar um 7 % zurückgegangen, doch das Unternehmen hatte dennoch die Erwartungen von Analysten übertroffen. Den Titeln brachte das ein Plus von 2,10 % auf 456,30 Dänische Kronen ein.

Für Papiere von Tui Travel ging es um 3,79 % auf 248,90 Pence bergab. Der britische Reiseveranstalter konnte im Ende März ausgelaufenen ersten Geschäftshalbjahr trotz eines rückläufigen Umsatzes zwar seinen saisontypischen Verlust leicht verringern. Allerdings trübt die Vulkanasche-Wolke aus Island die Gewinnaussichten für das zweite Halbjahr.

Deren Auswirkungen führten auch dazu, dass der Billigflieger Easyjet seine Jahresziele für den Gewinn nach unten schraubte. Entsprechend gaben die Aktien um 4,23 % auf 423,93 Pence nach. Dem negativen Sog konnten sich auch Papiere anderer Fluggesellschaften nicht entziehen. So verloren British Airways 1,77 % auf 200,45 Pence und Air France-KLM 1,37 % auf 10,45 Euro.

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