Ex-Banker übergibt Daten an Wikileaks

40 Politiker im Fokus

Ex-Banker übergibt Daten an Wikileaks

Unter den brisanten Daten sollen sich auch Unterlagen über Österreicher finden.

Ein ehemaliger hochrangiger Manager der Schweizer Privatbank Julius Bär wird am Montag die Finanzdaten von 2.000 vermögenden Kunden seines früheren Arbeitgebers in London an Wikileaks übergeben, berichten die britischen Zeitungen "Guardian" und "Observer" in ihrer Sonntagausgabe.

Unter den Daten sollen laut Bericht auch jene von rund 40 Politikern sein. Auch österreichische Staatsangehörige sollen sich in dem Datensatz finden.

"Whistleblower" vor Gericht
Rudolf Elmer, der Aufdecker ("Whistleblower"), muss sich nächste Woche vor einem Schweizer Gericht u.a. wegen versuchter Nötigung und Verletzung des Bankgeheimnisses verantworten. Er rechtfertigt sich damit, dass  Reiche, multinationale Konzerne und Finanzinstitutionen das Bankgeheimnis missbrauchten, um Steuern zu hinterziehen - er wolle mit der Veröffentlichung "zur Erziehung der Gesellschaft beitragen".

Daten von den Cayman Islands
Elmer hatte in leitender Stellung für eine Julius Bär-Filiale auf den Cayman Islands gearbeitet. In mehreren Fällen soll er der Bank anonym Emails geschickt und darin mit der Veröffentlichung gedroht haben. Einmal soll er für die Rückgabe der Daten 50.000 Dollar gefordert haben, ein anderes Mal, dass die Bank jegliche Aktionen gegen ihre Mitarbeiter stoppe, womit er in erster Linie sich selber meinte. Auf seiner Website berichtet er davon, wie ihm die Bank Stalker auf den Hals gehetzt habe, um ihn zum Schweigen zu bringen.

Laut Anklage soll er zudem Drohfaxe und Drohmails an Verwaltungsratsmitglieder und leitende Angestellte geschrieben haben. Auch eine Bombendrohung gegen die Filiale an der Zürcher Bahnhofstrasse soll von ihm gekommen sein.

"Wikileaks war meine letzte Hoffnung"
Elmer, der am Montag öffentlichkeitswirksam Daten an Wikileaks übergeben will, hat die Enthüllungsplattform schon 2007 beliefert. "Wikileaks war meine letzte Hoffnung", sagte er in einem "Tages-Anzeiger"-Interview vom Dezember 2010. Er habe seit Jahren versucht, im Alleingang Missbräuche aufzudecken. Wikileaks habe ihn davor bewahrt, als psychisch Kranker gebrandmarkt und beiseitegeschoben zu werden.

Bei der neuerlichen Datenübergabe an Wikileaks am Montag in London soll Wikileaks-Gründer Julian Assange an der extra dafür einberufenen Pressekonferenz per Videoeinschaltung teilnehmen.