RZB-Chef Rothensteiner

Erste Merger-Details

Fusion RZB-RI soll im Juli fixiert werden

Die Chefs von Raiffeisen Internaional (RI) und der Raiffeisen Zentralbank (RZB) haben ihren Willen zur Fusion bekräftigt. Den RI-Anlegern wurde eine "Wahrung der Aktionärsinteressen" zugesichert, allerdings gab es einen Wermutstropfen: Die Bank kürzt für 2009 die Dividende pro Aktie von 93 (2008) auf 20 Cent.

Im Sommer sollen die Hauptversammlungen die Beschlüsse zur rechtsgültigen Verschmelzung fällen. Die ordentliche Hauptversammlung (HV) der RI wurde auf den 8. Juli verschoben. Sie wird in der Stadthalle abgehalten. Die HV der RZB findet aus heutiger Sicht ebenfalls im Juli statt.

Wer wen schluckt, steht nächste Woche fest

Wer bei der Raiffeisen-Fusion wen schluckt, ist nach Vorstandsangaben noch nicht geklärt. Im Markt war zuletzt davon die Rede, dass die RZB in die börsenotierte Tochter Raiffeisen International (RI) eingebracht wird. Immer noch steht aber auch die umgekehrte Form im Raum.

Dazu RZB-Chef Walter Rothensteiner: "Wir haben zwei Varianten: Die Fusion nach unten oder die Fusion nach oben. Das wird sich nächste Woche entscheiden." In beiden Fällen aber würde das "Zentralinstitut Österreich" nach oben abgespaltet.

Die Frage, wie die Fusion ablaufen wird, werde nächste, spätestens übernächste Woche entschieden. "Da gibt es jede Menge rechtlicher Vorschläge, es gefährdet die Geschichte aber nicht". Jede der Varianten habe Vor- und Nachteile.

Nach derzeitiger Rechnung machte es steuerlich keinen Unterschied, ob man nach oben oder nach unten fusioniere. Fest steht, dass die gesellschaftsrechtliche Wiedervereinigung rückwirkend per 1. Jänner erfolgen wird.

Kapitalerhöhung ist nicht angedacht

Dass sich die Anleger sofort nach der Fusion auf eine Kapitalerhöhung einzustellen haben, sei nicht der Fall, so die Banker heute. "Wir setzen die Aktion nicht auf, um rasch und unmittelbar zu Kapital zu kommen", so Rothensteiner. In welcher Größenordnung die Fusion den bisher mit knapp 30 % bezifferten Streubesitz verwässert, wurde nicht gesagt. Hinweise auf Bewertungen und Austauschverhältnisse wurden peinlichst vermieden.

"Es wird ein ordentlicher Streubesitz überbleiben", sagte Rothensteiner. Es brauche keiner Sorge haben, dass es am Schluss nur mehr 3 % seien.

Die Raiffeisen-Bankengruppe will man mittelfristig mit rund 70 % als Aktionäre in der fusionierten Bank erhalten. Wenn man sich aber die neuen Basel-III-Eigenkapitalvorschriften ansehe, wisse man nicht, was alles auf die Beteiligten zukomme, gab Rothensteiner zu bedenken. Mit Basel III werde freilich mehr Kapital notwendig sein. "Das heißt aber nicht, dass wir uns bei der nächsten Kapitalerhöhung unter 70 % fallen lassen", fügte er hinzu.

Stepic Chef, Sevelda Vize, Rothensteiner AR-Chef

Der bisherige RI-Vorstandschef Herbert Stepic wird Vorstandsvorsitzender der fusionierten Bank, sein Vize wird Karl Sevelda. Vorstandschef der (nicht von der Fusion betroffenen) vorgelagerten Eigentümerholding für Sektor-Aufgaben und Beteiligungen wird Rothensteiner sein. Rothensteiner wird damit auch Aufsichtsratspräsident der Fusionsbank.

Der Risikomanager Johann Strobl wird RI-Vorstand und dazu der einzige Vorstand sein, der in beiden Häusern vertreten sein wird. Bis auf Rainer Franz, der in Pension geht, werden alle bisherigen Vorstände in der neuen Struktur im Amt bleiben. In der Fusionsbank sind es dann 8 Vorstände.

Stepic: "Wir sind sehr gut aufgestellt, haben eine Super-Marke. Was sich ändert: Dass es de facto eine Holdingbank gibt, die an die Stelle der RZB tritt und statt Raiffeisen International - jetzt Holding ohne Banklizenz - die neue Fusionsbank, die börsenotiert ist." Die Kosten der Fusion werden keinen dramatischen Umfang erreichen, sagte Rothensteiner.

