Hypo Tirol muss bis zu 120 Mio abschreiben

In Italien

Hypo Tirol muss bis zu 120 Mio abschreiben

Ausfälle teilweise Betrugsfälle, Anzeige bei FMA und Justiz.

Die Hypo-Tirol Bank muss im laufenden Jahr in Italien Kreditausfälle bis zu 120 Mio. Euro hinnehmen, schließt aber gleichzeitig eine unmittelbare Inanspruchnahme von Landes- oder Bundeshilfe aus. Wohlgemerkt "aus derzeitiger Sicht", wie Vorstandsvorsitzender Markus Jochum am Freitag vor Journalisten betonte. Die Bank geht 2011 von einem Verlust von zumindest 110 Mio. Euro aus.

Derzeit würden die Eigenmittel bei rund einer halbe Mrd. Euro liegen, erklärte Jochum: "Und das ist ein beachtlicher Polster". Einen akuten Bedarf an frischem Geld wischte Jochum vom Tisch: "Das ist nicht nötig". Die Rekapitalisierung der Italien-Tochter mache rund 120 Mio. Euro, also in etwa den Abschreibungsbedarf aus.

"Kriminelles Vorgehen"
Bei den Italien-Ausfällen sieht sich die Bank als Betrugsopfer und bereitet daher Anzeigen an die Finanzmarktaufsicht und an die Staatsanwaltschaft sowohl in Österreich als auch in Italien vor. Ausmaß und Zustandekommen der Kreditgeschäfte ließen auf ein "kriminelles Vorgehen" schließen. Zum Teil seien die Kredite über dazwischen geschaltete Vermittler ohne persönlichen Kontakt zum Kreditwerber vergeben worden. Zudem seien sie mangelhaft dokumentiert und die Bewertung von Sicherheiten unzureichend bzw. würde die Sorgfalt bei der Risikoeinschätzung fehlen. "Die Geschäfte fallen weitgehend in den Zeitraum 2003 bis 2008", sagte Jochum.

Platter: Altlasten "sehr ärgerlich"
Das Land Tirol als 100-Prozent-Eigentümer stehe auch in schwierigen Zeiten zu seiner Landesbank und den Mitarbeitern sowie der neuen Führung, so Landeshauptmann Günther Platter (V).  "Ich habe den Aufsichtsrat ermächtigt, alle notwendigen Schritte für eine schonungslose Aufarbeitung einzuleiten", teilte Platter in einer Aussendung mit.

 "Als Eigentümervertreter haben wir mit dem Austausch der gesamten Führungsetage (nach Wertberichtigungen von rund 72 Mio. Euro im Jahr 2009 musste Hannes Gruber als Vorstandschef gehen, Markus Jochum übernahm Mitte 2010 den Posten; Anm.) einen klaren Schnitt gesetzt", erklärte der Landeshauptmann. "Es ist kein Geheimnis, dass ich mit der damaligen Strategie und Entwicklung keine Freude hatte. Dass in diesem Zusammenhang immer noch Altlasten auftauchen, ist sehr ärgerlich", fügte Platter hinzu.

Wird weitere Landeshilfe nötig?
Die Tiroler Oppositionsparteien Liste Fritz und Grüne haben die Frage nach der Notwendigkeit einer Landes- bzw. Staatshilfe gestellt. "Jetzt müssen die Fakten schonungslos auf den Tisch, die Tiroler Steuerzahler haben ein Recht zu wissen, ob sie der Landesbank Millionen zuschießen müssen und ob die Hypo Landes- und Staatshilfe braucht", erklärte der Klubobmann der Liste Fritz, LAbg. Bernhard Ernst.

Ähnlich sah das der Grüne Landtagsabgeordnete Gebi Mair: Zunächst müsse einmal abgewartet werden, wie hoch der Kapitalbedarf der Bank sei. "Es kann aber nicht sein, dass wir eine Landesbank haben und jedes Jahr Geld nachzahlen müssen", argumentierte Mair.

Schließlich habe das Land Tirol 2009/10 schon 100 Mio. Euro nachgeschossen. Zudem stelle sich die Frage, was in den nächsten Jahren an Abschreibungen dazukommt. "Unvorstellbar" sei außerdem, dass bei diesen Summen die Kontrollen komplett versagt haben, kritisierte Mair: "Schließlich hat es einen Aufsichtsrat und einen Revisionsausschuss gegeben".

Auch die Liste Fritz fürchtete weitere Verluste: Nach Abschreibungen von insgesamt 260 Mio. Euro in den vergangenen drei Jahren sei fraglich, ob es dabei bleibt, erklärte Ernst und stellte die Frage, wer "jetzt die Verantwortung für dieses 260 Millionen Euro-Finanzdebakel" übernimmt.