EZB rechnet mit moderatem Wachstum der Wirtschaft

EU-Einigung zu Griechenland beflügelt Euro

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Die Einigung der EU auf einen Hilfsplan für Griechenland hat den Euro am Freitag auf Erholungskurs geschickt. Die Gemeinschaftswährung kletterte knapp über 1,34 Dollar nach 1,3278 Dollar im späten US-Handel. "Der gute Aspekt an der Einigung ist: Nach langem Hickhack gibt es wenigstens irgendeine Einigung", schrieben die Analysten der Commerzbank in einem Kommentar.

In den vergangenen Tagen hatte die Unsicherheit über den angeschlagenen Euro-Mitgliedsstaat den Euro auf ein Zehn-Monatstief gedrückt. Die Euro-Staaten hatten sich am Donnerstag beim EU-Gipfel in Brüssel auf einen Notfallplan geeinigt, der Griechenland bei Bedarf Zugang zu Krediten des IWF und bilateralen Krediten der Euro-Staaten verschafft.

Die Beteiligung des IWF hält Devisenexperte Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus für sinnvoll: "Dort gibt es sehr gut ausgebildetes Personal und Kompromisse können möglicherweise schneller gefunden werden, was auch nötig ist, wenn es für Griechenland hart auf hart kommt." Er sieht für den Euro nun weiteres Potenzial nach oben. "Vor allem wenn sich der Fokus der Investoren wieder auf die schleppend laufende Erholung der Wirtschaft in den USA richtet, was dann den Dollar drücken würde."

Andere Analysten gehen hingegen nicht von einer nachhaltigen Erholung des Euro aus. Sie kritisierten vor allem das Krisenmanagement der EU. Der Prozess bis zur Einigung sei quälend langsam und mühsam gewesen, monierten die Commerzbank-Analysten. "Letztendlich hat Europa damit wieder einmal mangelnde politische Handlungsfähigkeit bewiesen - und damit erneut klar gemacht, dass der Euroraum kein optimaler Währungsraum ist."

Ein anderer Devisenexperte sieht durch das Hickhack die Glaubwürdigkeit der Währungsgemeinschaft beschädigt. "Eine rasche Festigung des Euro halten wir daher für wenig wahrscheinlich." Zudem werde das Thema Staatsverschuldung die Märkte noch lange Zeit beschäftigen. Dabei könnten auch Portugal, Italien, Irland oder Spanien in den Fokus rücken.

An den Anleihemärkten entspannte sich die Lage für das verschuldete Griechenland weiter. Der von Investoren geforderte Risikoaufschlag für griechische Staatsanleihen verringerte sich im Vergleich zu den entsprechenden Bundespapieren auf 309 Basispunkte von 320 Basispunkten im späten Donnerstagsgeschäft.

Gleichzeitig gingen die Kosten für die Versicherung griechischer Staatsanleihen gegen Zahlungsausfall zurück. Die Prämie zur Absicherung von 10 Mio. Euro griechischer Schulden verringerte sich auf 307.300 Euro von 311.000 Euro zum New Yorker Vortagesschluss. Der Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, gab elf Ticks auf 122,77 Punkte nach.

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