Für das Jahr 2009 schüttet die RI eine Dividende aus, allerdings wird die Ausschüttung reduziert. Für die Aktionäre gibt es 20 Cent je Aktie, nach 93 Cent im Jahr davor.

Der bisherige RI-Chef und künftige Chef der Fusionsbank Herbert Stepic wurde heute gefragt, wie lang er an der Spitze der Bank stehen werde. Er bleibe solange an Bord, meinte Stepic, solange diese Flotte unter Volldampf fahre. Solange es die Aktionäre wollen, wird er zur Verfügung stehen. "Wenn ich mit 60 in Pension gegangen wäre, hätte ich die "unheimlich" interessante Krise nicht erlebt."

Ein deklariertes Personalabbauprogramm gibt es bei RI zwar nicht mehr, aber auch 2010 werden weitere Stellen abgebaut, um die Effizienz zu steigern. RI-Finanzchef Martin Grüll geht davon, dass sich mit den Road Shows in den nächsten Tagen die Stimmung an den Märkten wieder beruhigt.

Erste Eckpunkte: Was die fusion für die Bilanz bringt

Eine völlig neue Bankengruppe wird mit der Fusion nicht entstehen, sagt RZB-Chef und RI-Aufsichtsratschef Walter Rothensteiner in einer Mitteilung mit RI-Boss Herbert Stepic. Hervorgehoben wird in den erstmals vorgelegten Unterlagen der Banken zur Fusion der "direkte Kapitalmarktzugang" und ein "stabiles und ausgeglichenes Funding". Mit der Verschmelzung von RI und RZB erwarten sich die Initiatoren zwischen 60 und 115 Mio. Euro Synergien im Jahr. Die Bankenchefs sehen nach der Transaktion einen "sofortigen Ertragsanstieg".

Zum erhofften "substanziellen" Synergiepotenzial der fusionierten Bank heißt es, dass an Zusatzerträgen rund 50 bis 100 Mio. Euro jährlich drinnen sind.

Beispiele: Stärkeres Cross-Selling und mehr Handels- und Exportfinanzierung in Osteuropa. Das soll sich entsprechend im Vorsteuergewinn niederschlagen.

An Kosteneinsparungen werden 10 bis 15 Mio. Euro pro Jahr veranschlagt. Operationelle und organisatorische Doppelgleisigkeiten sollen verschwinden. Zusätzliches Kostensynergiepotenzial werde durch IT-Konsolidierungen und gemeinsam genutzte Leistungen erwartet.

Die Kernkapitalquote der fusionierten Bank wird pro Forma mit 9,2 % angegeben, die Core-Tier-1-Ratio mit 8,3 %. Mit einem Kernkapital von 8,5 Mrd. Euro und Eigenmitteln von mehr als 12 Mrd. Euro wäre die fusionierte Bank "gut kapitalisiert", das Risiko breiter gestreut.

Die fusionierte Bank hätte zudem nur ein geringes Minderheitskapital (Minorities) von 759 Mio. Euro als Teil ihres Tier-1-Kapitals. "Die fusionierte Bank würde anstreben, ein angemessenes Rating beizubehalten".

Für das Zustandekommen der Fusion ist in beiden Häusern eine 75-Prozent-Stimmrechtsmehrheit erforderlich. Die Beschlüsse werden für Juli erwartet.

Die genauen Austauschverhältnisse ermitteln gerade zwei unabhängige Wirtschaftsprüfer. Die RZB hat dazu BDO als Gutachter, RI beauftragte Deloitte. Ein gerichtlich bestellter Verschmelzungsprüfer soll dann die Angemessenheit beurteilen und bestätigen.

Pro-Forma-Finanzdaten der fusionierten Bank 2009:

Bilanzsumme

146,48 Mrd. Euro

Zinsüberschuss

3,36 Mrd. Euro

Kreditvorsorgen

2,25 Mrd. Euro

Vorsteuergewinn

825 Mio. Euro

Überschuss nach Steuern

568 Mio. Euro

Return on Equity (n. St.)

6,5 Prozent

Cost-Income-Ratio (CIR)

52,5 Prozent

Risk/Earnings-Ratio

66,8 Prozent

Dreistellige Millionenabschreibung in der Ukraine

Der Gewinn je RI-Aktie ist - wegen hoher Abschreibungen in den von Konjunktureinbrüchen getroffenen Ländern des Ostens - von 6,39 Euro auf 99 Cent gesunken. Dennoch hat die Bank mit ihren Zahlen die Analystenerwartungen übertroffen. Weiter regiert hat der Sparstift. Tiefrot beendete die Tochterbank in der Ukraine das Jahr.

