voestalpine will kein Kredit-Rating

Verschuldung gesenkt

voestalpine will kein Kredit-Rating

Finanzchef Ottel: Rating wäre "eine Beschränkung in der Handlungsfähigkeit".

Der oberösterreichische Stahlkonzern voestalpine hat nach wie vor kein Kredit-Rating und will auch keines: "Der Grund ist, dass ein Rating einen in der unternehmerischen Freiheit bei Entscheidungen einschränkt; da ist es uns lieber, der Investor betrachtet uns selbst", sagte Finanzchef Robert Ottel. Ein Rating wäre "eine Beschränkung in der Handlungsfähigkeit".

Schlechtere Konditionen für Kredite erwartet
Die voestalpine will sich bei Finanzierungen künftig unabhängiger von Bankkrediten machen. "Wir versuchen tendenziell, mehr über den Kapitalmarkt zu finanzieren und weniger am Kreditmarkt", sagte Ottel am Mittwoch vor Journalisten. Der Bankensektor werde in den kommenden Jahren eher restriktiv sein, um seine Eigenkapitalhinterlegungspflicht infolge der Basel-III-Vorschriften zu erfüllen. Durch die Regulative, welche die Banken nun umsetzten müssen, dürften die Konditionen für Kredite schlechter werden, erwartet Ottel.

"Basel III"

Wie berichtet müssen Kreditinstitute ihre Geschäfte nach der Finanzmarktkrise mit mehr eigenem Kapital unterfüttern als bisher. Diese neuen Regeln, welche die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G-20) im November beim Treffen in Seoul abgesegnet haben, werden unter dem Begriff "Basel III" zusammengefasst. Damit soll zum einen das Risiko der Bankengeschäfte eingedämmt werden, zum anderen will man die Institute für Kosten neuer Krisen stärker in die Pflicht nehmen. "Auf dem Kreditmarkt wird es tendenziell eine Verknappung geben", so der voestalpine-Finanzchef.

Derzeit finanziert sich das Unternehmen noch zu 55 % aus Bankkrediten. 20 %  entfallen auf eine siebenjährige Hybridanleihe, die 2007 mit einem Volumen von 1 Mrd. Euro zur teilweisen Refinanzierung der Böhler-Uddeholm-Übernahme platziert wurde, 10 % auf Schuldscheindarlehen, 8 % auf eine Unternehmensanleihe und 7 % auf privat platzierte Anleihen. Die voestalpine baut mit Anleihen "aus Sicherheitsgründen" zusätzliche Liquidität auf. "Wir wollen unser Tilgungsprofil verändern", bekräftigte Ottel.

Nettoverschuldung gesenkt
Die Nettoverschuldung des Stahlkonzerns liegt bei derzeit bei 2,874 Mrd. Euro. 2008/09 hatten die Linzer Stahlkocher noch 3,762 Mrd. Euro Nettoschulden - eine Folge der rund 3,7 Mrd. Euro teuren Übernahme des Edelstahlkonzerns Böhler-Uddeholm. Mittlerweile wurde der Schuldenstand bereits um fast 1 Mrd. Euro zurückgefahren. "Wir haben uns auch im Krisenjahr deutlich entschuldet", so Ottel. Zum Halbjahr 2010/11 lag die Eigenkapitalquote bei 34,9 %.

Die voestalpine hatte die Investitionen im Jahr 2009/10 angesichts der Krise gegenüber dem Jahr davor von 1,079 Mrd. Euro auf 543 Mio. Euro halbiert sowie den Lagerbestand und die Forderungen reduziert. "Heuer im ersten Halbjahr wurden nur noch 170 Mio. Euro investiert - das ist noch immer diese krisenbedingte Bremsspur."