Günstigere Renditen

EZB-Maßnahmen greifen langsam

Spanien leiht sich günstig Geld, auch Italien zahlt weniger Zinsen.

Spanien: 3,6 Milliarden geborgt
Spanien hat sich erneut Milliarden-Summen geliehen und konnte Investoren mit deutlich niedrigeren Renditen ködern als zuletzt. Das hoch verschuldete Land verkaufte am Dienstag Geldmarktpapiere und sammelte dabei rund 3,6 Mrd. Euro ein. Geplant war eine Spanne von 2,5 bis 3,5 Mrd. Euro. Bei der Auktion von Bonds mit drei Monaten Laufzeit fiel die durchschnittliche Rendite kräftig auf 0,946 von 2,43 Prozent im Juli. Die Rendite bei Sechs-Monats-Papieren sank auf 2,026 Prozent von 3,69 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat mit ihrer Ankündigung, alles Erforderliche zum Erhalt des Euro zu tun, dazu beigetragen, dass Spaniens Refinanzierungskosten abgenommen haben.

Harsche Sparpolitik
Spanien hat bereits wegen seiner angeschlagenen Banken Finanzhilfen beantragt. Die Euro-Partner haben dafür ein Paket über 100 Mrd. Euro in Aussicht gestellt. Dennoch gilt das Land als ganzes weiter als Kandidat für den Euro-Rettungsschirm. Denn Spaniens Wirtschaft steckt tief in der Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt sank die vergangenen drei Quartale in Folge. Im Frühjahr gab es ein Minus von 0,4 Prozent zum Jahresbeginn, wie das nationale Statistikamt nach endgültigen Berechnungen mitteilte. Dies ist auch ein Ergebnis der harschen Sparpolitik, mit der die Regierung in Madrid das Vertrauen der Finanzmärkte zurückgewinnen will.

Auch Italien zahlt weniger Zinsen
Die Erwartung eines von der EZB angekündigten Anleihekaufprogramms hat Italien deutlich günstigere Konditionen am Anleihemarkt beschert. Die Rendite lag bei einer Auktion von Nullzinsanleihen mit einer Laufzeit von zwei Jahren bei 3,064 Prozent, teilte die italienische Schuldenagentur am Dienstag in Rom mit. Bei der letzten vergleichbaren Auktion am 26. Juli wurde der Zuschlag bei einer Rendite von 4,86 Prozent erteilt.

Die Nachfrage nach den neuen Nullzinsanleihen stieg den Angaben zufolge. So war die Auktion 1,95-fach überzeichnet (26. Juli: 1,78-fach). Mit der Auktion nahm Italien 3,0 Mrd. Euro auf und erreichte damit das anvisierte Maximalziel.

EZB will Staatsanleihen aufkaufen
Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hatte Anfang August angekündigt, kurzlaufende Staatstitel von Ländern wie Italien und Spanien aufkaufen zu wollen. Die Einzelheiten will die EZB erst noch ausarbeiten. Voraussetzung sei jedoch, dass die Länder Hilfe aus dem europäischen Rettungsmechanismus ESM oder EFSF in Anspruch nehmen und entsprechende Auflagen erfüllen.

Am Devisenmarkt reagierte der Euro mit Kursgewinnen auf die Versteigerung in Italien. Die Gemeinschaftswährung konnte die frühen Gewinne weiter ausbauen und erreichte ein Tageshoch bei 1,2551 Dollar.