MEL-"Kronzeuge" Staller verdiente zuvor mit Meinl

Neue Details zu den laufenden Ermittlungen in der Causa Meinl veröffentlicht das Wirtschaftsmagazin "Format": Der ehemalige Meinl-European-Land-Kapitalmarktbeauftragte Rupert-Heinrich Staller gelte als "Kronzeuge" der Anklage.

Stallers unter Eid getätigte Zeugenaussage vom 22. April 2008 sei ein wesentlicher Grund für die Razzien bei der Meinl Bank im Februar 2009 und den Haftbefehl gegen Julius Meinl im April sowie die danach verhängte Kaution von 100 Mio. Euro gewesen, heißt es im Magazin. Vor der Aussage, als Staller noch Vertrauter des Bankers gewesen war, habe er über Jahre hinweg von der Meinl Bank Vermittlungsprovisionen erhalten und Beratungsmandate innegehabt, dabei habe Staller ein "Millionenvermögen" verdient.

Funktion überraschend niedergelegt

Staller war als MEL-Kapitalmarktbeauftragter vom 23. August bis 13. November 2007 tätig. Nach nicht einmal 3 Monaten hatte er damals die Funktion überraschend niedergelegt. Staller habe seine "Aufgaben abgeschlossen" und "im Einvernehmen mit dem Board der MEL seine Tätigkeit beendet", teilte der damalige Meinl-Bank-Pressesprecher im November 2007 mit.

"Eine Meinungsverschiedenheit über seine MEL-Entschädigung dürfte Staller motiviert haben, vor den Behörden auszupacken", heißt es nun im Magazin-Bericht. Staller hatte allerdings kein Honorar für seine Tätigkeit verlangt oder bekommen. In den fast 3 Monaten als Kapitalmarktbeauftragter der MEL kamen Spesen und Rechtsberatungskosten von 53.100 Euro zusammen, die sich Staller refundieren habe lassen, so das "Format".

Stallers Beschreibung des MEL-Masterminds finde sich im Haftbefehl, so das "Format": "Letztendlich war die Ultima Ratio (letzte Instanz) Julius Meinl V. Das habe ich auch von ihr (Anm.: Meinl-Angestellte Nadine Gilles) persönlich erfahren". Die Meinl Bank widerspricht dem. Für Julius Meinl, gegen den wegen Verdachts auf Untreue und Betrug ermittelt wird, gilt die Unschuldsvermutung.