Nach Übernahme

Das wird neu für Hervis-Kunden

Nach dem Kauf stellt Investor Sven Voth eine neue Strategie auf: Was die Kunden künftig erwartet. 

In den vergangenen Jahren lief es nicht gut für Hervis – der Sporthändler schwitzte unter den neuen Marktbedingungen und fuhr 2023 und 2024 mehr als 100 Millionen Euro Verlust ein. Jetzt soll das Geschäft völlig neu aufgestellt werden.
Mega-Deal. Der Salzburger Handelskonzern Spar hat sich nach mehr als 50 Jahren von seiner Sporthandelstochter Hervis getrennt.
Die neuen Eigentümer sind der deutsche Investor und Snipes-Gründer Sven Voth und Udo Schloemer, Gründer der Factory Berlin.

Voth übernimmt alle Mitarbeiter

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Klar ist: Mit dem Verkauf hat Spar die Reißleine bei der defizitären Tochter gezogen. Allein 2023 belief sich der Abgang samt Abschreibungen auf 64 Mio. Euro, 2024 waren es 43 Mio. Euro. Der Umsatz sank zuletzt von 261 auf 253 Mio. Euro.

Sven Voth

Sven Voth

© Sven Voth

Unternehmer Sven Voth

Der neue Eigentümer Sven Voth ist in der Branche kein Unbekannter. Er gründete 1998 die Streetwear-Kette Snipes, an der sich später Deichmann beteiligte. Voth, der als Wahlwiener gilt, übernimmt alle 134 Hervis-Standorte in Österreich, Slowenien, Kroatien und Bayern und alle Beschäftigten. Knapp 100 Standorte sind in Österreich, die Mitarbeiterzahl in Österreich lag zuletzt bei rund 1.360.

»Wir prüfen alle Filialen, schließen manche«

Evaluierung. Im oe24-Gespräch sagt Michael Slamanig, Sprecher der Investoren, dass man von der Schließung einzelner, nicht rentabler Standorte ausgehen müsse, um einen klaren Neustart zu schaffen.

Der Plan: Fokus auf Sportgerät, Ausstattung, Vitamine

Hervis soll sich von der Diskontschiene verabschieden und „ein Upgrading erfahren“, erfährt oe24. Voth werde sich vermehrt auf Sportgeräte und -ausrüstung fokussieren und den Onlinehandel ausbauen. Außerdem will man das Geschäft mit Nahrungsmittelergänzungsmitteln, Vitaminen und weiterer Sportnahrung ausbauen, wo eine positive Entwicklung möglich ist.

Ab dann wird die neue Strategie ausgerollt

Management bleibt. Die aktuelle Geschäftsführung bleibt in ihrer Position – die Manager beraten gemeinsam mit den neuen Investoren Voth und Schloemer über die konkrete Strategie, die Hervis ab der 2. Jahreshälfte fahren will und die oe24 oben bereits skizziert hat. Die Investoren und die Manager befinden sich in einer intensiven Klausur, heißt es vom Sprecher zu oe24. Jede Filiale werde geprüft, jedes Geschäftsfeld analysiert. Ab Sommer will man mit der neu gefundenen Strategie starten.

Wichtiger Player auf dem Sportartikelmarkt

In den Jahren bis 2025 setzte das Hervis-Management bereits auf eine Neupositionierung des Sporthändlers inklusive Filialschließungen. Aus dem tschechischen Markt hatte sich Hervis schon 2022 zurückgezogen. Im Herbst 2025 trennte sich der Sporthändler von weiteren Auslandsgesellschaften. Die Standorte in Ungarn und Rumänien gingen an die britische Frasers Group (ehemals Sports Direct).
Auch der Verband der Sportartikelerzeuger und Sportartikelhändler Österreichs (VSSÖ) äußerte sich zur Übernahme. „Selbstverständlich hoffen wir, dass die heimischen Standorte erhalten bleiben und freuen uns auf die Zusammenarbeit mit den neuen Eigentümern“, so VSSÖ-Geschäftsführer Michael Nendwich in einer Stellungnahme.

Hervis sei „ein langjähriger und wichtiger Player auf dem österreichischen Sportartikelmarkt“, sagt Nendwich. Als VSSÖ arbeite man „seit langem gut mit Hervis zusammen, vor allem im Bereich Schulungen für Mitarbeiter“.

Die Übernahme fällt in eine schwierige Phase für den österreichischen Sporthandel. Nach einem „Sonder-Umsatzboom“ während der Pandemie führte eisernes Sparen bei den Österreichern (Fachwort: Konsumzurückhaltung) ab 2022 zu Problemen in der gesamten Branche. Der Markt wird von Intersport und Sport 2000 dominiert, Hervis liegt laut RegioData auf Platz drei. Der norwegische Händler XXL Sports verließ den Markt, während der französische Diskonter Decathlon seine Präsenz seit 2018 stetig ausbaut.

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