Nach teuren Kreditabschreibungen auf Kredite in der Konzernbilanz (IFRS) waren auf lokaler Ebene noch "Impairments" zu verkraften: Im Detail eine Firmenwertabschreibung in der Ukraine (Raiffeisen Bank Aval) in Höhe von 270 Mio. Euro. Wertberichtigungen und Vorsorgen auf faule Kredite belasteten die Bank in Kiew mit 500 Mio. Euro. Fast ein Viertel der Kundenkredite im Ukraine-Geschäft ist notleidend.

Nach Bankangaben traf diese 270-Mio.-Firmenwertabschreibung allerdings nur den Einzelabschluss von Raiffeisen International (UGB-Bilanz), nicht die nach IFRS erstellte RI-Gruppenergebnisrechnung, weil die ukrainische Währung kräftig abgewertet hat. Und die Währungseffekte belasteten das Eigenkapital. Die Buchung erfolgte damit gegen das Kapital. In der IFRS-Ergebnisrechnung schlug sich diese Abwertung demnach nur in einem um 11 Mio. reduzierten Buchwert nieder.

Die Ukraine-Tochter, seit 2005 im Konzern, ist die viertgrößte Bank des krisengeschüttelten Landes. Ende 2009 hatte sie 4,8 der insgesamt 15,1 Mio. Kunden des ganzen RI-Konzerns.

In der Ukraine-Bank arbeiteten 15.200 Mitarbeiter in 953 Filialen. 181 Filialen wurden zuletzt geschlossen, fast 2.000 Jobs abgebaut. Die Kundenkredite beliefen sich auf 4,4 Mrd. Euro - bei einer Bilanzsumme von knapp 5 Mrd. Euro.

Die notleidenden Kredite in der Ukraine-Tochter wuchsen 2009 um 172 % auf 1,041 Mrd. Euro. Die Wertberichtigungen und Vorsorgen für faule Kredite mussten um fast 200 % auf 499 Mio. Euro aufgestockt werden. Den Krediten standen nach Institutsangaben Einlagen von Kunden von 2,3 Mrd. Euro gegenüber.

Ende 2009 erhöhte Raiffeisen das Kapital in der Ukraine-Tochter um 73 Mio. Euro. Von der EBRD gab es nachrangige Kredite über 150 Mio. Dollar. Die Bank Aval schloss laut heutiger Bilanz das Jahr 2009 mit einem Nettoverlust von 160 Mio. Euro.

Die vorgelegten Bilanzzahlen von RZB und RI waren zum Großteil bereits bekannt: Um 95 % auf 2,247 Mrd. Euro aufgestockt hat der RZB-Konzern seine Kreditrisikovorsorgen. Davon entfiel der Löwenanteil auf die Vorsorgen bei der RI. Bei RI sind die Risikovorsorgen für Kredite massiv auf 1,738 Mrd. Euro gestiegen - ein Zuwachs um 123 %. Die Bank hat aber auch Kredite verkauft, was Erträge brachte.

Der Nettogewinn der RI brach wegen der Kreditvorsorgen um mehr als 78 % auf 212 (Vorjahr: 982) Mio. Euro ein (Jahresüberschuss nach Minderheiten). Der ganze RZB-Konzern vermeldete (bisher vorläufig) 2009 einen Nettogewinn von 433,4 Mio. Euro, nach einer "schwarzen Null" von 47,7 Mio. Euro im ersten Finanzkrisenjahr 2008.

Weitere Kennzahlen: Die RZB-Bilanzsumme sank im Jahresabstand leicht um 5,7 % auf 147,9 Mrd. Euro. Bei der RI gab es einen Rückgang um 10,7 % auf 76,3 Mrd. Euro. RI meldet beim Betriebsergebnis einen Rückgang um 8,5 % auf 2,056 Mrd. Euro. Es waren die letzten getrennten Bilanzen vor Fusion zur neuen "Raiffeisen Bank International".

Weitere RI-Details: Die Cost/Income Ratio besserte sich auf 52,5 % (-1,5 Prozentpunkte), der Return on Equity vor Steuern sank allerdings wegen der Wertberichtigungen ganz kräftig um 16,3 Prozentpunkte auf 5,7 %. Kosten wurden reduziert, vor allem der Personalaufwand sank um 17 %.

Die durchschnittliche Anzahl der Mitarbeiter des Konzerns (Vollzeitäquivalent) sank 2009 um 2 % oder 1.268 auf 60.186. Die Zahl der Mitarbeiter belief sich zum 31. Dezember 2009 auf 56.530. Zum Vergleich: Zum Ultimo 2008 waren es noch 63.376 Mitarbeiter. Dies bedeutet einen Rückgang um 6.846 Beschäftigte oder 11 %.