Vienna Insurance Group

Verdacht auf interne Sabotage

Turbulenzen bei rumänischer VIG-Tochter

Ex-Chef soll mit eigenem Firmengeflecht VIG um Millionen erleichtert haben.

Die Vienna Insurance Group (VIG) soll in Rumänien von einem - mittlerweile ehemaligen - Chef der Versicherungstochter Omniasig um Millionen gebracht worden sein, berichteten rumänische Medien und der "Falter". Mit überhöhten Rechnungen für Leistungen von eigenen Firmen an die VIG-Töchter habe er in die eigene Tasche gewirtschaftet, lauten die Vorwürfe. Dem "Falter" zufolge muss sein Handeln "mit der VIG-Spitze abgestimmt gewesen sein - oder dieser zumindest bekannt". Dies ist ein "lokales Thema", erklärte ein VIG-Sprecher am Mittwoch der APA. Man habe die Vorwürfe intern geprüft, aber "keine Hinweise gefunden". Zu den Vorwürfen könne aus VIG-Sicht nur der Ex-Omniasig-Chef selbst Stellung nehmen.

VIG-Manager Rudolf Ertl sagte zum "Falter", die Vorwürfe seien "vollkommen unrichtig, es hat offensichtlich keine Malversationen gegeben". Auch der ehemalige rumänische VIG-Manager wies jede Schuld zurück.

Konkret geht es um den Gründer der Omniasig Constantin Toma, der bis Ende Juni 2011 noch der Geschäftsführer der seit 1995 bestehenden Versicherung war. Er gehört zu den bekanntesten Persönlichkeiten auf dem rumänischen Versicherungsmarkt und macht nun der VIG laut rumänischen Medienberichten mit seiner eigenen Versicherungsfirma "Platinum" Konkurrenz. Mehreren Presseberichten zufolge soll der ehemalige Offizier des kommunistischen Geheimdiensts "Securitate" infolge eines jahrelangen Interessenkonflikts und interner Sabotage die VIG geschädigt haben.

Wie die Zeitung "Ziarul National" berichtete, soll Toma ein unüberschaubares Firmen-Netzwerk um die Omniasig aufgebaut haben, von denen einige unter seinem, andere unter dem Namen seiner Ehefrau oder anderer Verwandter angemeldet waren. Als ein Beispiel wird die Firma Claim Expert GIE genannt, die Schadensbewertungen für die von der VIG kontrollierten Versicherungen Omniasig und Asirom durchführt. Das Gebäude in dem sich der Firmensitz von Claim Expert befindet, sei von der Firma Griro gemietet worden, an der der Ex-Omniasig-Chef selbst beteiligt ist. Für die Renovierung und Einrichtung habe Claim Expert die Firma Artefix Construct beauftragt, eine Baufirma der Ehefrau des ehemaligen VIG-Mitarbeiters.

Auch die Ausstattung und Logistik - von Computern bis hin zu Firmenautos - habe Claim Expert bei Firmen von Toma gemietet, zu Preisen, die den durchschnittlichen Marktwert weit überschritten. Laut Informationen von "Ziarul National" zahlte Claim Expert Mitte 2009 1,3 Mio. Euro für die Miete seiner Firmenautos, obwohl der Kaufpreis nur bei 1 Mio. Euro gelegen sei. Die Autos wurden von der Firma Abela Rent gemietet, die bis kurz vor Vertragsabschluss ebenfalls der Frau des Ex-VIG-Managers gehört hatte. Laut "Ziarul National" ergab dieses Geflecht für den Ex-Omniasig-Chef und seine Familie einen Gewinn von 600.000 Euro. Medien berichteten von weiteren Malversationen.

Die VIG erklärt den Abgang des Omniasig-Chefs mit der eingeleiteten Fusion der rumänischen Töchter Omniasig und der BCR. Im Gespräch mit dem "Falter" wies der ehemalige Omiasig-Chef alle Vorwürfe zurück. Er hätte dazu beigetragen, dass "die rumänische Versicherungsbranche nach der Revolution überhaupt wieder von den Toten auferstanden" sei.

Auch wirtschaftlich ist die VIG in Rumänien unter Druck geraten: Im ersten Quartal rutschte der Versicherer mit einem Verlust von 5 Mio. Euro in die Verlustzone, während  im ersten Quartal 2010 ein Gewinn von 7,4 Mio. Euro erzielt wurde. Die Einnahmen gingen um 2 Prozent auf 144,5 Mio. Euro zurück, und die Combined Ratio lag bei "sehr unbefriedigenden" 110 Prozent, so die Quartalsmitteilung. Vertreten ist die VIG in Rumänien mit vier Gesellschaften: Neben der Omniasig auch mit Asirom sowie der BCR Leben und BCR Sach.

Ganz abgebrochen sind die Verbindungen zwischen Toma und VIG aber nicht: Seine Versicherungsfirma "Platinum" hat sich in 209 Omniasig-Filialen mit je zwei Quadratmetern eingemietet und zwar über die Teilnahme an einem Firmenkonsortium, das verpflichtende Naturkatastrophen-Polizzen zur Verfügung stellt, berichten rumänische Medien. Zudem soll er im August noch offiziell aus dem VIG-Konzern verabschiedet werden.