Börsen atmen auf

Notenbanken fluten Märkte mit Dollars

EZB, Fed & Co beschließen zusätzliche Dollartender, Start Mitte Oktober.

Der nächste Coup der Notenbanken im Kampf gegen die Vertrauenskrise an den Märkten: Die wichtigsten globalen Zentralbanken machen den Dollar-Geldmarkt in Europa bis ins kommende Frühjahr wetterfest. Banken bekommen bei Bedarf so viele Dollars wie sie wollen. Am Finanzmarkt sorgt die gemeinsame Aktion von EZB, Fed & Co. für ein Kursfeuerwerk. Vor allem den Bankenwerten tat die Nachricht gut.

Euro und Börsen sind am Donnerstagnachmittag nach einer gemeinsamen Aktion der wichtigsten Notenbanken zur Bereitstellung zusätzlicher Dollar-Kredite nach oben gesprungen. Die Europäische Zentralbank (EZB) will in Kooperation mit der US-Notenbank Fed, der Bank of England, der japanischen Notenbank und der Schweizer Nationalbank den Banken der Eurozone zusätzliche Dollar-Kredite gewähren. Damit soll der Bedarf an US-Dollar bis zum Jahresende gedeckt werden.

Der Kurssprung des Euro in Reaktion auf die Maßnahmen zeige ein gewisses Vertrauen in die Währung und die gemeinsame Notenbank-Aktion, was den Aktienmarkt direkt mit nach oben gezogen habe. Ein Börsianer sagte: "Auf so einen Impuls hat der Markt gewartet und nun löst sich in einer Bärenmarktrally einiges nach oben auf. Die Aktion ist gut für den Bankensektor und lindert die Not vor allem der französischen Banken. Auch sorgt die Gemeinsamkeit der Notenbanken für Vertrauen." Wichtig sei, dass die Banken nun mehr Planungssicherheit hätten mit der günstigeren Ausgestaltung der Tender.

Die Europäische Zentralbank habe entschieden, in Koordination mit den Zentralbanken aus den USA, Großbritannien, Japan und der Schweiz in den kommenden drei Monaten Banken drei Mal zu einem festen Zinssatz mit Dollars auszustatten, teilte die EZB am Donnerstag mit.

Die beteiligten Notenbanken werden im Oktober, November und Dezember jeweils drei Monate laufende Dollar-Refinanzierungsgeschäfte auflegen. Diese ergänzen die bereits seit Mai 2010 laufenden wöchentlichen Dollar-Tender. Die erste Geldmarktoperation beginnt Mitte Oktober und läuft bis Anfang Jänner. Der dritte und letzte Tender endet dann Anfang März. Alle drei Geschäfte würden zum Festzins bei voller Zuteilung an alle teilnehmenden Banken abgewickelt.

Börsen atmen auf
Am Finanzmarkt sorgte der Coup der Notenbanker für steigende Kurse vor allem von Finanztiteln. An der Pariser Börse verteuerten sich die Aktien von BNP Paribas sogar um 22 Prozent. Societe Generale und Credit Agricole zogen um 10 Prozent an. In Frankfurt ging es für das Papier der Deutschen Bank ebenfalls um 10 Prozent nach oben. In Wien notierten Erste Group am Nachmittag um 4,7 Prozent und Raiffeisen Bank International um 5 Prozent höher, zuvor waren die beiden österreichischen Bankaktien heute nur leicht im Plus gelegen.

Hintergrund der Aktion der führenden Notenbanken waren Refinanzierungsprobleme einiger europäischer Banken am Dollar-Interbankenmarkt. Dollar waren zuletzt in Europa Mangelware, vor allem französische Geldhäuser hatten dem Vernehmen nach öfter Probleme. Der Hauptgrund für die Dollar-Knappheit: Zahlreiche US-Geldmarktfonds hatten sich wegen der Börsenturbulenzen seit dem Sommer zuletzt aus Europa zurückgezogen. Damit wurde es für viele hiesige Banken zunehmend schwieriger sich zu refinanzieren. Aus Frankreich hatte es immer wieder geheißen, dass es keine Probleme gebe. Deutsche Banken kamen angeblich in der Masse stets an ausreichend Dollar.