Hohe Staatsverschuldung belastet Rentenmärkte 2010

Die steigenden Budgetdefizite in den wichtigsten Industrieländern - Spitzenreiter sind Großbritannien, Japan und die USA - werden im kommenden Jahr abermals zu massiven Emissionen von Staatsanleihen führen. Gemeinsam mit der anhaltend hohen Nachfrage nach Unternehmensanleihen werde dies die internationalen Rentenmärkte belasten und zu steigenden Renditen führen.

Dies prognostizieren die Kapitalmarktexperten der Erste Group. Die USA werden 2010 rund 1.400 Mrd. Dollar Staatsanleihen neu auf den Kapitalmarkt bringen, die Euroländer rund 600 Mrd. Euro. Dazu sollten noch rund 200 Mrd. von auf Euro lautende Unternehmensanleihen kommen.

"Die hohen Budgetdefizite lassen höhere Renditen von Staatsanleihen erwarten", meint Alihan Karadagoglu vom Credit Research der Erste Group. Dadurch dürfte sich auch der Renditeabstand zwischen Staatsanleihen und Unternehmensanleihen weiter einengen.

Im 3. Quartal sei der Spread von Baa-gerateten Corporates zu Staatsanleihen bereits von zuvor 530 auf rund 270 Basispunkte geschrumpft. Für Rückschlagspotenzial könnten aber die noch hohen ausstehenden Abschreibungen im Bankensektor sorgen. 1.500 Mrd. Dollar stünden noch aus, 1.300 Mrd. Dollar seien bereits erledigt.

Rekord an Euro-Unternehmensanleihen

Bereits 2009 hat ein Rekordvolumen an Euro-Unternehmensanleihen von bisher 284 Mrd. Euro gebracht. Österreichische Unternehmen nahmen 5,1 Mrd. Euro auf, Unternehmen aus CEE rund 3,5 Mrd. Euro. Und die Nachfrage werde anhalten: "Es befinden sich schon mehrere geratete und nicht-geratete Unternehmen in unserer Neuemissions-Pipeline", so der Experte.

In ihrem aktuellen Ausblick gehen die Erste-Analysten generell davon aus, dass sowohl in den USA als auch in der Eurozone die Rezession bereits beendet werden konnte. Die Lage am Arbeitsmarkt werde trotzdem vorerst 2010 und 2011 belastet bleiben, sagte Gudrun Egger, Income-Analystin der Erste Group. Einen weiteren positiven Effekt für die wirtschaftliche Erholung sieht sie in der fortgeschrittenen Lagerbereinigung. Somit sei wieder von steigenden Produktionszahlen und positiven BIP-Beiträgen auszugehen.

In der weiteren Wachstumsdynamik sehen die Erste-Experten regionale Unterschiede. In den USA werden Vermögensverluste und die hohe Arbeitslosigkeit den privaten Konsum, der mit 70 % Anteil die wichtigste BIP-Komponente darstellt, gering halten. In der Eurozone, wo die Außennachfrage die Hauptkomponente für Wachstum ist, sollten die Exporte aber nur moderat steigen.

In Zentral- und Osteuropa dürften sich Tschechien, Polen, die Slowakei und Ukraine schneller erholen, Kroatien, Ungarn, Rumänien und Serbien sich dagegen erst später erholen. Alle diese Länder sollten aber 2010 die Rezession verlassen.

Eurozone wächst langsamer

Das US-BIP wird nach Schätzungen der Erste 2010 um 1,8 % und 2011 um 2,3 % wachsen, nach einem Rückgang in 2009 um 2,5 %.
Die Eurozone sollte langsamer wachsen, für 2010 werden 0,7 % und für 2011 dann 1,4 % erwartet, nach -3,9 Prozent in diesem Jahr.
Die Inflation dürfte in beiden Wirtschaftsräumen keine große Rolle spielen, erste Leitzinserhöhungen werden frühestens im dritten Quartal 2010 in den USA erwartet, ein Quartal später erst in der Eurozone - auf 1,25 %. In Osteuropa werde die Entwicklung unterschiedlich sein, heißt es, in Ungarn und Rumänien werden die Zinsen weiter fallen, in Tschechien und Polen dagegen langsam steigen.

Auf der Währungsseite sollte der US-Dollar weiter unter den Risiken einer expansiven Geld- und Fiskalpolitik leiden. Seit September 2008 - also vor der Lehman-Pleite - hat sich die Bilanzsumme der Fed etwa von 888 Mrd. auf derzeit 2.189 Mrd. Dollar mehr als verdoppelt, jene des EZB-Systems stieg von rund 1.450 auf derzeit 1.760 Mrd. Euro, in der Spitze lag sie bei 2.000 Mrd. Euro. Im Vergleich mit den andren Hauptwährungen Dollar, Franken und Yen wird dem Euro mehr Potenzial bei Veranlagungen zugetraut.