Hannover_Rueck

Hannover Rück verdoppelt Quartalsgewinn

Der Rückversicherer Hannover Rück hält auch nach einem überraschend hohen Gewinnsprung Vorsicht für das oberste Gebot. Obwohl sich der Überschuss im zweiten Quartal verdoppelte, will der Vorstand nicht schon wieder höhere Zielmarken für das Gesamtjahr ausgeben.

"Der Gewinnsprung ist maßgeblich durch die Entwicklung an den Kapitalmärkten geprägt", sagte Finanzvorstand Roland Vogel. Diese könne auch wieder die Richtung ändern. Mit einem Wiedereinstieg in Aktien will das Management bis Jahresende warten.

Index-Abstieg droht

Der Rückversicherer war erst im März für Infineon in den DAX aufgestiegen. Inzwischen stehen die Hannoveraner wieder vor dem Abstieg in den MDAX. Wegen des zuletzt rasanten Kursgewinns steht ausgerechnet das Papier des angeschlagenen Halbleiterunternehmens Infineon wieder vor der Rückkehr in den DAX.

Mit ihrem Gewinnsprung im zweiten Quartal übertraf die Hannover Rück deutlich die Erwartungen. Der Überschuss verdoppelte sich auf 203 Mio. Euro, während Branchenexperten im Schnitt nur 161 Mio. Euro erwartet hatten. In den ersten sechs Monaten verdiente die Hannover Rück damit 419 Mio. Euro und damit schon mehr als zwei Drittel des geplanten Jahresgewinns von mindestens 600 Mio. Euro. Das Unternehmen liege "gut im Plan", um die geplante Eigenkapitalrendite von mindestens 18 Prozent zu erreichen, sagte der neue Vorstandschef Ulrich Wallin.

Kapitalanlagen verdienen mehr

Zu dem Gewinnsprung im zweiten Quartal trug vor allem das auf 371 Mio. Euro verdoppelte Kapitalanlageergebnis bei. Auch das operative Ergebnis legte um 90 Prozent auf 294 Mio. Euro zu. Bei den Kapitalanlagen profitierte die Hannover Rück von der Beruhigung der Kapitalmärkte. So hätten sich die Renditezuschläge bei den Unternehmensanleihen erholt, sagte Finanzvorstand Vogel. Nachdem dies der Hannover Rück im Vorjahr Verluste beschert habe, seien im abgelaufenen Quartal Buchgewinne zu verbuchen gewesen.

Seine Prämieneinnahmen steigerte der Konzern sowohl wegen eines organischen Wachstums als auch wegen der Übernahme des Lebensversicherungsportfolios der ING im zweiten Jahresviertel um 38,5 Prozent auf 2,6 Mrd. Euro zu. Die verdienten Nettoprämien stiegen um 36,7 Prozent. Im Gesamtjahr sollen die Nettoprämien weiterhin um 25 Prozent zulegen.

Krise sorgt für Zahlungsausfälle

Im laufenden Geschäft bekommt auch die Hannover Rück die Wirtschaftskrise in Form zunehmender Firmeninsolvenzen zu spüren. Die Kredit- und Kautionsversicherung muss infolge von Zahlungsausfällen öfter einspringen. Dennoch werde das Geschäftsfeld im Gesamtjahr voraussichtlich keinen nennenswerten Verlust erwirtschaften und nahe Null abschließen, sagte Finanzvorstand Vogel. Zudem registriert er in der Schaden-Rückversicherung insgesamt steigende Preise, auch wenn diese in einigen Bereichen noch nicht zufriedenstellend ausgefallen seien.

In der gesamten Schaden-Rückversicherung konnte die Hannover Rück im zweiten Quartal Schäden und Verwaltungskosten gerade noch durch Prämieneinnahmen decken. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote verschlechterte sich von 97,1 auf 98,9 Prozent. Auf das Halbjahr gerechnet, verbesserte sie sich jedoch von 98,4 auf 97,1 Prozent. Sowohl die Schaden- als auch die Lebensrückversicherung konnten ihren Gewinn deutlich steigern.