Mikro-Finanzierer Oikocredit legte deutlich zu

Die auf die Vergabe von Mikrokrediten spezialisierte Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit hat das Krisenjahr 2009 nicht nur unbeschadet überstanden, sondern konnte sogar stark zulegen. Das Volumen der weltweit vergebenen Kleinstkredite an Arme stieg um 8 % auf 394 Mio. Euro, in Österreich erhöhte sich das vergebene Kapital sogar um 65 % auf 15,2 Mio. Euro.

"Ich habe in meinem Leben schon einige Bilanzen präsentiert, aber die Bilanz und die Zahlen, die ich Ihnen heute vorlege, sind die erfolgreichsten, die ich je präsentiert habe", sagte der Chef der Oikocredit Austria, der ehemalige Generaldirektor der RLB NÖ-Wien, Peter Püspök.

Die Anzahl der Anleger bei der Non-Profit-Organisation Oikocredit stieg in Österreich um fast die Hälfte auf 1.660 und hat in den ersten drei Monaten 2010 um weitere 13 % zugenommen. Das veranlagte Kapital betrug Ende März 18 Mio. Euro. "Damit sind wir derzeit die am schnellsten wachsende und stärkste Bank in Österreich", sagte Püspök - der Eigenkapital-Anteil der Oikocredit liege bei 90 %.

Der Mikrofinanz-Markt blieb von der Finanzkrise weitgehend verschont - weltweit gebe es etwa 100 Mio. Kreditnehmer und ein geschätztes Kreditvolumen von 50 Mrd. Dollar, berichtete der Mikrokredit-Experte Klaus Gabriel von der Universität Wien. Auf die Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit entfallen rund 17,5 Mio. der insgesamt von der Branche vergebenen Kreditverträge.

Für die Anleger stehe nicht die Rendite im Vordergrund, betonte Püspök. "Mikrokredite sind ein wichtiger Bestandteil im Kampf gegen die Armut, wenn auch kein Allheilmittel." Die Verzinsung sei daher mit maximal 2 % gedeckelt, und dieser Prozentsatz sei auch seit etwa 20 Jahren unverändert. Praktisch funktioniere die Veranlagung so, dass die Kapitalgeber - ab 200 Euro ist man dabei - Genossenschaftsanteile erwerben, die sie jederzeit wieder zurückgeben und ihr Geld zurückbekommen können. Das auf diese Weise eingesammelte Geld wird dann in Form von Kleinstkrediten - typischerweise zwischen 50 und 1.500 Dollar - an Leute in Asien, Afrika, aber auch zunehmend in Osteuropa, vergeben.

Die Höhe der Kreditzinsen hänge von den in dem jeweiligen Land üblichen Zinsen ab und könne auch 30 oder 40 Prozent betragen, erklärte der Finanzexperte und Vorstand von Oikocredit International, der Holländer Ben Simmes. Dass es auch immer mehr Mikrokredit-Unternehmen gebe, die auf möglichst hohe Renditen aus seien, hält er für eine "gefährliche Entwicklung", das sei nicht im Sinne der Erfinder. In einigen Gebieten gebe es sogar Konkurrenz zwischen den Mikrofinanz-Instituten, die einander Kunden abwerben würden - es komme sogar zu Mikrofinanz-Blasen und Marktbereinigungen.

Die Kreditausfallsrate ist laut Püspök sehr niedrig: Lediglich 2 % der Kreditforderungen mussten im Vorjahr abgeschrieben werden. Laut Gabriel gibt es aber "Hinweise, dass dieser Prozentsatz bei anderen Instituten weit höher ist".