Warnstreik Verdi Deutschland

Im öffentlichen Dienst

Streiks legen deutsche Flughäfen lahm

Auch in Österreich kann es wegen des Konflikts zu Verzögerungen kommen.

Im Kampf um höhere Löhne im öffentlichen Dienst hat die Gewerkschaft Verdi am Dienstagmorgen mit Warnstreiks den Betrieb an den großen deutschen Flughäfen erheblich gestört. Am Frankfurter Flughafen legte um 5.00 Uhr morgens ein Teil des Bodenpersonals die Arbeit nieder. Ein Flughafensprecher schätzte, dass allein dort mehr als 500 Flüge ausfallen werden. Die Streiks sollten bis zum frühen Nachmittag anhalten und dürften Zehntausende Flugreisende betreffen, die sich auch noch danach auf Ausfälle und Verspätungen einstellen müssen. "Die Auswirkungen werden sich noch bis morgen hinziehen", sagte der Sprecher. Laut der Internetseite des Flughafens Wien fallen mindestens acht Flüge am Dienstagfrüh und -vormittag von Wien nach Frankfurt aus (Stand: Dienstag, 9.45 Uhr).

Den aktuellen Flugplan vom Flughafen Wien finden Sie hier

Betroffen sind auch die Flughäfen in Frankfurt/Main, Köln/Bonn, Düsseldorf, München, Stuttgart, Bremen und Hannover. Allein Deutschlands größte Fluggesellschaft Lufthansa wollte rund 400 der normalerweise über 1.800 Flüge ausfallen lassen. Inlandsreisende können Züge der Deutschen Bahn nutzen. Für die rund zwei Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen fordert die Gewerkschaft Verdi 6,5 Prozent mehr Geld. Die deutschen Flughäfen sind zu großen Teilen im Besitz der öffentlichen Hand.

Am Frankfurter Flughafen ist es bereits der zweite Streik in diesem Jahr. In einem anderen Tarifkonflikt hatten die Vorfeld-Beschäftigten im Februar mit Unterbrechungen zwei Wochen lang mehrmals die Arbeit niedergelegt.

Fernzüge als Alternative
Für Inlandsflüge stünden erneut die Fernzüge der Deutschen Bahn als Alternative bereit, teilte Lufthansa am Montag mit. Dafür müssten die Flugtickets auf die Bahn umgebucht werden. Das gehe über die Online-Buchungssysteme wie auch an jedem Lufthansa-Schalter oder Automaten. Ähnliche Maßnahmen hat auch die zweitgrößte deutsche Fluglinie Air Berlin ergriffen.

"Unser Ziel ist es ausdrücklich nicht, den gesamten Flugverkehr zusammenbrechen zu lassen", erklärte der zweite Vorsitzende der dbb-Tarifunion, Willi Russ, am Montag. "Vielmehr wollen wir mit gezielten Nadelstichen dafür sorgen, dass die Tarifverhandlungen, die am 28. März 2012 in Potsdam fortgeführt werden, möglichst zu einem Abschluss kommen."

Inwiefern sich der Streik auf den Flugverkehr in Köln/Bonn auswirke, war am frühen Dienstagmorgen nach Angaben eines Flughafen-Sprechers zunächst unklar. Bis zum angekündigten Streikende um 10.00 Uhr seien 130 Starts- und Landungen im Personen- und Frachtverkehr geplant.

Streikwelle droht
Bei einem Arbeitskampf könnte auf Deutschland eine Streikwelle von Beschäftigten der Metallindustrie, des öffentlichen Dienstes, der Banken und der Telekom zurollen. Am Montag hatte ver.di-Chef Frank Bsirske in Stuttgart angekündigt, dass in diesem Fall in den verschiedenen Branchen "Verabredungen getroffen werden, gemeinsam sichtbar zu werden". Wenn die Tarifparteien für ihre Bereiche keine Lösung am Verhandlungstisch fänden, könnte es im Mai zu konzertierten Aktionen kommen.

Zu geringes Angebot
Das bisherige Angebot der Arbeitgeber von 3,3 Prozent mehr Gehalt auf zwei Jahre lehnte Bsirske ab. "3,3 Prozent wären selbst für 12 Monate zu wenig, geschweige denn für 24", sagte er. Die Gewerkschaften fordern für die rund zwei Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst 6,5 Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro.