Weniger Arbeitslose und Beschäftigungsrekord

Arbeitsmarkt

Weniger Arbeitslose und Beschäftigungsrekord

Der Dezember brachte einen 3,4%-Rückgang bei Jobsuchenden.

Zugleich gibt es einen Beschäftigungsrekord, teilte das Sozialministerium am Sonntag mit.

So waren Ende Dezember 302.279 Menschen auf Jobsuche, um 10.492 oder 3,4 Prozent weniger als vor einem Jahr. In Schulungen des Arbeitsmarktservice gemeldet waren 61.348 Menschen, um 7.504 (10,9 %) weniger als zwölf Monate davor. Die Arbeitslosenquote nach nationaler Berechnung fiel um 0,4 % auf 8,2 %.

Parallel dazu gab es 28.890 offene Stellen, das waren um 5.207 (22 %) mehr als ein Jahr davor. Die Beschäftigung hat um rund 60.000 auf 3.262.000 unselbstständig aktive Beschäftigte zugelegt (plus 1,9 %) laut Sozialministerium bedeutet dies einen Beschäftigungsrekord. 87.000 Personen oder fast 30 % aller Arbeitslosen haben dabei bereits einen fixen Arbeitsplatz in Aussicht (Einstellzusage).

Weniger Jobsuchende
Nimmt man Arbeitslose und Schulungsteilnehmer als Jobsuchende zusammen, so gab es österreichweit einen Rückgang um 4,7 % oder 17.996 Personen auf 363.627. Dabei ist die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen in allen Bundesländern außer Wien gefallen, die Summe der Jobsuchenden hat aber in allen Bundesländern abgenommen. Denn in Wien gab es Ende Dezember 3.550 vorgemerkte Arbeitslose mehr als vor einem Jahr, in Schulung waren aber 4.034 Menschen weniger.

Im Burgenland, Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark, Tirol und Vorarlberg sind Arbeitslose und Schulungen zurückgegangen. In Kärnten und Salzburg gab es zwar einen leichten Anstieg bei den Schulungen, dieser fiel aber geringer aus als der Rückgang bei den vorgemerkten Arbeitslosen. In allen Bundesländern außer im Burgenland gab es im Dezember 2010 mehr offene Stellen als im Dezember 2009.

Rückgang bei Männern stärker
Bei Männern ist der Rückgang an vorgemerkten Arbeitslosen mit 4,3 % (Minus 8.786) auf 193.585 deutlicher ausgefallen als bei Frauen (Minus 1,5 % auf 108.694). Auch gab es bei Inländern einen Rückgang um 4,7 % auf 238.345, während bei Ausländern ein Anstieg um 2,1 % auf 63.934 verzeichnet wurde. Bei Jugendlichen belief sich der Rückgang auf 6,4 %, 46.112 Personen zwischen 15 und 24 Jahren waren arbeitslos gemeldet. Obwohl die Zahl der unselbstständig Beschäftigten über 50 Jahren um 4,2 % (27.000) auf 670.000 stieg, nahm auch die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen in dieser Altersklasse um 1,1 % (675) auf 62.226 zu. Die Arbeitslosenquote der älteren Menschen lag damit mit 8,5 % leicht über der gesamten Arbeitslosenquote (8,2 %).

Weniger Langzeitarbeitslose
Einen massiven Rückgang von 30,2 %(2.578 Personen) auf 5.946 Betroffene gab es bei den Langzeitarbeitslosen. Die durchschnittliche Verweildauer in der Arbeitslosigkeit fiel um zwei auf 81 Tage. Nach Branchen gab es in der Warenproduktion das stärkste Minus (22,4 %), gefolgt vom Handel (7,1 %), der Arbeitskräfteüberlassung (2,3 %) und dem Tourismus (1,9 %). Anstiege gab es im Gesundheits- und Sozialwesen (7,1 %) und im Bau (1,0 %).

Mehr Lehrstellen
Die Zahl der Lehrstellensuchenden ging im Jahresabstand um 3,2 % (171 Personen) auf 5.144 zurück, dem standen 2.960 offene Lehrstellen gegenüber, um 4,7 % mehr als ein Jahr davor. Die Lehrstellenlücke ging damit um 303 auf 2.184 zurück.

Reaktionen
Sozialminister Rudolf Hundstorfer (S) verwies in seiner Reaktion auf die international niedrige Arbeitslosigkeit. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner zeigte sich erfreut, warnte aber vor möglichen Turbulenzen am Finanzmarkt oder Konjunktur-Abkühlung in den Exportmärkten. ÖGB und Arbeiterkammer forderten mehr Qualität in der Arbeitsmarktpolitik, FPÖ-Sozialsprecher Herbert Kickl warnte vor einer Öffnung des Arbeitsmarktes für Bürger aus ehemals osteuropäischen EU-Staaten.

Birgit Schatz, ArbeitnehmerInnensprecherin der Grünen kritisierte, das viele der neuen Jobs nur Teilzeitbeschäftigungen in Niedriglohnbranchen seien. "Dieses Problem sollte Sozialminister Hundstorfer in Angriff nehmen, statt Monat für Monat über die Realität verschleiernde Statistiken zu jubeln" so Schatz. Der jüngste Einkommensbericht zeige, dass es keinen Grund gebe, sich zufrieden zurückzulehnen.

BZÖ-Generalsekretär Christian Ebner schreibt, "der Rückgang bei den Arbeitslosenzahlen ist kein Verdienst der Regierung, sondern nur der internationalen Konjunktur - insbesondere der Deutschen - zu verdanken". Der Aufschwung sei nicht selbsttragend, "die ÖVP-SPÖ-Belastungspolitik mit massiven Steuererhöhungen ist eine echte Gefahr für den zarten Aufschwung". Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl wiederum lobt die heimischen Betriebe als "Top-Job-Performer". Die guten Zahlen zeigten, dass "Österreichs Unternehmen in der Krise richtig und sozial verantwortungsbewusst gehandelt haben"